FOKUS 1-MobilCom wird UMTS-Lizenz wohl zurückgeben~
- Von Jan Christoph Schwartz -
Hamburg, 22. Jan (Reuters) - Der Mobilfunkanbieter MobilCom
[MOB.GER] geht nach Angaben eines Sprechers nicht davon aus,
dass er sein UMTS-Netz einschließlich der dazu gehörenden Lizenz
bis Jahresende verkaufen kann.
Zugleich gab das Büdelsdorfer Unternehmen am Mittwoch
bekannt, dass die Banken dem Treuhänder Helmut Thoma 42,42
Prozent der Mobilcom-Stimmrechte aus dem Besitz von
Firmengründer Gerhard Schmid übertragen haben. Zusammen mit den
28,5 Prozent im Besitz von France Telecom gibt es damit
auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Montag eine
Mehrheit für den milliardenschweren Plan zur Mobilcom-Rettung.
"Wir hoffen zwar weiter auf einen reichen Scheich aus Dubai,
aber realistisch ist das nicht", sagte Mobilcom-Sprecher Wilhelm
Fuchs. Mobilcom halte an der vor zweieinhalb Jahren zusammen mit
France Telecom für 8,4 Milliarden Euro ersteigerten UMTS-Lizenz
vorerst fest. Wenn bis zum Jahresende aber kein Investor
auftrete, werde Mobilcom die Lizenz an die Regulierungsbehörde
zurückgeben müssen, sagte Fuchs.
MOBILCOM: UMTS-NETZ WÜRDE 16 PROZENT ABDECKEN
Die Lizenzbedingungen schreiben vor, dass die Lizenznehmer
mit ihrem UMTS-Netz bis Jahresende eine Reichweite von 25
Prozent der Bevölkerung erreicht haben müssen. Mobilcom würde
mit seinem Netz nach Angaben des Sprechers zurzeit 16 Prozent
der Bevölkerung erreichen. Ein Ausbau bis auf die geforderte
Reichweite scheint aber nahezu ausgeschlossen, denn im
Zusammenhang mit der Entschuldung des Unternehmens durch France
Telecom wurde ein Einfrieren der UMTS-Aktivitäten vereinbart.
Mobilcom hatte die Abschreibungen auf sein UMTS-Vermögen
kürzlich auf 9,9 Milliarden Euro beziffert. Im Gegenzug war in
der Bilanz ein Ausgleichsanspruch gegenüber France Telecom von
7,1 Milliarden Euro aktiviert worden.
Der französische Konzern hatte im Rahmen der
Mobilcom-Rettung zugesagt, insgesamt sieben Milliarden Euro
Schulden von seinem einstigen Partner zu übernehmen. Im Falle
eines Verkaufs seines UMTS-Netzes muss Mobilcom 90 Prozent
dieser Erlöse an die Franzosen abführen.
Mobilcom bemüht sich Fuchs zufolge seit längerem Zeit um den
Verkauf seines Netzes. Mit mehreren Konkurrenten würden darüber
Gespräche geführt, darunter auch mit dem zum niederländischen
Telefonkonzern KPN gehörenden Betreiber E-Plus. Zum
Stand der Gespräche machte Fuchs keine Angaben. Die vier
verbliebenen UMTS-Lizenzinhaber in Deutschland sind die Deutsche
Telekom [DTE.GER] , Vodafone D2 , O2 und E-Plus.
Quam hält wie Mobilcom an seiner Lizenz fest,
hat den Netzaufbau aber ebenfalls eingestellt.
