Wie schon in 2013 und 2014 konnte man auch in 2015 mit den drei europäischen Windmühlenbauer Vestas (+ 114%), Gamesa (+ 110%) und Nordex (+ 118%) richtig gutes Geld verdienen und sie sind natürlich auch bei meiner Kursperformancerankingliste der 50 wichtigsten "Erneuerbaren Energie-Aktien" mit einer Marktkapialisierung > 100 Mio. $ wieder sehr weit vorn un dzwar an Platz 2 bis 4.
Sehr vieles spricht dafür, dass sich diese wirklich sehr positiven Kursentwicklungen in 2016 fortsetzen könnte. Vielleicht nicht mehr mit einem Kursverdoppler wie in 2015, aber das eine oder andere Prozent könnte wohl schon drin sein. Viele große Investoren wollen ihr Geld aus der konventionellen Stromerzeugung abziehen und stattdessen in Erneuerbare investieren wie z.B. die Versicherer Allianz oder AXA, der Norwegische Staatsfonds und selbst die Rockefeller-Fonds wollen nicht mehr in Kohle und Co investieren. Auch die großen Energiekonzerne schwenken um. Die schwedische Vattenfall will bis 2020 5,5 Mrd. € in die Windenergie investieren und damit würde Vattenfall ihre Windparkkapazitäten verdoppeln auf 8 GW. Die EnBW will in den kommenden 5 Jahren in Deutschland ihre Onshorewindparkkapazitäten verfünfachen auf 1 GW.
Warum Vestas, Gamesa und Nordex in 2015 wieder so super performt haben liegt auf der Hand: Klasse Umsätze (Vestas um die 8,2 Mrd. €/Nordex um die 2,3 Mrd. €), hervorragende Auftragseingänge (Vestas > 8 GW/Nordex > 1,75 GW), die sich allesamt auf Rekordhöhen bewegen, sehr gute Cash Flow-Generierung und großteils auch sehr gute Gewinnmargenentwicklungen. Die Aktien sind zwar durchaus nach den brillanten Kurssteigerungen der letzten 3 Jahren nicht mehr so billig, aber sie haben dafür eine sehr hohe Visibilität aufgrund der Rekordauftragsbestände, die Bilanzqualität ist sehr gut und nicht zu vergessen, es wird in diesem Jahr wieder zu Umsatzsteigerungen kommen und damit ist bei der EBIT-Marge sicher noch Luft nach oben durch die Umsatzskaleneffekte. Bei Nordex noch sehr viel Luft meines Erachtens nach.
2016er KGVs:
Vestas 22,0 - Gamesa: 20,8 - Nordex: 22,7
cashbereinigtes/schuldenbereinigtes 2016er KGV:
Vestas 18,4 - Gamesa: 19,3 - Nordex: 22,2
2016er EV/EBITA-Multiple:
Vestas 9,7 - Gamesa: 8,5 - Nordex: 10,0
2016er KUV:
Vestas 1,68 - Gamesa: 1,17 - Nordex: 0,89
Die Nordex-Aktie ist bei den gewinnorientierten Bewertungskennziffern einen guten Tick weit teurer wie Vestas und Gamesa. Dafür ist die Nordex-Aktie beim KUV deutlich billiger was natürlich von der schwächeren Profitablilität herrührt. Vestas dürfte in 2015 eine EBIT-Marge von um die 10% erreicht haben, während sie bei Nordex wohl bei knapp unter 6% liegen dürfte. Wie die Deutsche Bank im letzten Nordex-Rating aber richtigerweise bemerkte: "Angesichts des überlegenen Gewinnwachstums ist der Aufschlag zur Branche gerechtfertig".
Die Dynamik des operativen Geschäfts von Nordex ist auch sehr gut und besser wie bei Vestas und Gamesa mit einem erwarteten Umsatzwachstum für 2015 von 31% (Vestas: + 19% -- Gamesa: + 23%) und einem erwarteten Gewinnwachstum von 105% bzw. 41 Mio. € (Vestas: + 59% -- Gamesa: + 60%). Das sieht man auch sehr gut wenn man sich mal im Rückspiegel die 2015er Analystenschätzungen zu Nordex anschaut. Im Januar 2015 wurde von den Analysten ein 2015er Umsatz von 1,75 Mrd. € erwartet und damit um 562 Mio. € bzw. 32% niedriger wie aktuell (2015e: 2,312 Mrd. €). Bei den Gewinnschätzungen sieht es noch krasser aus. So wurde Anfang 2015 ein Gewinn je Aktie von 0,73 € prognostiziert und aktuell liegt die EPS-Schätzung bei 0,99 €, also 35% höher.
