Über den zusammen mit dem Pollet wohl größten Dummschwätzer unter Deutschlands Wirtschaftsschwätzern, Hans Werner Sinn, konnte man am Donnerstag in der FTD folgendes lesen
» Exportschlager Krisendiagnose «
von Sebastian Dullien
Hans-Werner Sinns Abgesang auf die deutsche Wirtschaft erscheint nun auch auf Englisch - pünktlich zum stärksten Aufschwung seit 1990.
Ganz Deutschland ist im Aufschwungfieber. Ganz Deutschland? Nein. Ein tapferer Professor in München leistet erbitterten Widerstand gegen den Eindruck, der deutschen Wirtschaft könne es nach Jahren des Darbens grundsätzlich besser gehen.
Nun hat das Interesse an Absturzdiagnosen zumindest in den deutschen Medien stark nachgelassen. Die deutsche Wirtschaft ist 2006 um rund drei Prozent gewachsen und hat den Mehrwertsteuerschock locker weggesteckt. Wer hat da noch Lust auf kollektive Wirtschaftstherapiesitzungen in Talkshows?
Bedrohen Standortprobleme das Kerngeschäft auf dem Heimatmarkt - so Hans-Werner Sinns These -, muss man das Heil im Export suchen. Also hat der Chef des Münchner Ifo-Instituts seine eigene Ausfuhrstrategie entwickelt: Für die zweite Juni-Hälfe hat der renommierte US-Verlag MIT Press eine englische Übersetzung des Sinn-Bestsellers "Ist Deutschland noch zu retten?" angekündigt - in einer "erweiterten und aktualisierten" Fassung. Auszüge stehen auf der Website des Verlags.
ZUM THEMA
Der Boulevardprofessor (www.ftd.de/politik/europa/...20Boulevardprofessor/180714.html)
Ifo-Chef Sinn: Konjunkturhoch bis 2010 (www.ftd.de/politik/deutschland/...0Konjunkturhoch/174318.html)
Diesen Artikel jetzt anhören Mit der Marke "Made in Germany" kann man so einiges im Ausland verkaufen. Deutschen Unternehmen hat Sinn deswegen schon Etikettenschwindel vorgeworfen. Jetzt zeichnet Sinn ein Deutschlandbild, das mit dem real existierenden Land des Jahres 2007 nur schwer in Einklang zu bringen ist. So mag er nur einen "schwachen Aufschwung" ("Slight Upswing") im "Fahrwasser der boomenden Weltwirtschaft ausmachen" - im Gegensatz zu Organisationen wie der OECD, die vorhersagen, dass Deutschland 2007 schneller wächst als die USA, Großbritannien, Japan, Frankreich und Italien.
Pessimismus am Arbeitsmarkt
Ähnlich pessimistisch sieht Sinn den Jobmarkt: "Es gibt keine Anzeichen einer dauerhaften Trendwende am deutschen Arbeitsmarkt." Dazu zeigt eine Grafik eine immer weiter steigende Arbeitslosigkeit. Grund seien ein überbordender Sozialstaat und die wachsende Konkurrenz aus Osteuropa. Dabei ist die westdeutsche Arbeitslosigkeit im April 2007 wieder unter Sinns vermeintliche Trendlinie gefallen. Und die meisten Experten erwarten, dass schon im Sommer die Arbeitslosigkeit niedriger sein wird als zu Zeiten des New-Economy-Booms.
Der Befund, dass der langfristige deutsche Wachstumstrend wegen fehlender Reformen zuletzt "nur wenig mehr als ein Prozent" betragen habe, liest sich ja auch allemal spannender als neue Analysen etwa des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, die das deutsche Wachstumspotenzial auf rund doppelt so viel taxieren. Ärgerlich nur, dass die Verkaufszahlen dieses Wirtschaftsdramas im Ausland die deutsche Leistungsbilanz noch weiter verbessern dürften - und damit das Krisenbewusstsein der Deutschen schmälern. Um im Duktus des Münchner Professors zu bleiben: ein pathologischer Exportboom.
FTD Debatte: Ihre Meinung interessiert uns!
zur Top-Liste30 Bewertungen
Bookmarken bei ...
Aus der FTD vom 31.05.2007
© 2007 Financial Times Deutschland, © Illustration: AP