Premiere-Aktien kosten 24 bis 28 Euro
22. Februar 2005 Der Münchner Bezahlfernsehsender Premiere bietet seine Aktien in einer Preisspanne zwischen 24 und 28 Euro zur Zeichnung an; die 14tätige Frist beginnt am diesem Mittwoch. Mit einem Emissionsvolumen von bis zu knapp 1,2 Milliarden Euro ist der für den 9. März geplante Börsengang damit eine der größten Neuemissionen der vergangenen Jahre und die bislang größte eines deutschen Medienunternehmens überhaupt. Mit bis zu 42,1 Millionen Aktien fällt das Volumen deutlich höher aus als die in den vergangenen Tagen in Finanzkreisen erwarteten 26 Millionen bis 30 Millionen Aktien. Das Unternehmen strebt die Aufnahme in den Nebenwerteindex M-Dax an.
Die Preisspanne liegt eher am unteren Rand der zuletzt genannten Zahlen. Ende vergangener Woche hieß es noch in Branchen- und Finanzkreisen, ein Preis zwischen 23 Euro und 33 Euro sei realistisch. Analysten von Banken, die den Börsengang begleiten, nannten sogar faire Preise zwischen 27,70 bis 40,80 Euro. Allerdings zeigen sich bislang offenbar vor allem institutionelle Anleger aus dem Inland eher zurückhaltend, während ausländische Investoren aufgeschlossener seien. „Wir sind den Anlegern entgegengekommen”, sagte Premiere-Vorstandschef Georg Kofler am Dienstag.
Positive Resonanz
Im außerbörslichen Handel stießen die Papiere des Börsenkandidaten zunächst auf eine positive Resonanz. Beim Wertpapiermakler Lang & Schwarz wurde die Premiere-Aktie am Dienstag mit 26,75 Euro bis 27,50 Euro taxiert. „Im Gegensatz zu den vergangenen Börsengängen ist das Interesse an Premiere schon am ersten Tag des außerbörslichen Handels groß”, sagte ein Händler am Mittag. Anfang Februar ist bereits das Biotechnologieunternehmen Paion an die Börse gegangen, hatte zuvor jedoch seine Preisspanne senken müssen.
Der Großteil des Premiere-Emissionserlöses soll nicht dem Unternehmen zufließen, das unter dem Strich 2004 noch Verluste machte, sondern den Altaktionären. Von den 42,1 Millionen Aktien entfallen bis zu 5,5 Millionen Titel auf eine sogenannte Mehrzuteilungsoption (Greenshoe). Lediglich 12 Millionen Aktien oder 28,5 Prozent des Emissionsvolumens, stammen aus einer Kapitalerhöhung. Nach Abzug der Kosten für den Börsengang würden dem Unternehmen netto 260 bis 300 Millionen Euro zufließen.
Mindeshaltefrist
Damit soll vor allem die Verschuldung gesenkt werden. Die restlichen Anteile stammen aus dem Besitz der Altgesellschafter. Haupteigentümer ist bislang mit 54,8 Prozent die Risikogesellschaft Permira, deren Anteil durch Verkäufe und den Verwässerungseffekt der Kapitalerhöhung nach dem Börsengang auf 21,3 Prozent sinken soll. Der Anteil Koflers würde von 20,5 Prozent auf 14,9 Prozent schrumpfen. Auch die ebenfalls beteiligten Premiere-Gläubigerbanken Hypo-Vereinsbank, BayernLB und Bawag trennen sich teilweise von ihren Aktien.
Fondsmanager hatten in den vergangenen Wochen darauf hingewiesen, daß ein Aktien-Verkauf von Kofler das Vertrauen der Anleger in die Zukunft des Unternehmens nicht stärken werde. Kofler wies dies jedoch am Dienstag zurück. „Ein klareres Bekenntnis zur Zukunft von Premiere kann ich kaum abgeben”, sagte der Senderchef. Er und seine in kleinerem Umfang beteiligten Vorstandskollegen haben sich verpflichtet, nach dem Börsengang zwölf Monate lang keine weiteren Aktien zu verkaufen (Lock up Period). Die anderen Altaktionäre versprechen eine Mindeshaltefrist von sechs Monaten.
