"Osama, Du bist unser Held"


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Puffy77:

"Osama, Du bist unser Held"

 
22.09.01 19:05
Brennende US-Flaggen, Straßenschlachten, der Mob skandiert »Osama, du bist unser Held!« Die Stimmung in Pakistan ist explosiv. Obwohl Staatschef Pervez Musharraf den USA versichert, dass sein Land die Amerikaner im Kampf gegen den Terror unterstützen wird, scheint das pakistanische Volk ganz anderer Ansicht zu sein. Woher kommt diese Begeisterung für Osama Bin Laden und die Taliban-Regierung in Kabul?

Pakistan ist mit circa 800.000 Quadratkilometern ungefähr doppelt so groß wie Deutschland und die Schweiz zusammen. Mit seinen 140 Millionen Einwohnern ist es das drittgrößte islamische Land. Anfang der 70er Jahre schied das Land aus dem britischen Commonwealth aus und ist heute eine föderative islamische Republik unter der Führung von General Musharraf. Der General hatte bei einem Militärputsch 1999 die gewählte Regierung unter Mian Nawaz Sharif, das Parlament und die Landesregierungen entlassen. Mit harter Hand hält er das Land trotz vielfachen Murrens auf Kurs. Ihm gelang es, die Staatsausgaben für die Rüstung zu reduzieren und dabei die Wirtschaft des Landes einigermaßen stabil zu halten. Obwohl er seit einiger Zeit davon spricht, alles zu unternehmen, damit in Pakistan demokratische Verhältnisse wieder hergestellt werden, ist nicht davon auszugehen, dass er seine Bemühungen in dieser Angelegenheit intensivieren wird; ein Umstand, der ihm schon lange die Mißbilligung der USA einträgt.

Trotzdem gilt er im Westen als das kleinere Übel, denn dem General stehen im Land radikale religiöse Kräfte gegenüber, deren politisches Gewicht kaum unterschätzt werden kann. Zu Beginn der 90er Jahre intervenierten diese radikalen islamischen Gruppen auch in Afghanistan. In Pakistan waren zuvor Koranschulen entstanden, in denen die sogenannte Taliban-Bewegung herangezogen wurde. Viele afghanische Bürgerkriegsflüchtlinge schickten ihre Söhne in der 80er Jahren auf diese Schulen. Dort wurden sie zum einen in Religion unterrichtet, zum anderen aber auch paramilitärisch dazu erzogen, den Islam mit dem Schwert zu verbreiten. Diese Bemühungen wurden zum Teil sogar von der pakistanischen Armee unterstützt. Nach umfangreichen Kämpfen gelang es der Taliban-Bewegung Mitte der 90er Jahre alle Städte Afghanistans und schließlich auch Kabul zu erobern. Ihr Schreckensregime führte zu einer politischen Isolierung, das aber den Sympathien bei den pakistanischen Fundamentalisten keinen Abbruch tat.

Nach den Terrorakten in den USA und den angekündigten Vergeltungsschlägen, ist Musharraf in der Zwickmühle. Seine Zugeständnisse an die USA fördern den politischen Zorn im Land. Gleichzeitig kann er sich aber auch nicht leisten, die Supermacht USA zu verschrecken. Erzfeind Indien steht im Hintergrund schon Gewehr bei Fuß, um in die Bresche zu springen. Neu-Delhi hatte nur Stunden nach dem Anschlag der amerikanischen Regierung volle Unterstützung im Kampf gegen den internationalen Terrorismus zugesagt. Die Folgen eines Bürgerkrieges in Pakistan wären für das politische Gleichgewicht in der Region katastrophal. Sowohl Indien, als auch Pakistan sind im Besitz von Nuklearwaffen. Daher könnte sich eine politische Destabilisierung bis zum amtomaren Ernstfall hochschaukeln. Es liegt an den USA und General Musharraf den verunsicherten islamischen Gruppen im Land klar zu machen, dass ein Angriff auf Bin Laden und damit auch auf die Taliban kein Angriff auf den Islam ist. Im Anbetracht der politischen Geschichte beider Länder ein schier unmögliches Unterfangen.
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