Aus der FTD vom 18.7.2002
Kai-Uwe Ricke und Karl-Gerhard Eick: Die Hoffnungsträger der Telekom
Von Andreas Krosta
Die Notlösung an der Spitze der Deutschen Telekom rückt Kai-Uwe Ricke und Karl-Gerhard Eick ins Rampenlicht. Sie sind die wichtigsten Vorstände im Konzern. Von einer Schwäche der neuen Doppelspitze würden sie profitieren.
Es sind zwei Topmanager, die gestärkt aus der Führungskrise der Deutschen Telekom hervorgehen. Faktisch könnten Kai-Uwe Ricke und Karl-Gerhard Eick nun die Macht im Vorstand des größten europäischen Telefonkonzerns übernehmen, heißt es im Umfeld des Vorstands. Die vermeintliche Schwäche der neuen Führungsspitze mit Helmut Sihler und Gerd Tenzer helfe ihnen dabei.
Kai-Uwe Ricke ist für die wichtigsten Zukunftssparten der Telekom zuständig, den Mobilfunk und das Internetgeschäft. Mit 41 Jahren gehört er zu den jungen Männern im Vorstand. Er half, die Telekom zu internationalisieren und verhandelte mit Ron Sommer die Übernahme der US-Mobilfunkunternehmens Voicestream und Powertel. Er kümmert sich auch um die Integration der jungen US-Tochter, die stark wächst, aber kleiner ist als die Konkurrenten in den USA.
Familientradition
Deshalb spricht Ricke mit Konkurrenten wie AT&T, Cingular oder Verizon über eine Fusion mit Voicestream. Sollte ihm dies gelingen, würde sein ohnehin hohes Ansehen nochmals steigen. Denn dann hätte er das größte Problem der Telekom gelöst. "Ricke ist nach dem Vorstandschef der wirtschaftlich wichtigste Mann der Telekom", sagt Analyst Frank Rothauge von Sal. Oppenheim.
Kai-Uwe Ricke setzt eine Familientradition fort. Sein Vater Helmut Ricke war der Vorstandschef der Telekom vor Ron Sommer. Der Sohn gilt als Fleißbolzen: "Ich versuche das, was ich gerade tue, so gut zu machen, wie ich kann", sagt er und blickt dabei so treuherzig, dass man geneigt ist, ihm die Untertreibung abzunehmen. Es ist paradox und zugleich ein Strategiewechsel: Der Mann, der Voicestream einkaufte, muss das Unternehmen nun auf eine sanfte Art wieder loswerden. Damals forderten Analysten und Investoren von Telekom-Chef Ron Sommer lautstark, dem Konzern schnell ein Standbein in den USA zu schaffen. Nun fordern die gleichen Analysten den Rückzug. Ricke macht’s und wird nachher immer gefeiert.
Schuldenabbau
Ohne den 1954 geborenen Karl-Gerhard Eick wird Ricke bei seiner Mission keinen Erfolg haben. Eick ist der Mann für die reine Betriebswirtschaft. Er kann stundenlang über Abschreibungen und die Auswirkungen von Aktienoptionsplänen auf die Bilanz parlieren. Eick ist der Mann, der ein anderes großes Problem der Telekom lösen muss: den Schuldenabbau.
Rund 67 Mrd. Euro sind es derzeit. Bis Ende 2003 will Eick die Schulden auf 50 Mrd. Euro reduzieren. Vermutlich hat der Vorstand bei seiner letzten Sitzung mit Sommer am Montag beschlossen, schneller Verbindlichkeiten abzutragen als bisher geplant.
Eick ist als Finanzvorstand auch für den Börsenkurs der Telekom zuständig. Er wirbt bei Anlegern, Investoren und Banken um Vertrauen. Fällt der Kurs, steigt er ins Flugzeug und versucht bei Rundreisen Scherben zu kitten - er ist auch der Chef der Abteilung für die Pflege der Beziehungen mit den Anlegern.
Der Finanzvorstand ist so überzeugt von der Bedeutung der T-Aktie für die Anlegerkultur wie Sommer: "Vom Börsengang der Deutschen Telekom 1996 sind wichtige Impulse für die Verbesserung der Aktienkultur und den Finanzplatz Deutschland ausgegangen", sagt er gern. Ein Manager der Telekom sagt über ihn: "Eick wäre derzeit eine sehr gute Besetzung an der Spitze."
© 2002 Financial Times Deutschland