28.05.2010 Kapitalvernichter auch Cashburner genannt
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Kapitalvernichter auch Cashburner genannt
Sehr geehrter Anleger,
erst gestern kommentierte ich das Joint Venture von Hochtief in Katar als nicht risikofrei. Heute lese ich ein Interview zur Planungsverzögerung und der Kostenexplosion bei der Elbphilharmonie wo Hochtief wegen vorgeworfener fehlerhafter Betonierung auch nicht gerade gut wegkommt. Wenn ein renommiertes Architektenbüro öffentlich feststellt, dass " Hochtief nicht der beliebteste Partner ist " sollte das auch einem Anleger zu denken geben. Und wenn dann der Hamburger Bürgermeister von Beust meint, dass alle Beteiligten die " Komplexität des Projekts unterschätzt hätten ", so trifft das nicht nur auf die Elbphilharmonie und die Hapag Lloyd AG zu. Ein paar Straßenzüge weiter gibt es ein ähnliches Projekt mit Namen HSH Nordbank AG. Wobei man hier wissentlich in den Abgrund gestolpert ist und weiter stolpert. Dort ist die Untreue noch der geringste Vorwurf. Warum aber das Privathaus von Herrn Nonnenmacher, der das Omega Geschäft immerhin abgezeichnet hat, nicht durchsucht wurde, ist schon etwas eigenartig. Aber wenn man einen ehemaligen Deutsche Bank Vorstand als Aufsichtsratschef hat und einen Ministerpräsidenten, der einen stützt, dann ist man in diesem Land sicher. Egal wo man die Unterschrift hingesetzt hat. Das ist schließlich nur Tinte. Auch wenn man Verlust um Verlust einfährt. So ist im 1. Quartal "nur" ein Konzernverlust von -276 Mio. Euro erwirtschaftet worden. In Zeiten, in denen man im dreistelligen Milliardenbereich denkt, ist das ja geradezu ein Klacks, oder? Wenn man allerdings bedenkt, dass die schleswig-holsteinische Landesregierung in den nächsten beiden Jahren mit einem rigiden Sparkurs je 125 Mio. Euro einsammeln will, um ein strukturelles Milliardendefizit zu beseitigen, dann wird die Dimension erst so richtig klar. Und so können wir uns glücklich schätzen, dass es Schüler und Blinde gibt, die unterstützend eingreifen. So wird nämlich das Geld für die Schülerbeförderung gestrichen werden, der Medizinstudiengang in Lübeck auslaufen und das Landesblindengeld halbiert werden, damit unsere Cashburner Nonnenmacher und Peantus Kopper weiter machen und unser Steuergeld irgendwo draußen in der Welt verbraten können. Und ungestraft Unterschriften unter zwielichtige Geschäfte setzen dürfen. Und nicht nur das. Denen auch der Verdacht der Bilanzfälschung in 2008 - Herr Nonnenmacher soll daran nach einem Bericht beteiligt gewesen sein - nichts ausmacht. Dass aber aus einem Gewinn von 88 Mio. Euro nachträglich ein Verlust von 77 Mio. Euro werden kann, zeigt die hohe Kunst der Bilanzierung, die die HSH Nordbank AG offensichtlich bis zur Perfektion beherrscht. Da klingt die Aussage von Frau von der Leyen, dass " Dumpfes Kürzen schnell nach hinten losgehen kann " wie Hohn. Wer nimmt die immer so leidenschaftlich wirkende Arbeitsministerin mal zur Seite und teilt ihr mit, dass dumpfes Geldausgeben und Verbrennen bereits längst nach hinten losgegangen ist? Und ihr Kurzarbeitergeld genau in diese Kerbe schlägt? Angesichts solcher Aussagen ist die Überschrift, dass Frauen an die Unternehmensspitze sollen geradezu eine Drohung. Gott sei Dank kommt da der große Bruder Geithner über den Teich und erzählt uns, dass es unterschiedliche Geschwindigkeiten für den Defizitabbau gäbe. Worauf sich unsere Regierung mit Sicherheit sogleich stürzen wird. By the way. Geradezu belustigend und kabarettreif finde ich es in diesem Zusammenhang, wenn unser Finanzminister feststellt, dass " Deutschland und Amerika in den Fragen näher beieinander liegen, als es den Anschein habe ". Wo doch kaum ein Feld gefunden wurde, wo man nicht unterschiedlicher Meinung ist. Und während das Geld bei uns staatlicherseits nur so durch die Schornsteine gepustet wird, liest man mit Bedauern, dass " das Auftreiben von privatem Wagniskapital für junge Unternehmen eine besonders mühsame Aufgabe sei ". Kein Wunder. 261 Mio. Euro hierzulande stehen 15 ,4 Mrd. Dollar in den USA gegenüber. Selbst Frankreich verzeichnet den dreifachen Betrag. Und so droht, dass die besten und innovativsten Jungunternehmen ihre Wagniskapitalgeber im außereuropäischen Ausland suchen und abwandern. Während hierzulande Milliardengräber wie die Adam Opel GmbH, der in den Hintergrund geratene Steinkohlebergbau und die erneuerbaren Energien kräftig unterstützt werden bzw. werden sollen. Aber warum auch junge Unternehmen und Unternehmer unterstützen, die noch dazu innovativ sind und damit unsere schön geordnete Wirtschaft und die bestehenden und bis tief in die Politik verankerten Großunternehmen durcheinander bringen? Und wegen ihres geringen Hangs zur Korruption und ihrer Selbstüberschätzung es in diesem Land mit purer Leistung und Kompetenz schaffen zu wollen, eine Gefahr für den Frieden des deutsche Old Boys- und Verhinderungs-Netzwerkes darstellen? Da könnte ja jeder kommen. Die sollen sich mal besser anderswo austoben. Und so begreift man vielleicht hierzulande langsam, warum Europa ein Problem hat und USA kein ganz so großes, obwohl deren Verschuldung auch nicht von Pappe ist.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.
Ihr Norbert Lohrke