Bernecker Textarchiv
Hans Bernecker: Hohe Leerverkaufspositionen
Mails/Nachrichten vom 24.10.2001, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
Das Erholungspotential eines Marktes drückt sich stets in Zufälligkeiten aus. Plötzlich sind die Akteure anderer Meinung und dann geht's rund. Sie können das jeden Tag verfolgen. Sogar Kurssprünge von 10 % und mehr in großen Titeln sind möglich allein deshalb, weil die eine oder andere Adresseplötzlich anderen Sinnes geworden ist. Noch problematischer sind die noch bestehenden Leerverkäufe. Welche Größenordnungen darin stecken, zeigen folgende Zahlen:
Die größte Leerposition besteht in Sprint. Die sogenannte
Short-Interest-Ratio mißt die Anzahl der Tage, um mit dem durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen alle Leerpositionen zu decken. Im Falle Sprint sind es 1427 Tage. Bei Motorola 649, bei Nortel 510, bei Lucent 486, bei Wal-Mart 459, bei AT&T 442 und bei Hewlett Packard 387 Tage. Ich überlasse es Ihrer Phantasie, auszurechnen, was mit diesen Kursen passiert, wenn die Leerpositionen letztlich eingedeckt werden müssen. Diese Sanduhr läuft.
Übrigens: Die Bilanz für die Quartalsabschlüsse per gestern: 54 % liegen über den Prognosen der Analysten, 32 % trafen die Erwartungen. Bitte mit den letzten Zahlen vergleichen, die ich genannt hatte.
Am deutschen Markt bestehen derartige Positionen in diesem Umfang nicht. Es gibt aber keine genaue Statistik darüber. Ich hatte aber schon gelegentlich darauf aufmerksam gemacht, daß die hohen Umsätze bei einigen DAX-Aktien
darauf schließen ließen. Vor 14 Tagen war noch Daimler dran und zuvor Bayer, aber auch die Dt. Bank bzw. Siemens, Infineon und natürlich Dt. Telekom.Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, daß in diesen Titeln noch einiges im Rohr steckt, was mit fundamentalen Daten nur wenig zu tun hat.
Zurück zur Wall Street: Der Dow tut sich schwer damit, die Hürde 9400 zu packen. Gestern war Konsolidierungstag, mit allerdings niedrigem Umsatz von rund 1,1 Mrd Stück Umsatz und positiven Relationen in den bekannten technischen Indikatoren, die allerdings gegenüber dem Vortag schlecht
ausfielen. Zwei Ergebnisse waren für mich bedeutsam: Lucent und Xerox präsentierten die neuen Monatsergebnisse. Lucent meldet 8,8 Mrd $ Verlust bei allerdings nur 909 Mio $ operativen Minus. Der Rest entfällt auf Goodwill-Abschreibungen und Kosten der Umstrukturierung. Insbesondere gilt dies den Entlassungen. Der Quartalsumsatz fiel um 28 % und damit kommt für das ganze Jahr ein Resultat um 21,3 Mrd $ heraus, weil das Geschäftsjahr
nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmt. 46.000 Stellen wurden abgebaut. Das Ganze zeigt also den typischen Verlauf einer Sanierung. Damit bleibt es bei der bisherigen Einschätzung, aber ich warte mit neuen Käufen, bis der
Markt selbst ein Signal setzt. Beachten Sie bitte die oben genannten Leerverkäufe in Lucent. Xerox meldet 29 Cents Verlust je Aktie, was rund 211 Mio $ bedeutet. Bei einem Quartalsumsatz von 3,9 Mrd $ werden für das ganze Jahr 16 Mrd $ erwartet, aber das Sparpotential von 1 Mrd $ ist
bereits ausgeschöpft. Das müßte schwarze Zahlen im ersten Quartal 2002 ergeben, nachdem 11.000 Mitarbeiter entlassen sind. Also das gleiche 'in grün': Laufende Sanierung, wie üblich. Vielleicht erinnern Sie sich aber:
Beide Unternehmen wurden vor 6 Monaten und teilweise vor 3 Monaten noch als Pleitekandidaten eingestuft. Diesem Urteil bin ich nicht gefolgt.
