von Martin Diekmann
Die Volatilität ist für Fonds ein wichtiges Risikomaß - doch Anleger sollten noch weitere Kennziffern im Blick haben.
Bei der Auswahl eines Fonds achten die meisten Anleger nach wie vor in erster Linie auf die Performance. An der Wertentwicklung lässt sich auf einen Blick ablesen, wie der Manager des Fonds im Vergleich mit anderen Produkten abgeschnitten hat. Anleger, die sich von diesem Kriterium leiten ließen, griffen in den vergangenen Jahren häufig zu Aktienfonds Emerging Markets, da diese sehr hohe Renditen abwarfen.
Wie sich später zeigte, war diese Entscheidung oft nicht die glücklichste. Denn hohe Renditen gehen in der Regel einher mit hohen Schwankungen oder - wie es in der Fachsprache heißt - mit hohen Volatilitäten.
In der Praxis gilt eine hohe Volatilität zwar als Synonym für große Gewinnchancen, gleichzeitig ist sie aber auch ein Indiz für erhebliche Risiken. Was die Volatilität bei einzelnen Fondstypen betrifft, können sich Anleger an einigen Faustregeln orientieren. Nischen- und Brancheninvestments wie Schwellenländer- oder Technologiefonds sind fast immer volatiler als breit streuende Aktienfonds. Letztere wiederum schwanken stärker als Rentenfonds. Die geringste Volatilität weisen Geldmarktfonds auf, den Preis dafür zahlen Anleger in Form extrem niedriger Renditen.
Erhebliche Abweichungen
Nach Angaben des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) wiesen Aktienfonds mit dem Schwerpunkt Deutschland auf Sicht der vergangenen zehn Jahre eine Volatilität von 23,4 Prozent auf. Das bedeutet, dass diese Fonds im Durchschnitt 23,4 Prozent um ihre in diesem Zeitraum erzielte Rendite schwankten. Innerhalb der Gruppe der Aktienfonds gibt es jedoch erhebliche Abweichungen. So weist der HSBC Trinkaus Special INKA, der schwankungsärmste Fonds der Vergleichsgruppe Aktien Deutschland über zehn Jahre, mit einer Wertentwicklung von 144,3 Prozent nur eine Volatilität von 16,5 Prozent auf. Am stärksten schwankte der Nestor-Deutschland-Fonds mit 28,2 Prozent, kommt dabei aber nur auf eine kumulierte Performance von 34,6 Prozent. Während der HSBC-Fonds zu den fünf performancestärksten gehört, liegt das Nestor-Produkt auf dem vorletzten Platz der Vergleichsgruppe.
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Aktienfonds mit internationaler Ausrichtung. Hier liegt die Durchschnittsvolatilität bei 18,1 Prozent. Der am stärksten schwankende Fonds mit einer Volatilität von 29,1 Prozent, der Metzler Wachstum International, liegt mit einer kumulierten Wertentwicklung von minus fünf Prozent auf dem vorletzten Platz. Der schwankungsärmste, der MC International, erreicht eine Gesamtperformance von 62,7 Prozent, kommt damit über einen Mittelfeldplatz jedoch nicht hinaus. Der erfolgreichste Fonds, der DWS Vermögensbildungsfonds I, wiederum weist über denselben Zeitraum eine Wertentwicklung von 236,9 und eine Volatilität von 19,2 Prozent auf.
"Die Zahlen zeigen, dass die Volatilität für Anleger nur eine begrenzte Aussagekraft hat", sagt Christian Schreckeis, Fondsspezialist beim österreichischen Brancheninformationsdienst e-fundresearch.com. Er empfiehlt Anlegern deshalb, eher auf die sogenannte Sharpe Ratio zu schauen. Diese zeigt die Überschussrendite eines Fonds an unter Berücksichtigung des eingegangenen Risikos. Unter Überschussrendite versteht man dabei die über eine risikolose Geldanlage - in der Regel Festgeld - hinausgehende Rendite. "Eine Sharpe Ratio größer null zeigt an, dass gegenüber der risikolosen Geldmarktanlage eine Mehrrendite erwirtschaftet wurde", erläutert Schreckeis. "Je größer die Sharpe Ratio, desto besser ist das Verhältnis der Mehrrendite zum eingegangenen Risiko."
Wann die Information Ratio aussagekräftig ist
Da die Sharpe Ratio als Gesamtrisiko im Nenner aber nur die Volatilität nutzt, ist es nicht möglich, den Grad der Diversifikation der jeweiligen zu vergleichenden Portfolios zu berücksichtigen. "Die Sharpe Ratio eignet sich deshalb nur für den Fall, dass ein Investor sein ganzes Geld in einen einzigen Fonds steckt", sagt Roland Kölsch, Fondsmanager für Sustainable and Responsible Investments bei Dexia Asset Management. Aussagekräftiger sei deshalb die sogenannte Information Ratio, so Kölsch. "Die Information Ratio zeigt die Überrendite im Vergleich zum Tracking Error, der Abweichung eines Fonds von der durchschnittlichen Entwicklung vergleichbarer Fonds. Die Kennzahl ist für einen direkten Vergleich sehr gut geeignet, da sie genau angibt, ob ein Fondsmanager für seine Abweichung gegenüber dem Index entsprechend belohnt wird." Je höher die Kennzahl ausfällt, desto erfolgreicher agiere das Management.
Allerdings birgt die Information Ratio ein Problem: Während man Angaben zur Sharpe Ratio zumindest bei einigen Datenanbietern wie etwa Morningstar und e-funddata finden kann, sucht man nach der Information Ratio auf den gängigsten Websites oft vergeblich.
Gruß
uS
Moderation
Zeitpunkt: 31.03.07 20:18
Aktion: Forumswechsel
Kommentar: der Thread ist hier besser aufgehoben ;-)
Zeitpunkt: 31.03.07 20:18
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