Washington/New York/Berlin - Die in Afghanistan regierenden radikal-islamischen Taliban wollen den mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP um jeden Preis schützen.
Taliban-Außenminister Wakil Ahmed Mutawakil sagte der in Pakistan ansässigen privaten Agentur am Sonntag im afghanischen Kandahar, die Vereinigten Staaten seien "in jedem Fall darauf aus, Afghanistan anzugreifen, ohne Rücksicht darauf, was wir über Osama denken".
Gastrecht für bin Laden
Osama bin Laden, den die USA als Hauptverdächtigen für die Terroranschläge in Washington und New York ansehen und wegen anderer Attacken suchen, hält sich in Afghanistan auf. Die Taliban gewähren ihm Gastrecht und weigern sich seit langem, ihn auszuliefern.
Der Außenminister bekräftigte zugleich die Warnung von Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar. Omar hatte den Nachbarstaaten Afghanistans am Samstag mit Krieg gedroht, sollten diese den USA Land-oder Luftwege für Angriffe gegen sein Land zur Verfügung stellen. (Weitere Informationen).
bin Laden: "Ich war's nicht"
Osama bin Laden hat am Sonntag erneut jede Verantwortung für die Terrorangriffe von sich gewiesen. "Die USA zeigen mit dem Finger auf mich, aber ich erkläre hiermit kategorisch, dass ich es nicht getan habe", versicherte bin Laden in einer Erklärung, die von der den Taliban nahestehenden privaten Agentur AIP in Islamabad veröffentlicht wurde.
Flucht aus Afghanistan
Vor dem Hintergrund des drohenden Vergeltungsschlags der USA gegen Afghanistan hat in dem Land eine Massenflucht eingesetzt. Nach Angaben einer iranische Nachrichtenagentur versuchen bereits Hunderte von Afghanen, sich in Sicherheit zu bringen.
Der Iran hat deshalb damit begonnen, seine Grenze zu Afghanistan zu schließen. Iran hat in den vergangenen Jahren bereits zwei Millionen Flüchtlinge, die vor dem radikal-islamischen Taliban-Regime aus Afghanistan geflüchtet sind, aufgenommen. (Weitere Informationen).
US-Kriegsschiff verlässt Hafen
In Japan hat das erste US-Kriegsschiff seit den Terrorangriffen in New York und Washington seine Marinebasis in unbekannte Richtung verlassen. Wie die Zeitung "Tokio Shimbun" am Sonntag unter Berufung auf Marinevertreter berichtete, lief der Kreuzer "Cowpens" am Vortag aus dem Hafen Yokosuka aus. Der Zeitung zufolge wurde damit gerechnet, dass er den Nahen Osten ansteuert. Das Kriegsschiff ist mit dem hochmodernen Aegis-Radar- und Abwehrsystem ausgerüstet, das Simultan-Angriffe mit Cruise Missiles auf mehrere Ziele ermöglicht.
Bundeswehr prüft Einsatzmöglichkeiten
In Deutschland geht die Diskussion um die Form einer Beteiligung an US-Militärschlägen gegen Verantwortliche der Terrorkatastrophe weiter. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" wird in der Bundeswehr derzeit überprüft, welche Truppen sich als sinnvoller Beitrag für eine zu erwartende Anfrage der Vereinigten Staaten eignen. In der Bundeswehr hält man es demnach für möglich, dass man sich mit den neu formierten Kommando-Streitkräften an Einsätzen zu Suche und Festsetzung von Terroristen beteiligt. Das Kommando Spezialkräfte umfasst 400 Mann. (Weitere Informationen).
Merz bietet "nationale Allianz" an
Der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Friedrich Merz, hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für dessen Politik der "uneingeschränkten Solidarität" im Bündnis mit den USA die "uneingeschränkte Unterstützung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion" zugesichert.
Deshalb biete die Opposition der Regierung eine "nationale Allianz der Entschlossenheit" an, um die "Sicherheit unseres Landes umfassend zu stärken", sagte Merz. Die nach Angaben von Merz dazu notwendigen Umschichtungen im Haushalt könne man gemeinsam tragen.
Schärfere Flugkontrollen in Deutschland
Nach den Terrorangriffen in den USA soll das Fliegen in Deutschland und weltweit sicherer werden. Als Sofortmaßnahmen auf deutschen Flughäfen sollen die Kontrollen des Reisegepäcks und die Überprüfung des gesamten Flughafenpersonals intensiviert werden. Das vereinbarten Innenminister Otto Schily und Verkehrsminister Kurt Bodewig am Abend in einem Gespräch mit den Spitzen der Lufthansa und der Frankfurter Flughafengesellschaft. Fluggäste müssen sich nun auf längere Wartezeiten einstellen. (Weitere Informationen)
Bush: Es wird einen "umfassenden Angriff" geben
US-Präsident George W. Bush bereitet einen "umfassenden Angriff auf den internationalen Terrorismus und dessen staatliche Helfer vor". In seiner wöchentlichen Radioansprache sagte Bush, die Verantwortlichen für die Anschläge in New York und Washington würden "aus ihren Löchern getrieben“ werden.
Fahndung: Unzählige Spuren
Unterdessen zieht sich das Fahndungsnetz um die Drahtzieher der Terroranschläge langsam zu. (Weitere Informationen). Amerikanische Fahnder gehen unzähligen Spuren nach, von denen einige als "heiß“ eingeschätzt werden. Das US-Justizministerium stellte einen Haftbefehl gegen einen "wichtigen Zeugen“ aus. Ermittler verhörten zwei indische Männer, die am Mittwoch in Dallas festgenommen worden waren. Sie sollen "intime Kenntnisse“ des Terrornetzwerks haben, das für die mörderischen Anschläge in New York und Washington verantwortlich ist. (us/dpa)