Was in den letzten 2 Jahren bei Nordex sehr gut sichtbar war am Kursverlauf, der Aktie wird vom Markt ein KGV zwischen 20 bis 25 zugestanden und so lassen sich damit Kursziele von 38 € (Goldman Sachs) und 40 € (Commerzbank) sehr gut erklären. Die Commerzbank prognostiziert für 2016 bei Nordex einen Umsatz von 3,9 Mrd. € (Konsens aktuell bei 3,56 Mrd. €) und ein Gewinn je Aktie von 1,56 € (Konsens aktuell bei 1,44 €). Das heißt die Commerzbank steht Nordex mit ihrem Kursziel von 40 € ein 2016er KGV von 25 zu. Solche relativ hohe Bewertungen gehen so lange gut bzw. sind so lange fundamental gerechtfertigt, so lange das Gewinnwachstum gut ist und da sieht es ja bei Nordex u.a. durch die Acciona-Übernahme richtig gut aus. Bis 2019 soll es alleine durch die Übernahme 95 Mio. € an Kosteneinsparungen geben durch Synergieeffekte. Umgerechnet auf die EBITA bzw. EBIT-Marge hätte das einen positiven Effekt von immerhin um die 2%. Auch das allgemein niedrige Zinsniveau rechtfertigt selbstredend hohe KGVs. Wichtig bleibt natürlich, die Aktie muss in ihre Bewertungen rein wachsen können und das ist Vestas, Nordex und Gamesa in den letzten 2 1/2 Jahren immer prächtig gelungen wie man an den Kursentwicklungen inkl. den Bewertungen ja leicht feststellen kann.
Bei den asiatischen Windmühlenbauer ist es kurstechnisch 2015 auch sehr ordentlich gelaufen (Goldwind: + 61%/Suzlon: + 42%/Sinovel: + 38%/Ming Yang: + 6%), aber bei weitem nicht so gut wie bei den drei Europäer.
Der größte chinesische Windmühlenbauer Goldwind kämpfte gleich an drei Fronten in 2015. Erstens werden die Stromanbindungsprobleme für chinesische Windparks immer größer (rd. 30% der chinesischen Windmühlen sind im Schnitt abgeschaltet, weil die Stromnetze den Windstrom nicht aufnehmen können), zweitens wurden zu Ende Juni 2015 in China die Onshorewindeinspeisevergütungen schon um 5% gekürzt und weitere 4% sind es ab Januar 2016 und drittens geht man derzeit davon aus, dass es in China in diesem Jahr zu einem Rückgang der Neuinstallation von Windkapazitäten von gut und gerne 20% auf 20 GW kommen wird. Das sieht man auch schon am Auftragsbestand von Goldwind, der um rd. 10% unter dem Rekordauftragsbestand von Q1 2015 liegt, aber mit 11,3 GW ist der noch immer riesig.
Goldwind ist derzeit mit einem 2016er KGV von 19 und einem cashbereinigten KGV von 25 bewertet und in der Summe somit in etwa so bewertet wie eine Vestas. Die Auftragslage mit einem Auftragsbestand von 11 GW ist sehr gut bei Goldwind, die EBIT-Marge mit 12% ist mit das beste ist was die Windmühlenbauer zu bieten haben und wenn man miteinbezieht dass Goldwind mit seiner doch nicht gerade niedrigen Nettofinanzverschuldung von rd. 800 Mio. € noch knapp 2 GW an eigenen Windparkkapazitäten in ihrem Besitz hat (ist der Hauptgrund warum die EBIT-Marge bei Goldwind so gut ist wie sie ist wegen den hochmarigen Stromeinnahmen), dann ist Goldwind von der fundamentalen Bewertung her nicht allzu teuer.
