Der kleinen PSB tut das Wachstum noch nicht weh
Gewinne trotz massiver Expansion - Planzahlen übertroffen - Aktie folgt allgemeiner Stimmung
Börsen-Zeitung, 4.11.2000
Ein einprägsamer Name, eine fantasievolle Equity Story und hervorragende Geschäftsergebnisse: mit einem Cocktail aus diesen Zutaten ist einem Unternehmen am Neuen Markt die Aufmerksamkeit der Investoren sicher. Da hat es ein Wert wie die PSB AG aus dem hessischen Ober-Mörlen schwer: Der Name der Firma, der ursprünglich für "Programmierung und Systemberatung" stand, ist nichts sagend, und die Story - Installation und Wartung von IT-Systemen für Behörden in Hessen - kaum anregender als die Lektüre des Fahrplans der Bundesbahn. So wird die PSB-Aktie an manchen Tagen von der Börse gleich ganz vergessen und selbst auf Xetra kein einziges Stück gehandelt. Und wenn doch ein Umsatz zustande kommt, dann wechseln in der Regel nicht mehr als 1000 Anteilscheine pro Tag den Besitzer.
Es fehlt die Fantasie
So wundert es nicht, dass PSB seit dem Ende der IT-Hausse im März dieses Jahres kontinuierlich an Aufmerksamkeit (und Wert) verloren hat und nach einem Höchststand mitten in der allgemeinen Hightech-Euphorie von 58,55 Euro nun langsam, aber sicher wieder dem Platzierungspreis von 19,50 Euro zustrebt. Dabei lässt sich der kontinuierliche Wertverlust von PSB nicht wie bei vielen anderen Firmen mit Meldungen aus dem Unternehmen untermauern, sondern scheint nur der allgemeinen Marktstimmung zu folgen: Denn die Nachrichten, die aus Ober-Mörlen zu den Anlegern kamen, handelten von sprudelnden Gewinnen und heraufgesetzten Planzahlen. Und die beim Börsengang gesteckten Umsatz- und Ergebnisziele wurden nicht nur erreicht, sondern bisher souverän übertroffen. Allein mit der bei Investoren so gern gesehenen Fantasie tut sich das PSB-Papier etwas schwer.
So präsentierte sich das IT-Unternehmen, während andere mit Gewinnwarnungen ungewollt von sich reden machen, auch beim letzten Zwischenbericht wieder in grundsolider Verfassung: Der Umsatz verdreifachte sich im ersten Halbjahr 2000 auf 77,4 Mill. DM, und, was die Anleger noch mehr erfreut haben dürfte: bei PSB vertraute man nicht auf die abgedroschene Formel "Wachstum vor Gewinn", sondern konnte mit einem operativen Ergebnis aufwarten, das mit der Umsatzentwicklung Schritt hielt und sich auf 3,4 Mill. DM ebenfalls verdreifachte.
Sieben Unternehmen übernommen
Das Geld aus dem Börsengang - rund 23,8 Mill. DM waren beim IPO im Juli 1999 brutto eingesammelt worden - wurde zügig investiert, und zwar vor allem in Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie Lagerbestände, um die Belieferung der stetig wachsenden Kundenbasis sicherstellen zu können. Zudem wurden zwei neue Standorte in Berlin und Hamburg aufgebaut. Und erst gestern wurde die Gründung einer weiteren Tochtergesellschaft vermeldet, die sich von Konstanz aus mit 17 Mitarbeitern um die Region Bodensee und südliches Baden-Württemberg kümmern soll.
Außerdem hat sich PSB seit dem IPO nicht weniger als sieben Unternehmen einverleibt, die alle gegen Aktien übernommen wurden. So schnellte die Mitarbeiterzahl innerhalb eines Jahres von 85 auf 452 nach oben. Von Wachstumsschmerzen ist indes nichts zu sehen. Im März wurden die Planzahlen für das laufende Jahr kräftig angehoben: Die Messlatte für das operative Ergebnis wurde von 7 auf 12 Mill. DM erhöht, beim Umsatz lautet das selbst gesteckte Ziel nun 230 Mill. DM statt der beim Börsengang verkündeten 126,4 Mill. DM. Damals hatte die Börse diese Ankündigung mit einem kräftigen Kurssprung honoriert, von dem mittlerweile allerdings nichts mehr übrig geblieben ist - obwohl die ambitionierten Ziele keineswegs revidiert wurden, wie Alleinvorstand Hans-Ulrich Niedner im Gespräch mit der Börsen-Zeitung bekräftigte.
