Die US-Regierung nutzt den seit Herbst 2008 bestehenden Zwitterstatus "privat/staatlich", den die Zwangsverwaltung bietet, um die 7 Billionen Assets in der FnF-Bilanz nicht der US-Staatsverschuldung zubuchen zu müssen. Dies müsste sie, wenn FnF voll verstaatlicht wäre.
Gleichzeitig übt die Regierung aber über die FHFA praktisch 100 % Kontrolle über FnF aus. Nicht einmal gerichtlich kann man ernsthaft gegen die FHFA vorgehen, weil (aus Scotus-Sicht) HERA alles, was FHFA tut, "gut" sein soll - sofern es der FHFA nützt "und damit der Öffentlichkeit, der die FHFA dient".
Eine "schweinische" Knebelkonstruktion, die beide Zwecke erfüllt. Die US-Staatsverschuldung bleibt frei von den 7 Billionen in der FnF-Bilanz, dennoch ist die Kontrolle via FHFA quasi voll staatlich.
Kein Wunder, dass speziell die Demokraten diese Lösung wunderbar finden. Mit dem NWS hatten sie 2012 zusätzlich die Möglichkeit entdeckt,
FnF als finanzielle Melkkühle für "Projekte aller Art" zu missbrauchen - z. B. zur Finanzierung von Obamacare.
Diese "neu entdeckte" Melkkuh-Funktion war ein weiterer lukrativer Zusatznutzen für den Staat. Auch unter Trump lief der NWS zwei Jahre weiter. Erst 2019 - nach der Gerichtsentscheidung des 5th Circuit - wurde der NWS ausgesetzt, um das - durch die NWS-Ausplünderung stark ins Minus gesunkene - Kernkapital sukzessive wieder aufzustocken. Aktuell liegt das Kernkapital bei -126 Mrd. $, und CET 1 liegt sogar bei -178 Mrd. $.
CET 1 ist das für die Freilassung maßgebliche Kapital-Niveau. Gemäß 2,5 % Kapitalregel (= HERA Minimum) müsste CET 1 für die Freilassung bei +178 Mrd. $ liegen. Es fehlen somit satte 356 Mrd. $.
Durch SPS-Umwandlung oder -Löschung stiege CET 1 von -178 Mrd. $ auf + 15 Mrd. $. Bei zusätzlicher JPS-Umwandlung stiege es auf 48 Mrd. $. Dann müssten aber immer noch 133 Mrd. $ über die Kapitalerhöhung von externen Investoren reingeholt werden, um auf +178 Mrd. $ - das CET 1 "Freilassungs-Miniumum" - zu kommen.
D.h. Ohne die 10 % Wucher-Dividende auf die SPS (ab 2008) und ohne den NWS wäre CET 1 heute um 310 Mrd. $ höher. Wäre dieses Geld noch in der Kasse, wäre für die Freilassung gar keine Kapitalerhöhung mehr erforderlich.
Da der Stopp des NWS 2019 letztlich auf Betreiben der Gerichte erfolgte, darf man auch Zweifel hegen an der Ernsthaftigkeit, mit der Trump die Freilassung verfolgte. Er hat in den zwei Jahren von 2017 bis 2019 selber 45 Mrd. $ aus der FnF-Kasse abgegriffen.
Einen dritten Nutzen aus der jetzigen FnF-Zwangsverwaltung ziehen die Großbanken. Erstens konnten FnF als lästige Konkurrenz klein gehalten werden. Weiterhin verkaufen sie FnF unter Sandra Thompson nun wieder die für sie lukrativen CRT-Kreditabsicherungen. Sie nützen FnF praktisch gar nichts, weil es einen hohen Freibetrag, den sie erst mal aus eigener Tasche zahlen müssen. Und selbst die beiden Stresstest aus 2020 (dessen Ergebnis Mark Calabria verheimlicht hatte) und aus 2021 zeigen, dass selbst bei einer scharfen Krise keine Gefahr für die FnF-Finanzen bestehen.
Für die CRTs fließen jedoch jährlich hohe Milliardenbeträge ab, die in den Taschen der Großbanken landen. Für 1 Dollar möglichen Gewinn aus der CRT-"Absicherung" entstehen FnF ca. 35 Dollar Verlust. Man kann daher sagen, dass die CRT eine Art "Großbanken-NWS" darstellen. Ohne die CRT wäre die Kapitaldecke von FnF heute ebenfalls wesentlich höher.
Mark Calabria hatte das gesehen und die CRTs gestoppt. Sandra Thompson hat sich jetzt jedoch wieder im großen Stil eingeführt. Angeblich, um die Risiken für FnF, die FHFA und "die Steuerzahler" niedrig zu halten. Tatsächlich wohl eher, weil sie mit den Großbanken unter eine Decke steckt. Es ist kein Zufall, dass Maxine Waters (Housing-Vorsitzende) scharfe Proteste angemeldet hatte, als Biden Mike Calhoun als neuen FHFA-Direktor vorschlug. Der hätte die CRT mit Sicherheit nicht reaktiviert. Maxine Waters boxte deshalb S. Thompson durch, die an die Großbanken nun wieder massig diese CRT-Geschenke verteilt - was die Freilassung weiter aufschiebt, denn dabei geht knappes Eigenkapital verloren. S. Thompson ist daher kein gute Wahl gewesen.
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Historisches:
Bei der Gründung im Jahr 1938 war Fannie eine vollstaatliche Institution. Erst 1968 wurde Fannie teilprivatisiert, und der Zweck war der, die US-Staatsverschuldung schönzurechnen. Eine weitere Begründung für die Privatisierung ab 1968 war, dass das private Kapital eine Art Schutzschicht für den US-Steuerzahler bildet ("first loss capital") bilden sollte. Es gab aber weiterhin die "implizite Garantie" der US-Regierung für die Fannie-MBS (die heute bei FnF 7 Billionen $ ausmachen). D.h. wenn der private Kapitalpuffer durch eine schwere Krise verbraucht ist, dann bürgt der US-Staat für die MBS, und sie können nicht wertlos werden. Viele Jahre lang, bis 2008, galten die MBS als zinsstarke Anlage-Alternative zu US-Staatsanleihen. Chinas Zentralbank hatte 2008 für 500 Mrd. $ FnF-MBS in der Bilanz. Die wurden nach der Zwangsverwaltung (China bekam die Muffe) aber stillschweigend in US-Staatsanleihen umgetauscht.
Nur wegen der impliziten Staatsgarantie sind die Zinsen, die Anleger auf die MBS erhalten (es sind ja Anleihen), relativ niedrig. Die Reps sehen in der Staatsgarantie eine "sozialistische Marktverzerrung", weil eben die Privatbanken mehr Zinsen für Hypotheken nehmen müssen, weil sie selber für den Ausfall der Hypotheken haften, was teurer ist.