Suzlon hat im laufenden Geschäftsjahr 2015/2016 bis jetzt beim Umsatz und Auftragseingang ein wenig enttäuscht und zusammen mit zwei kleineren Kapitalerhöhungen via Debt Equity Deal, die alles andere als aktionärsfreundlich durchgezogen wurden, lässt es sich erklären warum Suzlon momentan 34% unter dem Jahreshoch vom März 2015 notiert (Jahreshoch 2015: 31,35 INR) ganz im Gegensatz zu Nordex, Vestas oder Gamesa, die ja noch im Dezember ihre Jahreshoch erreicht haben und derzeit nur knapp darunter liegen. Trotzdem hat die Suzlon-Aktie mit einem Plus von 42% in 2015 schon mehr als ordentlich performt. Die Analysten erwarten von Suzlon fürs kommende Geschäftsjahr, das bei asiatischen Unternehmen meist zwischen April bis März läuft wie bei Suzlon, sehr viel und das ist aufgrund des Booms generell bei den Erneuerbaren Energien in Indien gar nicht so unrealistisch. Der indische Windmarkt hat in 2015 um knapp 30% auf ca. 2,3 GW zugelegt und der wird zu 90%iger Sicherheit durch die große poiltische Unterstützung in den kommenden Jahren weiter kräftig wachsen und so ab 2019 dürfte Indien mit um die 5 GW der zweit- oder drittgrößte Windmarkt auf der Welt sein hinter China und eventuell hinter oder vor den USA. Davon wird natürlich Suzlon als indischer Windmühlenbauer profitieren. Suzlon hat in Indien einen Marktanteil von knapp 20%. Im 1. Halbjahr 2015/2016 hatte Suzlon 431 MW an Windleistung installiert, davon 410 MW in Indien.
Ganz großer Vorteil von Suzlon sind die guten Gewinnmargen mit einer EBITA-Marge im 1. Halbjahr von 16,3% bzw. einer EBIT-Marge von 12,4%. Das sind die besten Margen aller Windmühlenbauer. Damit hat Suzlon natürlich einen wunderschönen Gewinnhebel, wenn man wie erwartet die Umsätze im Geschäftsjahr 2016/2017 wirklich kräftig steigern kann. Das Kernproblem von Suzlon ist nach wie vor die hohe Verschuldung mit Finanzverbindlichkeiten von 1,5 Mrd. €. Das kostet Suzlon im Jahr rd. 175 Mio. € alleine an Zinsen (Nordex hat gerade mal ein Zehntel davon) und mit einer solch hohen Zinslast hat Suzlon trotz wirklich guter Gewinnmargen null Chancen einen Nettogewinn generieren zu können bei einem Jahresumsatz von um die 1,2 Mrd. €, der im laufenden Geschäftsjahr in etwa rauskommen wird. Der soll aber im kommenden Geschäftsjahr 2016/2017 (Beginn April 2016) nach den aktuellen Analystenschätzungen um 40% sehr kräftig steigen auf 1,68 Mrd. € und das soll dann Suzlon nach den Analystenschätzungen deutlich in die Gewinnzone bringen mit 121 Mio. €. Damit würde Suzlon auf ein aktuelles 2016er KGV von 15 kommen, wobei aber das cashbereinigte KGV aufgrund der hohen Verschuldung dann bei weitem nicht mehr so billig aussieht, denn das liegt aktuell bei 26. Aber der Auftragseingang und der Auftragsbestand (Ende September bei 1,1 GW bzw. 935 Mio. €) deuten bis jetzt noch auf keinen signifikanten Umsatzanstieg hin.
Suzlon weist ein negatives Eigenkapital von 98 Mio. € aus was bedeutet, dass eine KGV-Betrachtung mit sehr großer Vorsicht vorgenommen werden sollte, denn Suzlon wird wohl nicht umhin kommen eine weitere mittelgroße Kapitalerhöhung vorzunehmen bzw. einen neuen Debt Equity Deal durchzuziehen um die sehr hohen Finanzschulden/Zinslast deutlich runter zu bekommen, das Eigenkapital zu stärken und letztendlich braucht Suzlon für das erwartete kräftige Wachstum finanziellen Spielraum.
Mit HSBC und Nomura gibt es zwei Analystenhäuser die zu Suzlon sehr bullisch sind. Die britische HSBC ruft bei Suzlon ein Kursziel von 30 INR aus (Aufwärtspotential von 43%) und die japanische Nomura sogar von 38 INR (Aufwärtspotential von 81%).
Alles in allem bleibt Suzlon eine heiße Turn Around-Wette wie schon im letzten Jahr und wenn die sehr hohe Verschuldung nicht wäre inkl. dem Damoklesschwert einer eventuellen größeren Kapitalerhöhung, dann wäre Suzlon eigentlich ein ganz klarer Kauf beim aktuellen Kurs von 20,85 INR. Wobei aber Suzlon schon noch zeigen muss, dass man auch außerhalb Indiens gute und profitable Aufträge an Land ziehen kann, denn alleine mit Indien wird Suzlon wohl keine Umsätze > 1,5 Mrd. € erreichen können.
Charttechnisch würde es ab 25 INR bei Suzlon hoch interessant werden, denn zwischen 24,60 und 25,35 INR liegt ein sehr signifikantes Widerstandsnest. Nach unten scheint die Aktie charttechnisch bei etwas über 20 ING einigermaßen gut abgesichert zu sein.