Frankfurt (Reuters) - Der hoch verschuldete Mainzer Kabelnetzbetreiber PrimaCom verhandelt weiter intensiv mit seinen Kreditgebern, um die Insolvenz noch abzuwenden.
" Wir sind weiter optimistisch, dass es eine Lösung geben wird" , sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag. Ein Bankenkonsortium hatte am Montag einen vorrangig besicherten Kredit über 485 Millionen Euro nicht verlängert. Primacom ist derzeit nicht in der Lage, das fällige Darlehen zurückzuzahlen. Das Unternehmen verhandele jetzt über eine Umstrukturierung seiner Schulden, um das Insolvenzverfahren noch abzuwenden, erläuterte der Sprecher. Dazu hat das Unternehmen bis Anfang Oktober Zeit.
Verhandelt werde vorrangig über die Umschichtung eines nachrangig besicherten Kredits von gut 500 Millionen Euro mit einem hohen Zinssatz von 20 Prozent, unter anderem gewährt von dem Finanzinvestor Apollo. Diesen überteuerten Kredit wolle Primacom mittels eines neuen Kredits mit günstigeren Konditionen zurückkaufen und dabei die aufgelaufenen Zinsen nicht zahlen. Nominal ist der Kredit 375 Millionen Euro wert. Bei der Suche nach einer refinanzierenden Bank sei Primacom schon sehr weit.
NACHRANGIGE KREDITGEBER MÜSSEN SICH BEWEGEN
Zudem müssten die Kreditgeber des nachrangigen Kredits dem geplanten Verkauf der Tochter Multikabel zustimmen. Mit dem Erlös will Primacom den fälligen erstrangigen Kredit zurückzahlen. " Es liegen zwei Angebote vor" , sagte der Sprecher. Beide lägen über 500 Millionen Euro.
Sollte die Umstrukturierung wie von Primacom geplant gelingen, hätte Primacom weniger als die Hälfte an Schulden zu einem deutlich günstigeren Zinssatz, erläuterte der Sprecher. Sollten die Verhandlungen scheitern, drohe die Insolvenz.
Ende Juni bilanzierte Primacom Verbindlichkeiten und Rückstellungen von fast 1,2 Milliarden Euro, wobei allein die Finanzschulden rund eine Milliarde Euro ausmachten. Demgegenüber stand ein Finanzmittelbestand von 396.000 Euro.
Primacom versorgt über seine Kabelnetze in Deutschland rund eine Million und in den Niederlanden rund 300.000 Haushalte mit Fernseh- und Rundfunkprogrammen.