Noam Chomsky zur Irakkrise

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Noam Chomsky zur Irakkrise Dr.UdoBroemme
Dr.UdoBroem.:

Noam Chomsky zur Irakkrise

 
31.08.02 19:52
#1
Australian Broadcasting Corporation; 8. April, 2002

Auszüge aus dem Interview:


...
TONY JONES: Können wir uns einem breiteren Fokus zuwenden, und Präsident Bushs Pläne den Irak anzugreifen, die
offensichtlich von den Ereignissen im Mittleren Osten kritisch beeinflusst sind? Würde eine glaubhafte Gefahr eines
terroristischen Angriffes mit Waffenvernichtungsmittel einen vorbeugenden Angriff gegen den Irak rechtfertigen?

PROFESSOR NOAM CHOMSKY: Vorbeugende Angriffe erfordern starke Beweise, und eine schwere Last der Rechtfertigung. Etwas derartiges gibt es nicht im entferntesten.

Es ist extrem schwer Bush und seine Berater ernst zu nehmen, wenn sie über ihre Gründe reden, Saddam Hussein absetzen zu
wollen. Saddam Hussein ist ein Monster, daran gibt es kein Zweifel. Ihn loszuwerden, wäre ein Gewinn für die Menschen von Irak und der ganzen Welt. Aber Bushs Berater sind nicht wegen seiner Verbrechen gegen ihn, oder wegen seiner Bemühungen Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, und wir alle wissen das.

Seine schlimmsten Verbrechen verübte er mit der Unterstützung des Vaters des derzeitigen Präsidenten. Die Unterstützung hielt an, auch die Grossbritanniens, bis lange nachdem die schlimmsten Verbrechen verübt worden sind. Es war ein loyaler Freund und Verbündeter. Darüberhinaus belieferten ihn sowohl Grossbritannien als auch die Vereinigten Staaten weiterhin mit den Mitteln zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen. Es war damals viel gefährlicher als er das heute ist.

Des weiteren, wenn man sich die Leute ansieht, die die Vereinigten Staaten versuchen zusammenzuziehen um ihn zu ersetzen, wie der General, der zu dem Treffen nicht erscheinen kann, weil in Dänemark gegen ihn wegen Beteiligung an einem Massaker ermittelt wird - deutet das auf irgendeine Bemühung hin eine anständige Lösung für das irakische Volk herbeizuführen? Die Frage was gegen Saddam Hussein unternommen werden sollte ist sehr ernst, aber diese Leute kann man nicht ernstnehmen.

TONY JONES: Was für Beweise müssten sie vorlegen, denn diese Beweise scheinen ausserhalb der Reichweite internationaler
Organisationen zu sein? Müssten sie sich letztendlich nicht auf ihre eigenen Geheimdienste verlassen?

PROFESSOR NOAM CHOMSKY: Es geht nicht darum den eigenen Geheimdienste zu trauen. Es geht darum den eigenen
Absichten zu trauen, und das ist etwas völlig anderes.

Wir haben keinen Grund zu glauben, dass irgendein Staat, und ganz sicher nicht einer mit einer Geschichte wie die der
Vereinigten Staaten, die Autorisation erhalten sollte, unabhängig gewaltsam handeln zu können, alleine auf der Basis ihrer eigenen Führungsgruppe. Das ist lächerlich. Wir erlauben das auch sonst niemandem, wieso also den Vereinigten Staaten?

TONY JONES: Was ist mit vorbeugende Angriffe, die ganz spezifisch auf Einrichtungen abzielen, die chemische, nukleare oder biologische Waffen herstellen, wie kürzlich von dem CIA Direktor vorgeschlagen?

PROFESSOR NOAM CHOMSKY: Erstens haben sie ganz sicher keine Beweise über solche Einrichtungen vorgelegt, oder
irgendeinen Hinweis darauf, dass sie eine Gefahr darstellen, oder dass sie auch nur daran denken sie anzugreifen. Das ist nicht ihr Ziel

Was iIhr eigentliches Ziel ist, wissen wir alle, seien wir nicht naiv: der Irak hat die zweitgrössten Erdölreserven in der ganzen Welt. Auf die eine oder andere Weise werden die US versuchen die Kontrolle über sie wiederzuerlangen, und sie ihren Gegnern zu verweigern, die einen inneren Zugang haben, allen voran Frankreich und Russland, und sie könnten dies für einen guten Vorwand halten.

