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19.10.2011
Brüssel will die Energiennetze ausbauen.
Energiewende braucht Versorgungssicherheit
EU-Vorschlag zur Beschleunigung des Ausbaus der Stromtrassen kommt zur richtigen ZeitVon Georg Ehring
Nicht einmal hundert Kilometer Hochspannungsleitungen konnten in Deutschland in den vergangenen Jahren neu gebaut werden - gebraucht werden über dreitausend. Die Initiative von EU-Kommissar Günter Oettinger, Bau und Planung zu beschleunigen, kommt vielleicht gerade noch rechtzeitig, allerdings ziemlich spät.
David gegen Goliath: Für viele Befürworter hatte die Energiewende auch etwas vom Kampf der tapferen kleinen Windmüller und Solarpioniere gegen die ach so bösen Stromgiganten, die nach wie vor auf Kohle und Atom setzen wollten. Doch diese Zeiten sind vorbei: David ist dabei zu gewinnen, und er ist nebenbei kräftig gewachsen. Strom aus Windkraft, Sonne und Biomasse hat in diesem Jahr erstmals einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent erreicht, und das soll nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur Vollversorgung sein. Das ist gut so, nur mit erneuerbaren Energien kann die Stromerzeugung sauberer und die Klimaerwärmung gebremst werden.
Doch jetzt stößt die saubere Variante der Energieerzeugung an Grenzen: Wind und Sonne stehen nicht immer und überall zur Verfügung. Das wusste man schon immer, war aber in der Anfangszeit zu vernachlässigen. Je mehr die Marktanteile dieser schwer berechenbaren Energiequellen wachsen, desto dringender wird der Bedarf, für Ausgleich zu sorgen. Das geht, mit Wasser- und Gaskraftwerken, die kurzfristig einspringen können und mit neuen Hochspannungs-Leitungen, die den Strom vom Ort der Erzeugung zu den Verbrauchszentren bringen. Gerade der Leitungsbau erweist sich jedoch zunehmend als Engpass. Einsprüche von Anwohnern und jahrzehntelange Planungszeiten haben dafür gesorgt, dass in Deutschland in den vergangenen Jahren nicht einmal hundert Kilometer Hochspannungsleitungen neu gebaut werden konnten - gebraucht werden nach Angaben der Deutschen Energieagentur über dreitausend. Die Initiative von EU-Kommissar Günter Oettinger, Bau und Planung zu beschleunigen kommt vielleicht gerade noch rechtzeitig, allerdings ziemlich spät.