Frankfurt, 13. Nov (Reuters) - Die Beteiligungsgesellschaft United Internet [ 4.27 EUR 2.89% ] hat für ihre noch einzig defizitäre Mehrheitsbeteiligung AdLink [ 2.80 EUR 16.67% ] mit DoubleClick einen strategischen Partner gefunden. Zugleich senkte das Unternehmen aufgrund von Sonderabschreibungen auf Minderheitsgesellschaften die Vorsteuerprognose (EBT) für 2001. Für 2002 rechne United Internet jedoch beim EBT mit einem deutlich zweistelligen Millionen-Euro-Gewinn, sagte Unternehmens-Sprecher Marcus Schaps am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Mit Ausnahme der ebenfalls am Neuen Markt gelisten jobpilot [ 2.80 EUR 9.38% ] seien alle defizitären Minderheitsbeteiligungen abgeschrieben und das Geschäft mit der US-Firma Doubleclick werde sich im Ergebnis der Adlink schnell bemerkbar machen, sagte Schaps weiter.
Die wie die Muttergesellschaft am Neuen Markt gelistete Adlink werde das europäische Media-Geschäft von DoubleClick für 30,5 Millionen Euro und bestimmte Verbindlichkeiten übernehmen, teilte United Internet. Zugleich habe United Internet die Option auf den Verkauf von 15 Prozent der AdLink-Anteile im Wert von 35,5 Millionen Euro in der Zeit vom 15. Januar bis zum 31. März 2002. Bei Ausübung würde Doubleclick eine Call-Option über weitere 21 Prozent der Ad-Link-Aktien erhalten, bei deren Ausübung kein weiterer Kaufpreis zu zahlen sei. Die Option sei bis Ende 2003 befristet, sagte Schaps. Zudem würde United Internet den Adlink-Aktionären ein Angebot für 37,13 Prozent ihres jeweiligen Aktienbestandes zum Preis von 3,83 Euro je Aktie unterbreiten.
Ob die Option ausgeübt werde, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. "Wir haben bis Ende März Zeit uns anzuschauen, wie das Geschäft von Adlink mit Doubleclick läuft", sagte Schaps. Gleichzeitig prüfe United Internet, ob es noch eine bessere Lösung gebe. Nach Ausübung sämtlicher Optionen würde sich der Anteil von United Internet an Adlink auf rund 41 Prozent von derzeit 77,27 Prozent verringern, sagte Schaps. Adlink würde dann als Minderheitsgesellschaft nicht mehr zum Konsolidierungskreis der United Internet zählen. Adlink belaste United Internet derzeit als Konzerngesellschaft mit seinen Verlusten stark. Nach Angaben von Schaps trug Adlink im dritten Quartal 4,8 Millionen Euro zum negativen EBT der Holding von 25,8 Millionen Euro bei. Hinzu kamen Sonderabschreibungen von 21,2 Millionen Euro.
Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) habe United Internet im dritten Quartal einen Gewinn von 4,7 Millionen Euro nach einem Verlust von 1,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum erzielt. Der Umsatz sei im dritten Quartal auf 51 Millionen Euro von 47,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum gestiegen, teilte das Nemax50-Unternehmen weiter mit. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt einen Umsatz von 54,7 Millionen Euro, ein Ebitda von 3,96 Millionen Euro und ein Ebt von minus 10,15 Millionen Euro erwartet. Adlink erzielte nach eigenen Angaben im dritten Quartal einen Umsatz von 4,3 (6,2) Millionen Euro und einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) ohne Sondereinflüsse von 4,8 (minus 4,5) Millionen Euro.
Wegen der Sonderabschreibungen sei die Prognose für den Vorsteuerverlust 2001 nicht zu halten, sagte Schaps. Im August hatte das Unternehmen ein EBT von minus 20 Millionen Euro angekündigt. "Wir werden das nicht schaffen", sagte Schaps ohne nähere Angaben zum neuen EBT-Ziel. Bei der im August gesenkten Umsatzprognose von 240 Millionen Euro habe United Internet bisher keine Abstriche gemacht, auch ein Ebitda von 23,7 Millionen Euro sei wohl zu erreichen. Das EBT werde im vierten Quartal 2001 besser als im Vorquartal ausfallen. "Wir werden im nächsten Jahr auf EBT-Basis höchstprofitabel sein."
United Internet teilte weiter mit, an den profitablen Kerngesellschaften 1&1 Internet, twenty4help und GMX im Rahmen einer Sacheinlage der Management-Anteile gegen Ausgabe von 5,2 Mio neuen United Internet-Aktien 100 Prozent zu übernehmen und rückwirkend zum 1. Januar 2001 Gewinnabführungsverträge abzuschließen. Daraus ergäben sich auch steuerrechtliche Vorteile, sagte Schaps. Wegen der Verrechnung von Verlustvorträgen mit den Ergebnissen rechne United Internet damit, in den kommenden zwei Jahren keine Steuern zu zahlen.
SES Research-Analyst Klaus Linde sieht das Problem der Verschuldung bei United Internet mit dem möglichen Teilverkauf von Adlink nur teilweise gelöst. Die Beteiligungsgesellschaft habe mittlerweile einen Schuldenberg von mehr als 86 Millionen Euro angehäuft. Das Beteiligungskonzept von United Internet sei endgültig gescheitert. Wegen der profitablen Tochtergesellschaften 1&1 und twenty4help behalte er das Rating "Marketperformer" vorerst bei.
Quelle: Reuters