Solide Bilanz
Auch ein Blick in die Bilanz zum Ende des ersten Halbjahrs zeigt, dass trotz der schlagartigen Ausdehnung noch nicht alle Reserven aufgebraucht sind. In der Kasse warten noch 7,3 Mill. DM aus dem Börsengang auf ihren Einsatz, und hinzu kommt, dass die Gesellschaft nicht zu den Cash-Burnern zählt, die sich von Experten vorrechnen lassen müssen, wann ihre Mittel aufgebraucht sind. Im Gegenteil: Nachdem die Kosten für den Börsengang von stolzen 3,6 Mill. DM (das entspricht sage und schreibe 15% oder jeder siebten Mark des beim Going Public eingesammelten Betrags), im handelsrechtlichen Abschluss verkraftet sind, bleibt unterm Strich ein erklecklicher Jahresüberschuss hängen. Zum Ende des ersten Halbjahrs lag er bei 1,6 Mill. DM. Noch ist die Bilanz deutlich geprägt vom Börsengang: Die Eigenkapitalquote schraubte sich durch das IPO von 8% auf komfortable 50,3% hoch, und ein Deckungsgrad des Anlagevermögens von 250% durch Eigenmittel schlägt alle traditionellen Regeln zur optimalen Kapitalstruktur um Längen.
Computer für Behörden
Dass PSB offensichtlich keinen Durchhänger nach dem Börsengang hatte, hängt sicher auch damit zusammen, dass die 1983 gegründete Firma kein Start-up ist. PSB ist ein Systemhaus für Intel-basierte Netzwerklösungen auf den Plattformen Windows-NT, Novell und Unix und bietet einen Komplettservice über den ganzen Lebenszyklus eines Computer-Netzes - vom Aufbau bis zur Entsorgung. Im Einzelnen ermittelt PSB den IT-Bedarf des Kunden, liefert Hardware und Software, passt sie an die spezifischen Bedürfnisse der Kunden an, nimmt das Netz in Betrieb und übernimmt auch die fortlaufende Wartung und Modernisierung sowie die Entsorgung von Altgeräten.
Studiert man die Kundenliste, dann zeigt sich, dass sich das Dienstleistungsangebot von PSB auf hohem Niveau bewegt, denn geliefert wird ausschließlich an Großkunden: Vor allem Behörden lassen sich ihre IT-Struktur von PSB aufbauen. Nach europaweiter Ausschreibung hat das Unternehmen aus Ober-Mörlen 1991 den Zuschlag zur Belieferung der Hessischen Zentrale für Datenverarbeitung (HZD) mit Personalcomputern und Peripherieprodukten erhalten, und seitdem wurden die Verträge regelmäßig verlängert. Inzwischen sind nach Angaben von PSB 20000 Komplettsysteme für die HZD installiert worden. Seit 1998 ist PSB auch zugelassener Lieferant der Bundeswehr für PC-Systeme und Server. Dazu musste nachgewiesen werden, dass das Unternehmen mit sensiblen Daten umgehen kann, was durch die Zertifizierung "Nato-Secret" geschah.
In der Kundenkartei findet sich zudem das Kultusministerium Nordrhein-Westfalen, das 6600 Schulen mit PCs für die Erstellung der amtlichen Schulstatistik und für Verwaltungsaufgaben von PSB ausstatten ließ. Hinzu kommen inzwischen auch Großunternehmen wie die Deutsche Post oder die Philipp Holzmann AG, für die PSB als A-Lieferant für Monitore und PC-Systeme zuständig ist. Forderungsausfälle, betont Niedner, habe man durch die Lieferung an Holzmann keine hinnehmen müssen. Das Bauunternehmen sei bei PSB "nicht einen Tag und nicht mit einer einzigen Mark" in Zahlungsverzug geraten.
