- Neuer Markt -
Vielen Firmen droht der Ausschluss

Am "Neuen Markt" - der Börse für Wachstumswerte - gelten seit dem 1. Oktober 2001 verschärfte Regelungen. Aktiengesellschaften, deren Kurs an 30 aufeinander folgenden Börsentagen unter 1 Euro liegt und deren Börsenkapitalisierung gleichzeitig weniger als 20 Millionen Euro beträgt, werden von Handel am Neuen Markt ausgeschlossen. Vielen der so genannten Pennystocks droht der Rausschmiss.
Allerdings nur dann, wenn es den Unternehmen innerhalb von 90 Handelstagen nicht gelingt, den Kurs oder die Börsenkapitalisierung für mindestens 15 Tage über die Grenzwerte zu stemmen. Dann fliegen sie einen Monat später endgültig raus. Das heißt frühestens am 1.2.2002 könnten die ersten Aktiengesellschaften tatsächlich den Markt verlassen müssen. Wesentlich schneller verfährt die Deutsche Börse mit Unternehmen, bei denen ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Sie müssen bereits einen Monat später gehen.
Aktionärsschützer begrüßen die Regelungen, viele Unternehmen sind aus verständlichen Gründen weniger begeistert. Einige von ihnen haben gegen das Vorgehen der Deutschen Börse geklagt, zum Beispiel die Foris AG. Ein Unternehmen, das von der Vorfinanzierung von Gerichtsprozessen lebt. Seine Anwälte konnten zumindest einen Teilerfolg erzielen. Für Foris treten die neuen "Penny Stock Regeln" nun erst in sechs Monaten in Kraft. Wie auch für rund ein halbes Dutzend weiterer Firmen, die ebenfalls vor Gericht gezogen sind.
Warum der Aufschub nicht gleich für alle Unternehmen gilt, ist für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, unverständlich, denn so gibt es unterschiedliche. Fristen in einem Marktsegment. Für den Anleger ist es damit noch unübersichtlicher. Zumal die Situation sich weiter zuspitzt: Bereits jedes dritte Unternehmen am Neuen Markt ist von einem der beiden Penny Stock-Kriterien betroffen. Für jedes Achte sind sogar beide Kriterien erfüllt. Wenn es so bleibt, werden von den rund 350 Unternehmen am Neuen Markt im kommenden Jahr mehr als 40 Firmen nicht mehr notiert.
Um diesem Rausschmiss zuvor zu kommen, wechseln einige Firmen bereits jetzt freiwillig in den Geregelten Markt. Dort sind allerdings die Anforderungen an die Unternehmen wesentlich niedriger als am Neuen Markt, so dass der Anleger noch weniger Einblick hat. Immerhin bietet der Wechsel in den Geregelten Markt den Aktionären die Möglichkeit, dass ihre Aktie weiter gehandelt wird und damit auch verkauft werden kann. Fliegt ein Unternehmen vom Neuen Markt ohne danach weiter gehandelt zu werden, bedeutet das für den Anleger fast immer einen Totalverlust. Daher werden finanziell gesunde Unternehmen, die sich lediglich dem negativen Image des Neuen Marktes entziehen wollen, vermutlich in den Geregelten Markt wechseln.