Praktiker-Aktie weiter im Rally-Modus
[11:30, 30.01.12]
Von Franz-Georg Wenner
Aufatmen beim Baumarktkonzern: Dank einer Kreditvereinbarung unter Leitung der Commerzbank gilt die Finanzierung der Frühjahrssaison als gesichert. Die Aktie setzt ihre Rally mit zeitweise prozentual zweistelligen Kurszuwächsen fort. Aber es gibt auch Ärger.
Neue Woche, neues Glück: Aktien von Praktiker sind am Montag vor allem bei Spekulanten sehr beliebt. In der Spitze heben die Papiere prozentual zweistellig ab und steigen am Vormittag in der Spitze auf 2,43 Euro. Bis zum Mittag setzen dann aber doch Gewinnmitnahmen ein – Praktiker-Titel stehen dennoch gut acht Prozent höher bei 2,25 Euro. Damit setzt sich die seit Mitte Dezember laufende Rally weiter fort. Zum Vergleich: Vor gut sechs Wochen gab es die Papiere des sehr angeschlagenen Hornbach-Konkurrenten für gut einen Euro.
Grund für den jüngsten Kurssprung ist eine Meldung vom Wochenende, die sich zunächst sehr positiv liest. Wie das Unternehmen am Samstagnachmittag mitteilte, wurde mit einem Bankenkonsortium vereinbart, die bisherigen bilateralen Kreditlinien in eine gemeinsame Kreditvereinbarung zu überführen. " Praktiker hat damit die Sicherheit, etwaige Finanzierungsspitzen, die typischerweise im Vorfeld der anstehenden Frühjahrssaison anfallen können, über kurzfristigen Zugriff auf diese Kontokorrentlinien abdecken und überbrücken zu können", hieß es. Die zur Verfügung stehenden Mittel machten "einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag" aus und seien unverändert geblieben.
Molltöne aus Österreich
"Das ist erst einmal eine gute Nachricht, aber die Probleme von Praktiker sind auch mit der neuen Kreditvereinbarung nicht plötzlich alle vom Tisch", sagte ein Händler. Denn bei den Großaktionären herrscht offenbar Streit über die weitere Finanzierung. Nach Angaben der „FAZ“ will derzeit die österreichische Privatbank Semper Constantia verhindern, dass Praktiker einen hochverzinsten Kredit aufnimmt und dafür die profitable Tochter Max Bahr als Sicherheit anbietet. "Damit würden die Aktionäre und die alten Anleihegläubiger über den Tisch gezogen", sagte Semper-Constantia-Managerin Isabella de Krassny der Zeitung.
De Krassny fürchtet vor allem mit Blick auf die Konditionen einen finanziellen Kollaps von Praktiker. Die Sanierung wird auf rund 300 Mio. Euro beziffert, wobei in einem ersten Schritt ein Kredit über 170 Mio. Euro aufgenommen werden soll, der mit 15 Prozent verzinst ist. De Krassny setzt sich deshalb für eine Wandelanleihe mit Bezugsrechten ein. Zudem sollen Abstriche beim harten Sanierungsprogramm gemacht werden und der Umbau langsamer erfolgen. Sollte sich an den Plänen bei Praktiker nichts ändern, droht Semper Constantia mit der Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung, um den Aufsichtsrat abzuwählen. Vor allem für den neuen Vorstandschef Thomas Fox kommen die Streitigkeiten unter den Großaktionären sehr ungelegen. Fox gab bereits bekannt, zahlreiche Baumärkte zu schließen, Stellen abzubauen und das Unternehmen mit einem Umbauplan aus der Krise führen.
Anleger sollten die Entwicklung bei Praktiker weiterhin von der Seitenlinie aus verfolgen. Der Streit mit den Großaktionären und eine mögliche außerordentliche Hauptversammlung wie auch die Gefahr einer Kapitalerhöhung sprechen derzeit gegen einen Einstieg.
mit Agenturen