Doch es gibt auch Schattenseiten. Und davon ist die wohl augenfälligste, dass PSB mit einem Jahresumsatz von zuletzt 48 Mill. Euro und einer Marktkapitalisierung von deutlich unter 100 Mill. Euro nur ein kleiner Fisch ist, der sich in schwerer See bewegen muss.
Doch wie jeder am Neuen Markt kann auch PSB irgendwo die heiß begehrte Marktführerschaft für sich beanspruchen - wobei die Definition allerdings sehr eng gefasst sein muss, damit das wohlklingende Wort mit Fug und Recht in den Mund genommen werden kann. So heißt es bei PSB eben, man sei "Marktführer im öffentlichen Bereich in Hessen" mit einem Anteil von deutlich über 50%. Die führenden Wettbewerber in Deutschland sind jedoch die großen IT-Firmen wie Siemens, IBM, Debis, CompuNet sowie inzwischen auch die Dell AG mit jeweils Umsätzen im Milliarden- bzw. hohen dreistelligen Millionenbereich. Eine besondere Rolle spielt Siemens für PSB, da die Münchener der dominierende Anbieter im öffentlichen Bereich in Deutschland sind und damit der wichtigste direkte Wettbewerber. Das langfristige Überleben von PSB, so warnen Analysten, wird nur dann gesichert sein, wenn das Unternehmen die nationale Präsenz ausbauen kann.
Doch das ist ein schwieriges Unterfangen. Denn die Platzhirsche dürften einiges daransetzen, damit kleine Fische wie PSB nicht aus ihrer Nische herauskommen. So müssen die Ober-Mörlener die Vorteile eines kleinen Unternehmens voll ausspielen und beispielsweise auf einen schnelleren Kundendienst als die Großen setzen. Ein erster Schritt aus der Nische heraus ist getan: In den vergangenen zwei Jahren hat PSB, die vor dem Börsengang nach Angaben von Niedner noch zu rund 70% von Behörden abhängig war, den Anteil immerhin auf unter 50% reduziert. Doch der regionale Schwerpunkt ist noch immer unübersehbar: Rund die Hälfte der Kunden sitzt in Hessen.
Hoher Margendruck
Hinzu kommt, dass der Markt für Systemhäuser schon jetzt von starkem Margendruck (derzeit liegt die operative Marge bei PSB bei wenig verlockenden 4%) und einem erheblichen Verdrängungswettbewerb gezeichnet ist. Während große Konzerne mit ihrer Finanzkraft einen langen Atem haben, um auch längere Durststrecken zu überwinden, muss sich PSB durch Innovationen profilieren, um bestehen zu können. Neben den Großen der Branche gibt es auch direkt am Neuen Markt Konkurrenten, die gemessen am Umsatz um den Faktor 6 bis 9 größer sind: Dazu gehören M+S mit zuletzt 890 Mill. DM Umsatz, Bechtle (614 Mill. DM Umsatz) und Systematics (570 Mill. DM Umsatz). Doch während die zuvor genannten Konkurrenten in den vergangenen sechs Monaten zwischen 50 und 60% ihres Börsenwertes einbüßten, hielt sich PSB mit einem Minus von rund 40% vergleichsweise wacker auf den Beinen, schnitt aber trotzdem schlechter ab als der Nemax-All-Share-Index, der nur um 33% in die Knie ging.
Abhängig vom Gründer
Anfälliger als die Konkurrenz könnte PSB auch durch die starke Abhängigkeit von Unternehmensgründer und Alleinvorstand Hans-Ulrich Niedner sein. Infolge der sieben Übernahmen verwässerte sich sein Anteil von 54% direkt nach dem IPO auf jetzt 40%. Aktien abgegeben hat er nach eigener Aussage noch "keine einzige". Auch der Großaktionär Heyde AG, der sich bereits vorbörslich mit 14% an PSB beteiligt hatte, ist mit einem auf 10% verwässerten Anteil noch mit an Bord. Im Streubesitz befinden sich nach Auskunft von Niedner derzeit 32%, wovon nach seiner Einschätzung der größte Teil bei Institutionellen liegen dürfte. Die restlichen 18% halten die übernommenen Unternehmen.