Deutschland kann mit den Daimler-Zahlen leben und das massive Sanierungsprogramm der HypoVereinsbank nach Commerzbank zeigt, wohin es geht. Restrukturierung heißt schlanker und effizienter werden, um anschließend um so erfolgreicher im Markt bestehen zu können. Für manche
Analysten scheint dies schwer verständlich, mir allerdings verständlich für die Situation der Analyse-Teams, die mit solchen Fakten schwer umgehen können. Die HypoVereinsbank wird morgen die 9-Monats-Zahlen vorlegen. Die heutige Kommentierung der Daimler-Zahlen ist exemplarisch. Die Details dazu lesen Sie in der nächsten AB. Im übrigen aber: Thyssen widerspricht meiner zitierten Ansicht von Londoner Analysten, die ich in der letzten AB zum Anlaß genommen hatte, diese Aktie neu zu betrachten. Die Verwaltung teilt
mir mit, daß entgegen anderer Ansichten sämtliche Pensionsverpflichtungen in der Bilanz voll passiviert sind. Ich werde dies in der AB auch richtig stellen. Was an der Eigenkapitalquote jedoch nichts ändert.
Die Termine von heute: Dürr kommt mit 9-Monats-Zahlen. Ferner Software. In Zürich melden sich ABB und Adecco zu Wort. Im Falle ABB ist das allerdings eine schwierige Berechnung, weil dieser Elektrokonzern inzwischen im
Finanzergebnis das verdienen muß, was die Produktion in den Sand setzt. Überzeugend ist dagegen die erneut positive Bilanz von Adecco, dem weltgrößten 'Zeitarbeiter'.
Auf der Europaebene melden heute Akzo Nobel, Michelin und AstraZeneca sowie Volvo und in den USA wird es Eastman Kodak sein.
Resümee für Sie: Wir befinden uns im Aufwärtstrend, der nur kurzfristige technische Korrekturen zeigt. Der deutsche VDAX fiel bereits auf 33,5 und isi dafür das 'Fieberthermometer'. Das wär's für heute, bis morgen.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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Hans Bernecker: Hohe Leerverkaufspositionen
Mails/Nachrichten vom 24.10.2001, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
Das Erholungspotential eines Marktes drückt sich stets in Zufälligkeiten aus. Plötzlich sind die Akteure anderer Meinung und dann geht's rund. Sie können das jeden Tag verfolgen. Sogar Kurssprünge von 10 % und mehr in großen Titeln sind möglich allein deshalb, weil die eine oder andere Adresseplötzlich anderen Sinnes geworden ist. Noch problematischer sind die noch bestehenden Leerverkäufe. Welche Größenordnungen darin stecken, zeigen folgende Zahlen:
Die größte Leerposition besteht in Sprint. Die sogenannte
Short-Interest-Ratio mißt die Anzahl der Tage, um mit dem durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen alle Leerpositionen zu decken. Im Falle Sprint sind es 1427 Tage. Bei Motorola 649, bei Nortel 510, bei Lucent 486, bei Wal-Mart 459, bei AT&T 442 und bei Hewlett Packard 387 Tage. Ich überlasse es Ihrer Phantasie, auszurechnen, was mit diesen Kursen passiert, wenn die Leerpositionen letztlich eingedeckt werden müssen. Diese Sanduhr läuft.
Übrigens: Die Bilanz für die Quartalsabschlüsse per gestern: 54 % liegen über den Prognosen der Analysten, 32 % trafen die Erwartungen. Bitte mit den letzten Zahlen vergleichen, die ich genannt hatte.
Am deutschen Markt bestehen derartige Positionen in diesem Umfang nicht. Es gibt aber keine genaue Statistik darüber. Ich hatte aber schon gelegentlich darauf aufmerksam gemacht, daß die hohen Umsätze bei einigen DAX-Aktien
darauf schließen ließen. Vor 14 Tagen war noch Daimler dran und zuvor Bayer, aber auch die Dt. Bank bzw. Siemens, Infineon und natürlich Dt. Telekom.Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, daß in diesen Titeln noch einiges im Rohr steckt, was mit fundamentalen Daten nur wenig zu tun hat.
