VW: Wachstumspause 2002
Volkswagen erwägt, seine Produktionsplanung für 2002 noch einmal zu überdenken. Einer Prognose der FH Gelsenkirchen zufolge, rollt der deutsche Automarkt 2002 in die Rezession.
"Wir sind in der Planungsrunde 50 davon ausgegangen, dass die Produktion 2002 ungefähr auf dem Niveau dieses Jahres liegen wird, also bei rund fünf Millionen Autos", sagte Klaus Volkert, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates, am Donnerstag in Wolfsburg. Sollte der Auftragseingang deutlich sinken, könne es aber sein, "dass wir uns im Frühjahr zu einer Planungsrunde 50 a zusammensetzen und neu planen müssen."
Volkswagen stellt jedes Jahr in Planungsrunden einen fortlaufenden Fünfjahresplan auf. Im November hatte VW in Planungsrunde 50 Investitionen von 60 Mrd. DM bis 2006 und eine Produktion für 2002 auf Vorjahresniveau beschlossen. Damit steigt auch beim größten deutschen Autokonzern die Unsicherheit, ob angesichts der schwachen Konjunktur das hohe Produktionsniveau gehalten werden kann.
Prognose: 2002 kommt die Rezession
Am Donnerstag gab die FH Gelsenkirchen eine neue Prognose für das kommende Jahr heraus, wonach die Rezession 2002 voll auf den deutschen Automarkt durchschlägt und das Volumen auf 3,25 Millionen Neuwagen sinkt, nach 3,36 Millionen in diesem Jahr. In ganz Westeuropa, so die Prognose, werde der Markt um fünf Prozent auf 14,15 Millionen Autos schrumpfen. Negative Vorzeichen auch in den USA (minus sieben Prozent) und Japan (Minus 6,6 Prozent). Erst 2003 dürfte die Nachfrage in Westeuropa wieder steigen.
Das mit 600.000 produzierten Fahrzeugen pro Jahr größte VW-Werk in Wolfsburg sieht sich 2002 einem weiteren Problem gegenüber: "Der hier produzierte Golf wird nicht jünger. 2002 wird ein schweres Jahr. Vor allem für den Standort Wolfsburg", sagte Volkert. Der Nachfolger des meistverkauften VW-Modells wird jedoch erst 2003 vorgestellt. Deshalb wurde für das Wolfsburger Werk mit seinen 53.000 Beschäftigten für das nächste Jahr an 36 Wochen die Vier-Tage-Woche angeordnet, nach fünf in diesem Jahr. Volkert sieht 2002 eine "Wachstumspause" für VW, jedoch keinen Arbeitsplatzabbau.
Künftig sollen zwei Großraumlimousinen auf Golf-Basis, der A-MPV und der Golf-MPV, sogar zu Neueinstellungen führen. Während der MPV, ein Siebensitzer nach dem Vorbild des Opel Zafira, mit dem Beschäftigungsmodell 5000 mal 5000 in Wolfsburg rund 3500 Arbeitsplätze schaffen wird, soll der fünfsitzige Golf-MPV von den jetzigen VW-Beschäftigten gebaut werden. Zusätzliche 1500 Arbeitsplätze könnten im VW-Nutzfahrzeugwerk Hannover entstehen, sollte dort der Bulli-Nachfolger Micro-Bus gebaut werden. "Der Vertrieb sieht einen Absatz von 100.000 Fahrzeugen im Jahr. Der Micro-Bus rechnet sich aber erst ab 120.000", so Volkert. Er rechne damit, dass "der Vertrieb die restlichen 20.000 auch noch zusammenbekommt, damit das Projekt startet".
Mehr Nischenmodelle
Derzeit weist die VW-Produktpalette noch einige Lücken auf. So im Bereich der variablen Großraumlimousinen, die im A-Segment des Golf nach VW-Berechnungen bis 2006 einen Anteil von 47 Prozent ausmachen werden. Der Betriebsrat kündigte an, VW werde in Zukunft verstärkt Nischenmodelle wie Geländewagen, Coupés oder Cabrios ins Programm nehmen. Volkert, der gleichzeitig stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist, unterstützt damit den designierten Vorstandschef Bernd Pischetsrieder, der eine Nischen-Strategie für die VW-Marken (Audi, Seat, Skoda, Bentley) angekündigt hat.
Sorgen macht sich das Management wegen des niedrigen Börsenwertes von VW. Die Marktkapitalisierung beträgt nur rund 20 Mrd. E, was den Konzern zum Ziel feindlicher Übernahmenversuche machen könnte. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Bernd Sudholt forderte "Waffengleichheit" in den Übernahmerichtlinien von EU und USA: "Auch in den USA können sich Unternehmen durch Mehrfachstimmrechte und Golden Shares gegen Übernahmen schützen. Es kann nicht sein, dass nur europäische Unternehmen schutzlos sind." Der französische Autohersteller Renault plant, sich durch die Gründung einer Stiftung gegen Aufkäufer zu wehren, da sich der französische Staat als größter Einzelaktionär immer mehr zurückzieht. Sudholt: "Eine interessante Idee: Das Stiftungsrecht macht Übernahmen sehr schwer."