Erstmals ein ausgeglichenes Betriebsergebnis
Aus der Emissionsspanne läßt sich ein Wert des Premiere-Eigenkapitals von 1,68 bis 1,96 Milliarden Euro ableiten, der damit deutlich niedriger liegt, als von den Analysten der Emissionsbanken geschätzt. Der einzige deutsche Bezahlsender ist zwar bereits seit 1991 auf Sendung, hat aber unterm Strich noch nie dauerhaft einen Gewinn erzielt. Vor drei Jahren waren die Milliardenverluste von Premiere sogar die Hauptursache für die Insolvenz des damaligen Haupteigentümers Kirch.
„Mittlerweile haben wir Premiere von Grund auf neu gebaut”, sagte Kofler. 2004 hat das Unternehmen erstmals ein ausgeglichenes Betriebsergebnis (Ebit) erzielt. Seit 2001 ist die Zahl der Abonnenten von 2,4 Millionen auf 3,2 Millionen Kunden gestiegen. Die Sanierung des Senders unter der Regie Koflers ist gleichwohl vor allem das Ergebnis drastischer Kostensenkungen. Insgesamt haben sich diese in den vergangenen vier Jahren praktisch halbiert. Der Umsatz legte im selben Zeitraum lediglich um 23 Prozent auf zuletzt knapp eine Milliarde Euro zu.
Kofler lehnte es ab, konkrete Prognosen für die zukünftige Entwicklung von Umsatz, Ergebnis und Abonnentenzahlen zu nennen, weil er dies aus rechtlichen Gründen nicht dürfe. Der Senderchef zeigte sich trotzdem sehr optimistisch: „Bezahlfernsehen ist das neue Wachstumssegment im deutschen Fernsehmarkt.” Das bislang dominierende werbefinanzierte Fernsehen stagniere dagegen. Gleichwohl schloß Kofler am Dienstag erstmals nicht aus, daß auch sein Abo-Sender mittelfristig ins werbefinanzierte Fernsehen einsteigen könnte.
Text: theu., F.A.Z., 23.02.2005, Nr. 45 / Seite 21
Q: www.faz.net/
Gr.
22. Februar 2005 Der Münchner Bezahlfernsehsender Premiere bietet seine Aktien in einer Preisspanne zwischen 24 und 28 Euro zur Zeichnung an; die 14tätige Frist beginnt am diesem Mittwoch. Mit einem Emissionsvolumen von bis zu knapp 1,2 Milliarden Euro ist der für den 9. März geplante Börsengang damit eine der größten Neuemissionen der vergangenen Jahre und die bislang größte eines deutschen Medienunternehmens überhaupt. Mit bis zu 42,1 Millionen Aktien fällt das Volumen deutlich höher aus als die in den vergangenen Tagen in Finanzkreisen erwarteten 26 Millionen bis 30 Millionen Aktien. Das Unternehmen strebt die Aufnahme in den Nebenwerteindex M-Dax an.
Die Preisspanne liegt eher am unteren Rand der zuletzt genannten Zahlen. Ende vergangener Woche hieß es noch in Branchen- und Finanzkreisen, ein Preis zwischen 23 Euro und 33 Euro sei realistisch. Analysten von Banken, die den Börsengang begleiten, nannten sogar faire Preise zwischen 27,70 bis 40,80 Euro. Allerdings zeigen sich bislang offenbar vor allem institutionelle Anleger aus dem Inland eher zurückhaltend, während ausländische Investoren aufgeschlossener seien. „Wir sind den Anlegern entgegengekommen”, sagte Premiere-Vorstandschef Georg Kofler am Dienstag.
Positive Resonanz
Im außerbörslichen Handel stießen die Papiere des Börsenkandidaten zunächst auf eine positive Resonanz. Beim Wertpapiermakler Lang & Schwarz wurde die Premiere-Aktie am Dienstag mit 26,75 Euro bis 27,50 Euro taxiert. „Im Gegensatz zu den vergangenen Börsengängen ist das Interesse an Premiere schon am ersten Tag des außerbörslichen Handels groß”, sagte ein Händler am Mittag. Anfang Februar ist bereits das Biotechnologieunternehmen Paion an die Börse gegangen, hatte zuvor jedoch seine Preisspanne senken müssen.
