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Nachfrageboom in China
Porsche liefert Rekordumsatz ab
Die Hängepartie während des Machtkampfs mit Volkswagen ist vorüber: Jetzt konzentriert man sich bei Porsche wieder auf den Bau von Sportwagen. Zum Glück sind auch die Kunden wieder bereit, dafür viel Geld auszugeben. Porsches Umsatz stieg auf ein neues Rekordniveau.
Stuttgart - Es ist der Panamera, der zurzeit für die Rekorde bei Porsche sorgt. Dank der guten Verkaufszahlen der Luxuslimousine stieg der Umsatz auf den höchsten Wert in der Unternehmensgeschichte. "Der Rekordumsatz zeigt eindrucksvoll, dass Porsche zu alter Stärke zurückgefunden hat", sagte der scheidende Porsche-Chef Michael Macht am Mittwoch in Stuttgart. Der Manager kündigte einen weiteren Anstieg bei den Erlösen im laufenden Geschäftsjahr und auch für 2011 an. Bei der Absatzentwicklung sind die Schwaben ähnlich optimistisch.
Die Erlöse der Stuttgarter stiegen im Ende Juli zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2009/10 nach vorläufigen Zahlen um fast 18 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Der Absatz von Sport- und Geländewagen kletterte um neun Prozent auf 81.850 Fahrzeuge. Die Zahl der Porsche-Beschäftigten erhöhte sich leicht um ein Prozent auf 12.772 Mitarbeiter.
Keine Angaben zum Ergebnis
Angaben zum Ergebnis machte Macht nicht. Im Vorjahr hatte der operative Gewinn im Autogeschäft bei 700 Millionen Euro gelegen. Die gesamte Bilanz will Porsche bei einer Pressekonferenz am 19. Oktober präsentieren. Das wird dann bereits die Aufgabe des neuen Porsche-Lenkers Matthias Müller sein, der zum 1. Oktober seinen Posten antritt. Macht wechselt als Produktionschef in den VW-Vorstand.
Wachstumsmotor beim Absatz war der chinesische Markt, wo Porsche die Verkaufszahlen um fast 48 Prozent auf 11.724 Einheiten steigerte. Leichte Zuwächse gab es auch in Nordamerika (plus 4,6 Prozent) und dem gesamten europäischen Markt (plus 1,4). Wermutstropfen war dagegen der Heimatmarkt. In Deutschland gaben die Verkaufszahlen um 3,5 Prozent auf 11.857 Fahrzeuge nach.
Federn lassen musste ausgerechnet der einstige Bestseller 911, dessen Absatz um über 27 Prozent einbrach. Eine konkrete Prognose für das laufende Rumpfgeschäftsjahr 2010 wollte Porsche nicht abgeben. Speziell der Markt in China werde aber weiter an Bedeutung zunehmen und könne künftig Deutschland und den USA den Rang ablaufen, sagte ein Sprecher.
Ziel: 150.000 Fahrzeuge pro Jahr
Porsche-Holding- und VW-Chef Martin Winterkorn hat als mittelfristiges Ziel eine Jahresproduktion von 150.000 Fahrzeugen ausgegeben. Hoffnungsträger ist nach dem Modellwechsel vor allem der sportliche Geländewagen Cayenne. Zu dem angepeilten Zuwachs soll auch der Bau eines kleinen Porsche-Geländewagens beitragen. Die Entscheidung über den Bau des "Baby-Cayenne" ist zwar noch nicht offiziell verkündet worden, gilt aber als sicher.
Nach dem verlorenen Übernahmekampf mit VW war beschlossen worden, das Geschäftsjahr von 2011 an wie bei Volkswagen an das Kalenderjahr anzupassen. Der Sportwagenbauer soll im Laufe des nächsten Jahres als zehnte Marke in den VW-Konzern integriert werden. Auf dem Weg dazu sollen die Porsche-Aktionäre am 30. November einer Kapitalerhöhung zustimmen, um den Schuldenberg der Dachgesellschaft Porsche SE zu verringern.
Auf der Porsche SE lasten aufgrund der gescheiterten VW-Übernahme noch immer Schulden von rund sechs Milliarden Euro. Deswegen wird weiter damit gerechnet, dass die Dachgesellschaft das Geschäftsjahr 2009/10 mit einem Fehlbetrag abschließen wird. Zuletzt war die Rede von einem Verlust von weniger als einer Milliarde Euro. Im Vorjahr 2008/09 hatte die Porsche Automobil Holding SE unter dem Strich ein Minus von 3,6 Milliarden Euro verbucht.
mik/dpa/Reuters