Pleitewelle rollt über Westeuropa
Deutschland klarer Spitzenreiter
Die Wirtschaftskrise zeichnet eine Spur der Vernichtung in den Unternehmen. Österreich dürfte heuer noch glimpflich davonkommen.
Die Wirtschaftskrise beschert dem Pleitegeier in ganz Europa fette Beute: Allein im ersten Halbjahr gab es 118.396 Insolvenzen, um 21,4 Prozent mehr als im Vorjahr, meldet der Kreditschutzverband (KSV). Während Österreich bisher noch glimpflich davongekommen ist, zeichnet der dramatische Zuwachs an Insolvenzen von 64 Prozent auf 39.700 in Deutschland ein tristes Bild der Konjunkturlage.
In Europas größter Wirtschaftsnation, nun Spitzenreiter in der Insolvenz-Statistik, haben durch Firmenzusammenbrüche mehr als 300.000 Menschen ihren Job verloren. Großpleiten wie Philipp Holzmann, Fairchild Dornier, Babcock, CargoLifter, Kinowelt oder Sachsenring werden auch die Passiva auf einen neuen Rekordstand treiben, sind die KSV-Experten überzeugt. 2001 lagen die Passiva bei 31 Mrd. Euro.
Deutschland ist nicht allein: Auch Spanien, die Niederlande, Dänemark, Portugal und Irland werden von einer Pleitewelle überrollt. In Spanien dürften sich die engen Wirtschaftskontakte zu Argentinien und Brasilien auswirken, heißt es in der KSV-Analyse. Griechenland ist das einzige EU-Land mit einer Abnahme der Insolvenzen. Es profitiert von den guten Geschäftsbeziehungen mit den Beitrittskandidaten in Südosteuropa und nützt geschickt die Vorteile der EU-Mitgliedschaft.
Auch in Osteuropa entspannte sich die Situation. Am stärksten rückläufig waren die Zahlen in der Slowakei (minus 35,2 Prozent), Bulgarien (minus 28,9 Prozent) und Rumänien (minus 18,7 Prozent). Der massive Zuwachs an Firmenzusammenbrüchen in Slowenien (55,7 Prozent) ist statistischer Natur: Erstmals werden nicht nur Aktiengesellschaften sondern auch GmbH erfaßt.
In den USA kam es trotz der ebenfalls flauen Wirtschaftslage nur zu einem geringen Anstieg der Insolvenzen. Dort stellte WorldCom den spektakulärsten Fall dar. In Japan hingegen hat die seit nunmehr fast zehn Jahren anhaltende Dauerkrise die Zahl der Pleiten deutlich erhöht.
Düstere Aussichten
KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner erwartet bis Jahresende in Österreich keine größeren Katastrophen mehr. Damit würde auch die Passiva-Summe, die im Vorjahr bei 2,8 Mrd. Euro lag, zurückgehen.
Eine nachhaltige Entspannung sieht Kantner jedoch nicht, zumal sich keine Konjunkturverbesserung abzeichnet - eher dürfte die Pleitewelle im nächsten Jahr wieder anziehen. Dafür spricht Beobachtern zufolge auch, daß die heimischen Banken noch einige Sorgenkinder im Portefeuille haben, sich heuer nach Libro, FC Tirol, Cybertron und AE Energietechnik jedoch keine Ausfälle mehr leisten wollen und können.
Das Justizministerium sendet demnächst einen Gesetzesentwurf zur Begutachtung aus, mit dem die Insolvenzordnung an EU-Richtlinien bezüglich grenzüberschreitender Insolvenzen angepaßt wird. Dabei geht es auch darum, daß im Insolvenzfall auch auf außerhalb der EU liegendes Vermögen zur Verwertung zugegriffen werden kann
Deutschland klarer Spitzenreiter
Die Wirtschaftskrise zeichnet eine Spur der Vernichtung in den Unternehmen. Österreich dürfte heuer noch glimpflich davonkommen.
Die Wirtschaftskrise beschert dem Pleitegeier in ganz Europa fette Beute: Allein im ersten Halbjahr gab es 118.396 Insolvenzen, um 21,4 Prozent mehr als im Vorjahr, meldet der Kreditschutzverband (KSV). Während Österreich bisher noch glimpflich davongekommen ist, zeichnet der dramatische Zuwachs an Insolvenzen von 64 Prozent auf 39.700 in Deutschland ein tristes Bild der Konjunkturlage.
In Europas größter Wirtschaftsnation, nun Spitzenreiter in der Insolvenz-Statistik, haben durch Firmenzusammenbrüche mehr als 300.000 Menschen ihren Job verloren. Großpleiten wie Philipp Holzmann, Fairchild Dornier, Babcock, CargoLifter, Kinowelt oder Sachsenring werden auch die Passiva auf einen neuen Rekordstand treiben, sind die KSV-Experten überzeugt. 2001 lagen die Passiva bei 31 Mrd. Euro.
Deutschland ist nicht allein: Auch Spanien, die Niederlande, Dänemark, Portugal und Irland werden von einer Pleitewelle überrollt. In Spanien dürften sich die engen Wirtschaftskontakte zu Argentinien und Brasilien auswirken, heißt es in der KSV-Analyse. Griechenland ist das einzige EU-Land mit einer Abnahme der Insolvenzen. Es profitiert von den guten Geschäftsbeziehungen mit den Beitrittskandidaten in Südosteuropa und nützt geschickt die Vorteile der EU-Mitgliedschaft.
Auch in Osteuropa entspannte sich die Situation. Am stärksten rückläufig waren die Zahlen in der Slowakei (minus 35,2 Prozent), Bulgarien (minus 28,9 Prozent) und Rumänien (minus 18,7 Prozent). Der massive Zuwachs an Firmenzusammenbrüchen in Slowenien (55,7 Prozent) ist statistischer Natur: Erstmals werden nicht nur Aktiengesellschaften sondern auch GmbH erfaßt.
In den USA kam es trotz der ebenfalls flauen Wirtschaftslage nur zu einem geringen Anstieg der Insolvenzen. Dort stellte WorldCom den spektakulärsten Fall dar. In Japan hingegen hat die seit nunmehr fast zehn Jahren anhaltende Dauerkrise die Zahl der Pleiten deutlich erhöht.
Düstere Aussichten
KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner erwartet bis Jahresende in Österreich keine größeren Katastrophen mehr. Damit würde auch die Passiva-Summe, die im Vorjahr bei 2,8 Mrd. Euro lag, zurückgehen.
Eine nachhaltige Entspannung sieht Kantner jedoch nicht, zumal sich keine Konjunkturverbesserung abzeichnet - eher dürfte die Pleitewelle im nächsten Jahr wieder anziehen. Dafür spricht Beobachtern zufolge auch, daß die heimischen Banken noch einige Sorgenkinder im Portefeuille haben, sich heuer nach Libro, FC Tirol, Cybertron und AE Energietechnik jedoch keine Ausfälle mehr leisten wollen und können.
Das Justizministerium sendet demnächst einen Gesetzesentwurf zur Begutachtung aus, mit dem die Insolvenzordnung an EU-Richtlinien bezüglich grenzüberschreitender Insolvenzen angepaßt wird. Dabei geht es auch darum, daß im Insolvenzfall auch auf außerhalb der EU liegendes Vermögen zur Verwertung zugegriffen werden kann