ZUSTIMMUNG DER AKTIONÄRE SO GUT WIE SICHER
Unterdessen erscheint eine Billigung des milliardenschweren
Sanierungsplans für Mobilcom durch die Aktionäre auf der
Hauptversammlung am Montag so gut wie sicher. Firmengründer
Gerhard Schmid erklärte am Mittwoch zudem, er werde Treuhänder
Thoma nicht mittels einer einstweiligen Verfügung an der
Ausübung der Stimmrechte seiner Aktien hindern. Der Großaktionär
hatte dem bis dahin von allen Beteiligten an der
Mobilcom-Rettung akzeptierten früheren RTL-Chef Thoma vor kurzem
als Treuhänder gekündigt und den Hamburger Sanierungsexperten
Otto Gellert zum Verwalter seines Aktienpakets ernannt. Dem
folgten die Depotbanken allerdings nicht, bei denen ein Großteil
der Aktien verpfändet sind.
SPRECHERIN: SCHMID HÄLT AN GELLERT ALS TREUHÄNDER FEST
Langfristig hält Schmid nach Angaben einer Sprecherin
allerdings an dem Vorhaben fest, seine Aktien von Gellert
verwalten zu lassen, dem er größere Erfahrungen bei
Unternehmenssanierungen beimisst. Wenn eine Einigung darüber mit
den Banken nicht zu erzielen sei, werde Schmid dies vermutlich
gerichtlich prüfen lassen, sagte die Sprecherin.
Die Mobilcom-Aktionäre sollen auf ihrer Hauptversammlung am
Montag in Hamburg neben der weitgehenden Entschuldung ihres
Unternehmens die vom Registergericht bereits eingesetzten
Aufsichtsräte Gerhard Picot, Joachim Dreyer und Ulf Gänger
bestätigen. Der wie Gänger nicht zum Schmid-Lager zählende
ehemalige Deutschlandchef von ABB, Horst Dietz, könnte den zum
Monatsende aus dem Aufsichtsrat ausscheidenden Carsten Meyer
Anfang Februar ersetzen. Mit Gänger, Dietz und Thoma erwartet
Ex-Thyssen-Chef Dieter Vogel die Mehrheit der Arbeitgeberbank im
Aufsichtsrat, um sich im vierten Anlauf zum Vorsitzenden wählen
zu lassen.
Die Aktie der im Nemax50 gelisteten Mobilcom AG notierte am
Nachmittag mehr als drei Prozent im Minus bei 3,08 Euro.
jcs/pag
- Von Jan Christoph Schwartz -
Hamburg, 22. Jan (Reuters) - Der Mobilfunkanbieter MobilCom
[MOB.GER] geht nach Angaben eines Sprechers nicht davon aus,
dass er sein UMTS-Netz einschließlich der dazu gehörenden Lizenz
bis Jahresende verkaufen kann.
Zugleich gab das Büdelsdorfer Unternehmen am Mittwoch
bekannt, dass die Banken dem Treuhänder Helmut Thoma 42,42
Prozent der Mobilcom-Stimmrechte aus dem Besitz von
Firmengründer Gerhard Schmid übertragen haben. Zusammen mit den
28,5 Prozent im Besitz von France Telecom gibt es damit
auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Montag eine
Mehrheit für den milliardenschweren Plan zur Mobilcom-Rettung.
"Wir hoffen zwar weiter auf einen reichen Scheich aus Dubai,
aber realistisch ist das nicht", sagte Mobilcom-Sprecher Wilhelm
Fuchs. Mobilcom halte an der vor zweieinhalb Jahren zusammen mit
France Telecom für 8,4 Milliarden Euro ersteigerten UMTS-Lizenz
vorerst fest. Wenn bis zum Jahresende aber kein Investor
auftrete, werde Mobilcom die Lizenz an die Regulierungsbehörde
zurückgeben müssen, sagte Fuchs.
MOBILCOM: UMTS-NETZ WÜRDE 16 PROZENT ABDECKEN
Die Lizenzbedingungen schreiben vor, dass die Lizenznehmer
mit ihrem UMTS-Netz bis Jahresende eine Reichweite von 25
Prozent der Bevölkerung erreicht haben müssen. Mobilcom würde
mit seinem Netz nach Angaben des Sprechers zurzeit 16 Prozent
der Bevölkerung erreichen. Ein Ausbau bis auf die geforderte
Reichweite scheint aber nahezu ausgeschlossen, denn im
Zusammenhang mit der Entschuldung des Unternehmens durch France
Telecom wurde ein Einfrieren der UMTS-Aktivitäten vereinbart.