Gewinne trotz massiver Expansion - Planzahlen übertroffen - Aktie folgt allgemeiner Stimmung
Börsen-Zeitung, 4.11.2000
Ein einprägsamer Name, eine fantasievolle Equity Story und hervorragende Geschäftsergebnisse: mit einem Cocktail aus diesen Zutaten ist einem Unternehmen am Neuen Markt die Aufmerksamkeit der Investoren sicher. Da hat es ein Wert wie die PSB AG aus dem hessischen Ober-Mörlen schwer: Der Name der Firma, der ursprünglich für "Programmierung und Systemberatung" stand, ist nichts sagend, und die Story - Installation und Wartung von IT-Systemen für Behörden in Hessen - kaum anregender als die Lektüre des Fahrplans der Bundesbahn. So wird die PSB-Aktie an manchen Tagen von der Börse gleich ganz vergessen und selbst auf Xetra kein einziges Stück gehandelt. Und wenn doch ein Umsatz zustande kommt, dann wechseln in der Regel nicht mehr als 1000 Anteilscheine pro Tag den Besitzer.
Es fehlt die Fantasie
So wundert es nicht, dass PSB seit dem Ende der IT-Hausse im März dieses Jahres kontinuierlich an Aufmerksamkeit (und Wert) verloren hat und nach einem Höchststand mitten in der allgemeinen Hightech-Euphorie von 58,55 Euro nun langsam, aber sicher wieder dem Platzierungspreis von 19,50 Euro zustrebt. Dabei lässt sich der kontinuierliche Wertverlust von PSB nicht wie bei vielen anderen Firmen mit Meldungen aus dem Unternehmen untermauern, sondern scheint nur der allgemeinen Marktstimmung zu folgen: Denn die Nachrichten, die aus Ober-Mörlen zu den Anlegern kamen, handelten von sprudelnden Gewinnen und heraufgesetzten Planzahlen. Und die beim Börsengang gesteckten Umsatz- und Ergebnisziele wurden nicht nur erreicht, sondern bisher souverän übertroffen. Allein mit der bei Investoren so gern gesehenen Fantasie tut sich das PSB-Papier etwas schwer.
So präsentierte sich das IT-Unternehmen, während andere mit Gewinnwarnungen ungewollt von sich reden machen, auch beim letzten Zwischenbericht wieder in grundsolider Verfassung: Der Umsatz verdreifachte sich im ersten Halbjahr 2000 auf 77,4 Mill. DM, und, was die Anleger noch mehr erfreut haben dürfte: bei PSB vertraute man nicht auf die abgedroschene Formel "Wachstum vor Gewinn", sondern konnte mit einem operativen Ergebnis aufwarten, das mit der Umsatzentwicklung Schritt hielt und sich auf 3,4 Mill. DM ebenfalls verdreifachte.
Sieben Unternehmen übernommen
Das Geld aus dem Börsengang - rund 23,8 Mill. DM waren beim IPO im Juli 1999 brutto eingesammelt worden - wurde zügig investiert, und zwar vor allem in Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie Lagerbestände, um die Belieferung der stetig wachsenden Kundenbasis sicherstellen zu können. Zudem wurden zwei neue Standorte in Berlin und Hamburg aufgebaut. Und erst gestern wurde die Gründung einer weiteren Tochtergesellschaft vermeldet, die sich von Konstanz aus mit 17 Mitarbeitern um die Region Bodensee und südliches Baden-Württemberg kümmern soll.
Außerdem hat sich PSB seit dem IPO nicht weniger als sieben Unternehmen einverleibt, die alle gegen Aktien übernommen wurden. So schnellte die Mitarbeiterzahl innerhalb eines Jahres von 85 auf 452 nach oben. Von Wachstumsschmerzen ist indes nichts zu sehen. Im März wurden die Planzahlen für das laufende Jahr kräftig angehoben: Die Messlatte für das operative Ergebnis wurde von 7 auf 12 Mill. DM erhöht, beim Umsatz lautet das selbst gesteckte Ziel nun 230 Mill. DM statt der beim Börsengang verkündeten 126,4 Mill. DM. Damals hatte die Börse diese Ankündigung mit einem kräftigen Kurssprung honoriert, von dem mittlerweile allerdings nichts mehr übrig geblieben ist - obwohl die ambitionierten Ziele keineswegs revidiert wurden, wie Alleinvorstand Hans-Ulrich Niedner im Gespräch mit der Börsen-Zeitung bekräftigte.