Quelle: Financial Times Deutschland
Volkswagen erwägt, seine Produktionsplanung für 2002 noch einmal zu überdenken. Einer Prognose der FH Gelsenkirchen zufolge, rollt der deutsche Automarkt 2002 in die Rezession.
"Wir sind in der Planungsrunde 50 davon ausgegangen, dass die Produktion 2002 ungefähr auf dem Niveau dieses Jahres liegen wird, also bei rund fünf Millionen Autos", sagte Klaus Volkert, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates, am Donnerstag in Wolfsburg. Sollte der Auftragseingang deutlich sinken, könne es aber sein, "dass wir uns im Frühjahr zu einer Planungsrunde 50 a zusammensetzen und neu planen müssen."
Volkswagen stellt jedes Jahr in Planungsrunden einen fortlaufenden Fünfjahresplan auf. Im November hatte VW in Planungsrunde 50 Investitionen von 60 Mrd. DM bis 2006 und eine Produktion für 2002 auf Vorjahresniveau beschlossen. Damit steigt auch beim größten deutschen Autokonzern die Unsicherheit, ob angesichts der schwachen Konjunktur das hohe Produktionsniveau gehalten werden kann.
Prognose: 2002 kommt die Rezession
Am Donnerstag gab die FH Gelsenkirchen eine neue Prognose für das kommende Jahr heraus, wonach die Rezession 2002 voll auf den deutschen Automarkt durchschlägt und das Volumen auf 3,25 Millionen Neuwagen sinkt, nach 3,36 Millionen in diesem Jahr. In ganz Westeuropa, so die Prognose, werde der Markt um fünf Prozent auf 14,15 Millionen Autos schrumpfen. Negative Vorzeichen auch in den USA (minus sieben Prozent) und Japan (Minus 6,6 Prozent). Erst 2003 dürfte die Nachfrage in Westeuropa wieder steigen.
Das mit 600.000 produzierten Fahrzeugen pro Jahr größte VW-Werk in Wolfsburg sieht sich 2002 einem weiteren Problem gegenüber: "Der hier produzierte Golf wird nicht jünger. 2002 wird ein schweres Jahr. Vor allem für den Standort Wolfsburg", sagte Volkert. Der Nachfolger des meistverkauften VW-Modells wird jedoch erst 2003 vorgestellt. Deshalb wurde für das Wolfsburger Werk mit seinen 53.000 Beschäftigten für das nächste Jahr an 36 Wochen die Vier-Tage-Woche angeordnet, nach fünf in diesem Jahr. Volkert sieht 2002 eine "Wachstumspause" für VW, jedoch keinen Arbeitsplatzabbau.
Künftig sollen zwei Großraumlimousinen auf Golf-Basis, der A-MPV und der Golf-MPV, sogar zu Neueinstellungen führen. Während der MPV, ein Siebensitzer nach dem Vorbild des Opel Zafira, mit dem Beschäftigungsmodell 5000 mal 5000 in Wolfsburg rund 3500 Arbeitsplätze schaffen wird, soll der fünfsitzige Golf-MPV von den jetzigen VW-Beschäftigten gebaut werden. Zusätzliche 1500 Arbeitsplätze könnten im VW-Nutzfahrzeugwerk Hannover entstehen, sollte dort der Bulli-Nachfolger Micro-Bus gebaut werden. "Der Vertrieb sieht einen Absatz von 100.000 Fahrzeugen im Jahr. Der Micro-Bus rechnet sich aber erst ab 120.000", so Volkert. Er rechne damit, dass "der Vertrieb die restlichen 20.000 auch noch zusammenbekommt, damit das Projekt startet".
Mehr Nischenmodelle
Derzeit weist die VW-Produktpalette noch einige Lücken auf. So im Bereich der variablen Großraumlimousinen, die im A-Segment des Golf nach VW-Berechnungen bis 2006 einen Anteil von 47 Prozent ausmachen werden. Der Betriebsrat kündigte an, VW werde in Zukunft verstärkt Nischenmodelle wie Geländewagen, Coupés oder Cabrios ins Programm nehmen. Volkert, der gleichzeitig stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist, unterstützt damit den designierten Vorstandschef Bernd Pischetsrieder, der eine Nischen-Strategie für die VW-Marken (Audi, Seat, Skoda, Bentley) angekündigt hat.
Sorgen macht sich das Management wegen des niedrigen Börsenwertes von VW. Die Marktkapitalisierung beträgt nur rund 20 Mrd. E, was den Konzern zum Ziel feindlicher Übernahmenversuche machen könnte. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Bernd Sudholt forderte "Waffengleichheit" in den Übernahmerichtlinien von EU und USA: "Auch in den USA können sich Unternehmen durch Mehrfachstimmrechte und Golden Shares gegen Übernahmen schützen. Es kann nicht sein, dass nur europäische Unternehmen schutzlos sind." Der französische Autohersteller Renault plant, sich durch die Gründung einer Stiftung gegen Aufkäufer zu wehren, da sich der französische Staat als größter Einzelaktionär immer mehr zurückzieht. Sudholt: "Eine interessante Idee: Das Stiftungsrecht macht Übernahmen sehr schwer."
Quelle: Financial Times Deutschland