Mobilcom hatte die Abschreibungen auf sein UMTS-Vermögen
kürzlich auf 9,9 Milliarden Euro beziffert. Im Gegenzug war in
der Bilanz ein Ausgleichsanspruch gegenüber France Telecom von
7,1 Milliarden Euro aktiviert worden.
Der französische Konzern hatte im Rahmen der
Mobilcom-Rettung zugesagt, insgesamt sieben Milliarden Euro
Schulden von seinem einstigen Partner zu übernehmen. Im Falle
eines Verkaufs seines UMTS-Netzes muss Mobilcom 90 Prozent
dieser Erlöse an die Franzosen abführen.
Mobilcom bemüht sich Fuchs zufolge seit längerem Zeit um den
Verkauf seines Netzes. Mit mehreren Konkurrenten würden darüber
Gespräche geführt, darunter auch mit dem zum niederländischen
Telefonkonzern KPN gehörenden Betreiber E-Plus. Zum
Stand der Gespräche machte Fuchs keine Angaben. Die vier
verbliebenen UMTS-Lizenzinhaber in Deutschland sind die Deutsche
Telekom [DTE.GER] , Vodafone D2 , O2 und E-Plus.
Quam hält wie Mobilcom an seiner Lizenz fest,
hat den Netzaufbau aber ebenfalls eingestellt.
ZUSTIMMUNG DER AKTIONÄRE SO GUT WIE SICHER
Unterdessen erscheint eine Billigung des milliardenschweren
Sanierungsplans für Mobilcom durch die Aktionäre auf der
Hauptversammlung am Montag so gut wie sicher. Firmengründer
Gerhard Schmid erklärte am Mittwoch zudem, er werde Treuhänder
Thoma nicht mittels einer einstweiligen Verfügung an der
Ausübung der Stimmrechte seiner Aktien hindern. Der Großaktionär
hatte dem bis dahin von allen Beteiligten an der
Mobilcom-Rettung akzeptierten früheren RTL-Chef Thoma vor kurzem
als Treuhänder gekündigt und den Hamburger Sanierungsexperten
Otto Gellert zum Verwalter seines Aktienpakets ernannt. Dem
folgten die Depotbanken allerdings nicht, bei denen ein Großteil
der Aktien verpfändet sind.
SPRECHERIN: SCHMID HÄLT AN GELLERT ALS TREUHÄNDER FEST
Langfristig hält Schmid nach Angaben einer Sprecherin
allerdings an dem Vorhaben fest, seine Aktien von Gellert
verwalten zu lassen, dem er größere Erfahrungen bei
Unternehmenssanierungen beimisst. Wenn eine Einigung darüber mit
den Banken nicht zu erzielen sei, werde Schmid dies vermutlich
gerichtlich prüfen lassen, sagte die Sprecherin.
Die Mobilcom-Aktionäre sollen auf ihrer Hauptversammlung am
Montag in Hamburg neben der weitgehenden Entschuldung ihres
Unternehmens die vom Registergericht bereits eingesetzten
Aufsichtsräte Gerhard Picot, Joachim Dreyer und Ulf Gänger
bestätigen. Der wie Gänger nicht zum Schmid-Lager zählende
ehemalige Deutschlandchef von ABB, Horst Dietz, könnte den zum
Monatsende aus dem Aufsichtsrat ausscheidenden Carsten Meyer
Anfang Februar ersetzen. Mit Gänger, Dietz und Thoma erwartet
Ex-Thyssen-Chef Dieter Vogel die Mehrheit der Arbeitgeberbank im
Aufsichtsrat, um sich im vierten Anlauf zum Vorsitzenden wählen
zu lassen.
Die Aktie der im Nemax50 gelisteten Mobilcom AG notierte am
Nachmittag mehr als drei Prozent im Minus bei 3,08 Euro.
jcs/pag