Solide Bilanz
Auch ein Blick in die Bilanz zum Ende des ersten Halbjahrs zeigt, dass trotz der schlagartigen Ausdehnung noch nicht alle Reserven aufgebraucht sind. In der Kasse warten noch 7,3 Mill. DM aus dem Börsengang auf ihren Einsatz, und hinzu kommt, dass die Gesellschaft nicht zu den Cash-Burnern zählt, die sich von Experten vorrechnen lassen müssen, wann ihre Mittel aufgebraucht sind. Im Gegenteil: Nachdem die Kosten für den Börsengang von stolzen 3,6 Mill. DM (das entspricht sage und schreibe 15% oder jeder siebten Mark des beim Going Public eingesammelten Betrags), im handelsrechtlichen Abschluss verkraftet sind, bleibt unterm Strich ein erklecklicher Jahresüberschuss hängen. Zum Ende des ersten Halbjahrs lag er bei 1,6 Mill. DM. Noch ist die Bilanz deutlich geprägt vom Börsengang: Die Eigenkapitalquote schraubte sich durch das IPO von 8% auf komfortable 50,3% hoch, und ein Deckungsgrad des Anlagevermögens von 250% durch Eigenmittel schlägt alle traditionellen Regeln zur optimalen Kapitalstruktur um Längen.
Computer für Behörden
Dass PSB offensichtlich keinen Durchhänger nach dem Börsengang hatte, hängt sicher auch damit zusammen, dass die 1983 gegründete Firma kein Start-up ist. PSB ist ein Systemhaus für Intel-basierte Netzwerklösungen auf den Plattformen Windows-NT, Novell und Unix und bietet einen Komplettservice über den ganzen Lebenszyklus eines Computer-Netzes - vom Aufbau bis zur Entsorgung. Im Einzelnen ermittelt PSB den IT-Bedarf des Kunden, liefert Hardware und Software, passt sie an die spezifischen Bedürfnisse der Kunden an, nimmt das Netz in Betrieb und übernimmt auch die fortlaufende Wartung und Modernisierung sowie die Entsorgung von Altgeräten.
Studiert man die Kundenliste, dann zeigt sich, dass sich das Dienstleistungsangebot von PSB auf hohem Niveau bewegt, denn geliefert wird ausschließlich an Großkunden: Vor allem Behörden lassen sich ihre IT-Struktur von PSB aufbauen. Nach europaweiter Ausschreibung hat das Unternehmen aus Ober-Mörlen 1991 den Zuschlag zur Belieferung der Hessischen Zentrale für Datenverarbeitung (HZD) mit Personalcomputern und Peripherieprodukten erhalten, und seitdem wurden die Verträge regelmäßig verlängert. Inzwischen sind nach Angaben von PSB 20000 Komplettsysteme für die HZD installiert worden. Seit 1998 ist PSB auch zugelassener Lieferant der Bundeswehr für PC-Systeme und Server. Dazu musste nachgewiesen werden, dass das Unternehmen mit sensiblen Daten umgehen kann, was durch die Zertifizierung "Nato-Secret" geschah.
In der Kundenkartei findet sich zudem das Kultusministerium Nordrhein-Westfalen, das 6600 Schulen mit PCs für die Erstellung der amtlichen Schulstatistik und für Verwaltungsaufgaben von PSB ausstatten ließ. Hinzu kommen inzwischen auch Großunternehmen wie die Deutsche Post oder die Philipp Holzmann AG, für die PSB als A-Lieferant für Monitore und PC-Systeme zuständig ist. Forderungsausfälle, betont Niedner, habe man durch die Lieferung an Holzmann keine hinnehmen müssen. Das Bauunternehmen sei bei PSB "nicht einen Tag und nicht mit einer einzigen Mark" in Zahlungsverzug geraten.