Zurück zur Wall Street: Der Dow tut sich schwer damit, die Hürde 9400 zu packen. Gestern war Konsolidierungstag, mit allerdings niedrigem Umsatz von rund 1,1 Mrd Stück Umsatz und positiven Relationen in den bekannten technischen Indikatoren, die allerdings gegenüber dem Vortag schlecht
ausfielen. Zwei Ergebnisse waren für mich bedeutsam: Lucent und Xerox präsentierten die neuen Monatsergebnisse. Lucent meldet 8,8 Mrd $ Verlust bei allerdings nur 909 Mio $ operativen Minus. Der Rest entfällt auf Goodwill-Abschreibungen und Kosten der Umstrukturierung. Insbesondere gilt dies den Entlassungen. Der Quartalsumsatz fiel um 28 % und damit kommt für das ganze Jahr ein Resultat um 21,3 Mrd $ heraus, weil das Geschäftsjahr
nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmt. 46.000 Stellen wurden abgebaut. Das Ganze zeigt also den typischen Verlauf einer Sanierung. Damit bleibt es bei der bisherigen Einschätzung, aber ich warte mit neuen Käufen, bis der
Markt selbst ein Signal setzt. Beachten Sie bitte die oben genannten Leerverkäufe in Lucent. Xerox meldet 29 Cents Verlust je Aktie, was rund 211 Mio $ bedeutet. Bei einem Quartalsumsatz von 3,9 Mrd $ werden für das ganze Jahr 16 Mrd $ erwartet, aber das Sparpotential von 1 Mrd $ ist
bereits ausgeschöpft. Das müßte schwarze Zahlen im ersten Quartal 2002 ergeben, nachdem 11.000 Mitarbeiter entlassen sind. Also das gleiche 'in grün': Laufende Sanierung, wie üblich. Vielleicht erinnern Sie sich aber:
Beide Unternehmen wurden vor 6 Monaten und teilweise vor 3 Monaten noch als Pleitekandidaten eingestuft. Diesem Urteil bin ich nicht gefolgt.
Deutschland kann mit den Daimler-Zahlen leben und das massive Sanierungsprogramm der HypoVereinsbank nach Commerzbank zeigt, wohin es geht. Restrukturierung heißt schlanker und effizienter werden, um anschließend um so erfolgreicher im Markt bestehen zu können. Für manche
Analysten scheint dies schwer verständlich, mir allerdings verständlich für die Situation der Analyse-Teams, die mit solchen Fakten schwer umgehen können. Die HypoVereinsbank wird morgen die 9-Monats-Zahlen vorlegen. Die heutige Kommentierung der Daimler-Zahlen ist exemplarisch. Die Details dazu lesen Sie in der nächsten AB. Im übrigen aber: Thyssen widerspricht meiner zitierten Ansicht von Londoner Analysten, die ich in der letzten AB zum Anlaß genommen hatte, diese Aktie neu zu betrachten. Die Verwaltung teilt
mir mit, daß entgegen anderer Ansichten sämtliche Pensionsverpflichtungen in der Bilanz voll passiviert sind. Ich werde dies in der AB auch richtig stellen. Was an der Eigenkapitalquote jedoch nichts ändert.
Die Termine von heute: Dürr kommt mit 9-Monats-Zahlen. Ferner Software. In Zürich melden sich ABB und Adecco zu Wort. Im Falle ABB ist das allerdings eine schwierige Berechnung, weil dieser Elektrokonzern inzwischen im
Finanzergebnis das verdienen muß, was die Produktion in den Sand setzt. Überzeugend ist dagegen die erneut positive Bilanz von Adecco, dem weltgrößten 'Zeitarbeiter'.
Auf der Europaebene melden heute Akzo Nobel, Michelin und AstraZeneca sowie Volvo und in den USA wird es Eastman Kodak sein.
Resümee für Sie: Wir befinden uns im Aufwärtstrend, der nur kurzfristige technische Korrekturen zeigt. Der deutsche VDAX fiel bereits auf 33,5 und isi dafür das 'Fieberthermometer'. Das wär's für heute, bis morgen.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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