Der Großteil des Premiere-Emissionserlöses soll nicht dem Unternehmen zufließen, das unter dem Strich 2004 noch Verluste machte, sondern den Altaktionären. Von den 42,1 Millionen Aktien entfallen bis zu 5,5 Millionen Titel auf eine sogenannte Mehrzuteilungsoption (Greenshoe). Lediglich 12 Millionen Aktien oder 28,5 Prozent des Emissionsvolumens, stammen aus einer Kapitalerhöhung. Nach Abzug der Kosten für den Börsengang würden dem Unternehmen netto 260 bis 300 Millionen Euro zufließen.
Mindeshaltefrist
Damit soll vor allem die Verschuldung gesenkt werden. Die restlichen Anteile stammen aus dem Besitz der Altgesellschafter. Haupteigentümer ist bislang mit 54,8 Prozent die Risikogesellschaft Permira, deren Anteil durch Verkäufe und den Verwässerungseffekt der Kapitalerhöhung nach dem Börsengang auf 21,3 Prozent sinken soll. Der Anteil Koflers würde von 20,5 Prozent auf 14,9 Prozent schrumpfen. Auch die ebenfalls beteiligten Premiere-Gläubigerbanken Hypo-Vereinsbank, BayernLB und Bawag trennen sich teilweise von ihren Aktien.
Fondsmanager hatten in den vergangenen Wochen darauf hingewiesen, daß ein Aktien-Verkauf von Kofler das Vertrauen der Anleger in die Zukunft des Unternehmens nicht stärken werde. Kofler wies dies jedoch am Dienstag zurück. „Ein klareres Bekenntnis zur Zukunft von Premiere kann ich kaum abgeben”, sagte der Senderchef. Er und seine in kleinerem Umfang beteiligten Vorstandskollegen haben sich verpflichtet, nach dem Börsengang zwölf Monate lang keine weiteren Aktien zu verkaufen (Lock up Period). Die anderen Altaktionäre versprechen eine Mindeshaltefrist von sechs Monaten.
Erstmals ein ausgeglichenes Betriebsergebnis
Aus der Emissionsspanne läßt sich ein Wert des Premiere-Eigenkapitals von 1,68 bis 1,96 Milliarden Euro ableiten, der damit deutlich niedriger liegt, als von den Analysten der Emissionsbanken geschätzt. Der einzige deutsche Bezahlsender ist zwar bereits seit 1991 auf Sendung, hat aber unterm Strich noch nie dauerhaft einen Gewinn erzielt. Vor drei Jahren waren die Milliardenverluste von Premiere sogar die Hauptursache für die Insolvenz des damaligen Haupteigentümers Kirch.
„Mittlerweile haben wir Premiere von Grund auf neu gebaut”, sagte Kofler. 2004 hat das Unternehmen erstmals ein ausgeglichenes Betriebsergebnis (Ebit) erzielt. Seit 2001 ist die Zahl der Abonnenten von 2,4 Millionen auf 3,2 Millionen Kunden gestiegen. Die Sanierung des Senders unter der Regie Koflers ist gleichwohl vor allem das Ergebnis drastischer Kostensenkungen. Insgesamt haben sich diese in den vergangenen vier Jahren praktisch halbiert. Der Umsatz legte im selben Zeitraum lediglich um 23 Prozent auf zuletzt knapp eine Milliarde Euro zu.
Kofler lehnte es ab, konkrete Prognosen für die zukünftige Entwicklung von Umsatz, Ergebnis und Abonnentenzahlen zu nennen, weil er dies aus rechtlichen Gründen nicht dürfe. Der Senderchef zeigte sich trotzdem sehr optimistisch: „Bezahlfernsehen ist das neue Wachstumssegment im deutschen Fernsehmarkt.” Das bislang dominierende werbefinanzierte Fernsehen stagniere dagegen. Gleichwohl schloß Kofler am Dienstag erstmals nicht aus, daß auch sein Abo-Sender mittelfristig ins werbefinanzierte Fernsehen einsteigen könnte.
Text: theu., F.A.Z., 23.02.2005, Nr. 45 / Seite 21
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Gr.