Doch es gibt auch Schattenseiten. Und davon ist die wohl augenfälligste, dass PSB mit einem Jahresumsatz von zuletzt 48 Mill. Euro und einer Marktkapitalisierung von deutlich unter 100 Mill. Euro nur ein kleiner Fisch ist, der sich in schwerer See bewegen muss.
Doch wie jeder am Neuen Markt kann auch PSB irgendwo die heiß begehrte Marktführerschaft für sich beanspruchen - wobei die Definition allerdings sehr eng gefasst sein muss, damit das wohlklingende Wort mit Fug und Recht in den Mund genommen werden kann. So heißt es bei PSB eben, man sei "Marktführer im öffentlichen Bereich in Hessen" mit einem Anteil von deutlich über 50%. Die führenden Wettbewerber in Deutschland sind jedoch die großen IT-Firmen wie Siemens, IBM, Debis, CompuNet sowie inzwischen auch die Dell AG mit jeweils Umsätzen im Milliarden- bzw. hohen dreistelligen Millionenbereich. Eine besondere Rolle spielt Siemens für PSB, da die Münchener der dominierende Anbieter im öffentlichen Bereich in Deutschland sind und damit der wichtigste direkte Wettbewerber. Das langfristige Überleben von PSB, so warnen Analysten, wird nur dann gesichert sein, wenn das Unternehmen die nationale Präsenz ausbauen kann.
Doch das ist ein schwieriges Unterfangen. Denn die Platzhirsche dürften einiges daransetzen, damit kleine Fische wie PSB nicht aus ihrer Nische herauskommen. So müssen die Ober-Mörlener die Vorteile eines kleinen Unternehmens voll ausspielen und beispielsweise auf einen schnelleren Kundendienst als die Großen setzen. Ein erster Schritt aus der Nische heraus ist getan: In den vergangenen zwei Jahren hat PSB, die vor dem Börsengang nach Angaben von Niedner noch zu rund 70% von Behörden abhängig war, den Anteil immerhin auf unter 50% reduziert. Doch der regionale Schwerpunkt ist noch immer unübersehbar: Rund die Hälfte der Kunden sitzt in Hessen.
Hoher Margendruck
Hinzu kommt, dass der Markt für Systemhäuser schon jetzt von starkem Margendruck (derzeit liegt die operative Marge bei PSB bei wenig verlockenden 4%) und einem erheblichen Verdrängungswettbewerb gezeichnet ist. Während große Konzerne mit ihrer Finanzkraft einen langen Atem haben, um auch längere Durststrecken zu überwinden, muss sich PSB durch Innovationen profilieren, um bestehen zu können. Neben den Großen der Branche gibt es auch direkt am Neuen Markt Konkurrenten, die gemessen am Umsatz um den Faktor 6 bis 9 größer sind: Dazu gehören M+S mit zuletzt 890 Mill. DM Umsatz, Bechtle (614 Mill. DM Umsatz) und Systematics (570 Mill. DM Umsatz). Doch während die zuvor genannten Konkurrenten in den vergangenen sechs Monaten zwischen 50 und 60% ihres Börsenwertes einbüßten, hielt sich PSB mit einem Minus von rund 40% vergleichsweise wacker auf den Beinen, schnitt aber trotzdem schlechter ab als der Nemax-All-Share-Index, der nur um 33% in die Knie ging.
Abhängig vom Gründer
Anfälliger als die Konkurrenz könnte PSB auch durch die starke Abhängigkeit von Unternehmensgründer und Alleinvorstand Hans-Ulrich Niedner sein. Infolge der sieben Übernahmen verwässerte sich sein Anteil von 54% direkt nach dem IPO auf jetzt 40%. Aktien abgegeben hat er nach eigener Aussage noch "keine einzige". Auch der Großaktionär Heyde AG, der sich bereits vorbörslich mit 14% an PSB beteiligt hatte, ist mit einem auf 10% verwässerten Anteil noch mit an Bord. Im Streubesitz befinden sich nach Auskunft von Niedner derzeit 32%, wovon nach seiner Einschätzung der größte Teil bei Institutionellen liegen dürfte. Die restlichen 18% halten die übernommenen Unternehmen.