Danke der Nachfrage, bei uns läuft es gut - rein nachrichtentechnisch sah es nie besser aus. Allerdings ist das Thema sehr komplex. Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll. Das ist auch der Hauptgrund, warum die Aktie solche Kurskapriolen macht. Denn die Unsicherheit vieler Aktionäre wird ausgenutzt, um von dem Wechselspiel von Gier und Angst zu profitieren. Und wir haben hier sehr liquide Marktteilnehmer, die das Geschehen kontrollieren.
In den Usa hat die Debatte um die Housing Finance Reform gerade begonnen. Die Stimmen werden lauter, dass Fannie und Freddie erhalten bleiben sollen. Und in Anbetracht der Tatsache, dass die Firmen unterkapitalisiert sind und privates Kapital benötigt wird, treten wir Aktionäre langsam in den Vordergrund. Gestern sagte Bob Corker, einer der führenden Verfechter einer Abwicklung der Unternehmen, dass man die Aktionäre fair behandeln müsse. - Klar, denn sonst läßt sich schlecht über die Ausgabe neuer Aktien rekapitalisieren.
Und Aktionäre interessiert nur Folgendes:
Bleiben wir Eigentümer oder werden wir entschädigt? Oder gehen wir bei einer Abwicklung von Fannie bei einem künstlich herbeigeführten Insolvenzverfahren leer aus?
Wir bleiben Eigentümer oder werden gerecht entschädigt, wenn ein Gericht das so entscheidet. Das kann noch Jahre dauern. Allerdings wurde vor Kurzem der Oberste Gerichtshof angerufen, sich des Falls anzunehmen. Ich erwarte eine Antwort im Februar.
Es laufen über 20 Klagen. Bisher haben die Richter Wortklauberei betrieben, um die Regierung zu schützen. Nur Richterin Sweeney hat sich des Falles angenommen und eine Discovery angeordnet. Dabei wurde der größte Teil der 12000 Dukumente, welche die Regierung mit allen Mitteln geheim halten wollte, an die rund 130 Anwälte in allen ähnlichen Fällen ausgehändigt. Obwohl diese Dokumente ausschließlich für die Anwälte bestimmt waren, sind ein paar davon öffentlich geworden. Darunter befindet sich auch ein Stresstest, der kurz nach Beginn des Conservatorships durchgeführt wurde und belegt, dass Freddie auf lange Sicht nicht pleite gegangen wäre. Und E-Mails belegen, dass man Freddies Vorstand unter Druck gesetzt hat, die Rettungshilfen zu nehmen, obwohl sie abgelehnt wurden.
Das sind good news. Denn das gängige Argument, dass unsere Aktien ohne der Hilfe des Staates nichts wert seien, weil die Firma pleite gegangen wäre, ist widerlegt. Das hilft uns vor Gericht, und bei der Reformdebatte stärkt es unsere Position.
Neben einem Gerichtsurteil kann uns die Fannie auch erhalten bleiben, wenn eine politische Reform das so vorsieht. Hierbei ist alles möglich. Aber das Unwahrscheinlichste ist es, dass Fannie "unreformiert" einfach entlassen wird. Es drohen hohe Kapitalstandards, gekappte Gewinne und gar die Abwicklung.
Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Gesetzgebung kommt, sehr gering. Es gibt einfach zu viele Interessen, die unvereinbar sind.
Trotzdem bestimmt diese Diskussion gerade das Interesse der Anleger. Zu Recht.
Ungeachtet der Reformversuche kann Finanzminister Mnuchin jederzeit administativ handeln. Freilich ist es politisch klug, erst einmal abzuwarten und eine beiderparteiliche Lösung anzustreben. Aber falls diese scheitern sollte, wäre es an der Zeit zu handeln. Denn Fannies Kapitalstandards werden seit Jahren nicht eingehalten und selbst inklusive des verbleibenden und sich nicht wieder auffüllenden Rettungsfonds unterschritten. Selbst die FED ist mittlerweile besorgt. Der Druck steigt, die jetzige Situation nicht länger aufrecht zu halten. Ein Rekapitalisieren wird immer dringlicher. Ein erster Schritt wäre es, den Net Worth Sweep zu beenden und den Firmen zu gestatten, ihre Gewinne einzubehalten. Ab diesem Tag hätten unsere Aktien wieder einen reellen Wert. Und Mnuchins Warrant würde auch an Wert gewinnen. Aus den 100%, die der Finanzminister gerade einstreicht, würden 79,9%. Aus Dividende würde Equity werden. Falls Mnuchin diesen Weg einschlagen sollte, könnte er 100 Milliarden Dollar für seine Warrants in Fannie und Freddie erzielen. Dieser Weg ist der mit Abstand lukrativste für das Finanzministerium, abgesehen davon, man steckt weiterhin alles ein.
Ursprünglich war eine Dividende von 10% als Entschädigung für den Steuerzahler vorgesehen. Aus diesen wurden dann 100% in 2012, der Net Worth Sweep. Für die ursprüngliche Entschädigung fehlt der Fannie nicht einmal mehr eine Milliarde. Und ohne des ganz neuen Kapitalpuffers in Höhe von 3 Milliarden hätte Fannie den Steuerzahler nach der urpsrünglichen Vereinbarung bereits vollständig entschädigt.
Gut. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Chancen für ein Recap and Release, auf das wir schon soooo lange warten, stehen besser denn je. Aber gewonnen ist noch nichts.
Wenn du mich fragst, stehen sämtliche Zeiger auf 5 vor 12.
Schau dir mal die Resolution des RNC an. Sie stammt vom Spätsommer und gewinnt langsam an Aktualität:
prod-cdn-static.gop.com/media/documents/...d++Enterprises.pdf
Fannie erhalten, Entschädigung für beendet erklären, 100 Milliadern mit den Warrants machen, administratives Handeln unterstützen, Aktionärsrechte achten und nebenbei noch über Obama herziehen. ich glaube fest daran, dass es genau so kommen wird.