Saddam Hussein bleibt der gleiche Monster der er gewesen ist, als die US und Grossbritannien ihn während seiner grössten Verbrechen fröhlich unterstützten, genau zu der Zeit, als er gefährlich war und Massenvernichtungswaffen entwickelte. Das bleibt wahr. Aber machen wir uns über die Gründe nichts vor, die als Vorwand benutzt werden könnten, die echten Gründe, für das was unter andere Vorwände beschrieben werden wird.

TONY JONES: Aber es gibt eine wachsende Bemühung in den Erklärungen führender amerikanischer Politiker und der
Presse, und in Statements der Geheimdienste, Beweise vorzulegen die zumindest die US Öffentlichkeit davon überzeugen sollen, dass ein Angriff auf den Irak notwendig ist?

NOAM CHOMSKY: Darüber besteht kein Zweifel, ich würde das Wort "Beweise" nicht verwenden, aber es gibt kein Zweifel, dass ernste Anstrengungen unternommen werden, um Vorwände zu konstruieren, die einen Angriff auf den Irak rechtfertigen würden, um die Kontrolle über die weitgrössten Erdölvorkommen in der Welt wiederzuerlangen.

Ich meine, ein Angriff um Saddam Hussein loszuwerden, das wäre ein Segen , aber wie ich bereits sagte, ist das nicht das Ziel.

Das Ziel wurde sehr genau beschrieben - erinnern wir uns, dass es gleich nach dem Golfkrieg, als die US die totale Kontrolle über die Region ausübte, im Süden einen Aufstand gab, einen schiitischen Aufstand, der Saddam Hussein sehr wohl gestürzt haben könnte, wenn George Bush Saddam Hussein nicht ausdrücklich autorisiert hätte ihn durch den Einsatz von Militärhubschrauber und andere Mittel niederzuschlagen. Das wurde öffentlich erklärt.

Thomas Friedman, der damals der diplomatische Korrespondent der New York Times gewesen ist, schrieb, das sei notwendig
gewesen, weil, wie er es ausdrückte, die beste Welt für die Vereinigten Staaten, eine eisenharte Militärjunta wäre, die Irak auf die gleiche Weise wie Saddam Hussein regieren würde, sehr zur Freude der US Verbündeten Türkei und Saudi Arabien, und natürlich, obwohl er es nicht erwähnte, des Bosses in Washington.

Das war die Haltung als Bush Saddam Hussein erlaubte eine schiitische Rebellion niederzuschlagen. Daran hat sich nichts verändert. Wenn die US etwas tun um die Kontrolle über den Irak gewaltsam wiederzuerlangen, müssen sie diese Bedingung aufrechterhalten. Sie können keine demokratische Regierung zulassen, nicht einmal eine limitierte Demokratie, weil die Mehrheit der Bevölkerung schiitisch ist, und wenn es irgendeine demokratische Beteiligung gibt die Chancen ziemlich gut stehen, dass sie sich auf eine Allianz mit dem Iran, oder zumindest auf Verbindungen mit dem Iran zubewegen werden, was die US sicherlich blockieren werden, was genau der Grund ist, aus dem die US jetzt versuchen irakische Generäle zu organisieren, die an einigen der schlimmsten Greueltaten beteiligt gewesen sind, um diese eisenharte Militärjunta zu bilden, die eine sunnitische Militärjunta
sein wird, um den Irak auf die gleiche Weise zu regieren wie Saddam Hussein, genau wie es Thomas Friedman beschrieb und
tatsächlich befürwortete.

TONY JONES: Wir werden hier abschliessen müssen, Noam Chomsky. Vielen Dank, dass sie sich heute nacht Zeit für uns
genommen haben.

NOAM CHOMSKY: OK. War mir ein Vergnügen.

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Noam Chomsky zur Irakkrise chrismitz
chrismitz:

Eigentlich hatte ich heute abend noch was vor,

 
31.08.02 19:54
#2

aber gut, lesen wir das halt! ;-)

Gruß
Noam Chomsky zur Irakkrise Slater
Slater:

Dr. Udo Broemme

 
31.08.02 20:02
#3
Meine Stimme am 22. September haben Sie
Noam Chomsky zur Irakkrise Dr.UdoBroemme

Up für Zombi - Wird wohl ne Militärdiktatur...

 
#4


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