Neue Unsicherheit über die Konjunktur


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Neue Unsicherheit über die Konjunktur

 
13.09.01 11:20
Aus der FTD vom 13.9.2001  
Euro-Indikator: Neue Unsicherheit über die Konjunktur
Von Hubert Beyerle, Berlin

Die möglichen Folgen des Terrorangriffs auf New York und Washington drohen auch die Euro-Konjunktur zu beeinträchtigen. Die konjunkturellen Aussichten seien "unsicherer geworden", sagte Gustav Adolf Horn vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Nach Ansicht von Philippe Sigogne vom Pariser OFCE wird sich die erhoffte Konjunkturwende jetzt herauszögern.


 

Talsohle erreicht?


Die Institute OFCE und DIW gehören zu den acht europäischen Instituten, die regelmäßig für die Zeitungen der Financial-Times-Gruppe den Euro-Indikator ermitteln. Nach der aktuellen Berechnung, die ursprünglich am Mittwoch veröffentlicht werden sollte, dürfte sich das Wirtschaftwachstum im Euro-Raum zum Jahresende stabilisieren. Im vierten Quartal 2001 werde das Bruttoinlandsprodukt - ebenso wie im dritten Quartal - um 1,6 Prozent zulegen, so ergab die September-Auswertung des Indikators.

Allerdings sind die Ergebnisse von konjunkturellen Frühindikatoren wie dem Euro-Indikator bei plötzlichen politischen Schocks mit Vorsicht zu interpretieren. Die Financial Times Deutschland hatte darum am Dienstag - ebenso wie die Financial Times und Les Echos - beschlossen, die Veröffentlichung zu verschieben.


Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), ebenfalls an der Berechnung des Euro-Indikators beteiligt, hat sich "darauf geeinigt, sich zu den konjunkturellen Folgen der Katastrophe in den USA nicht zu äußern". Die Ökonomen beschlossen zugleich, an der für Donnerstag geplanten Veröffentlichung ihrer neuen Konjunkturprognose bis 2002 festzuhalten.


Die erwartete Stabilisierung im vierten Quartal, wie sie sich aus dem Euro-Indikator ergibt, begründete Stefania Tomasini vom italienischen Institut Prometeia hauptsächlich mit externen Faktoren. Allerdings gebe es auch aus dem Euro-Raum positive Zeichen, sagte OFCE-Konjunkturchef Sigogne. Anders als die USA habe Europa nicht mit dem Problem einer überhöhten privaten Verschuldung oder mit hohen Überinvestitionen aus der Vergangenheit zu leben.


Hoffen ließ zuletzt vor allem die Besserung beim US-amerikanischen Einkaufsmanagerindex NAPM, der in die Berechnung des Euro-Indikators einfließt. Der NAPM war im August nach oben gesprungen und lag wieder deutlich über seinem Tiefstand vom Januar 2001. Sein Wachstumsbeitrag zum Euro-Wachstum bleibe zwar bis ins vierte Quartal hinein negativ, aber mit abnehmender Stärke, sagte Tomasini.


Die Institutsökonomen räumten ein, dass das Wirtschaftsvertrauen in den USA nach dem Terroranschlag vom Dienstag zur großen Unbekannten geworden sei. Vieles hänge jetzt außerdem davon ab, so Gustav Adolf Horn, dass die Politik die richtigen Maßnahmen treffe. "Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, könnten einige Länder, die am Rande der Rezession stehen, in die Rezession geraten."


Auch wenn es jetzt kurzfristig zu Hamsterkäufen komme, wie beim Benzin, so Horn, könnte es später doch zu einer höheren Ersparnis kommen. Das kann der Fall sein, sollte das Verbrauchervertrauen dauerhaft Schaden nehmen. Eine rationale Erklärung gäbe es dafür nicht. Dennoch stünden dann der US-Konjunktur schwierige Zeiten bevor. Derzeit hängt die US-Konjunktur noch am Konsum, da die Investitionen seit rund einem Jahr drastisch zurückgehen.



Rohstoffmärkte wichtig für Stabilisierung


Als Voraussetzung für eine Stabilisierung der Euro-Konjunktur erweist sich auch die Entwicklung an den Rohstoffmärkten. Ökonom Horn äußerte sich zuversichtlich, dass der Ölpreis trotz der US-Krise unter Kontrolle bleibe. Im Gegensatz zu den großen Ölkrisen der Vergangenheit hätten die Opec-Staaten dieses Mal kein Interesse an einem Preisanstieg.


Offizielle Angaben des Statistikamtes Eurostat zum Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone gibt es bislang nur bis zum ersten Quartal 2001. Damals hatte das Wachstum bei 2,5 Prozent gelegen. Am Donnerstag veröffentlicht Eurostat Zahlen für das zweite Quartal. Der Euroframe-Indikator gibt für das zweite Quartal ein Wachstum von 2,0 Prozent zum Vorjahr an.


Auch die internen Faktoren deuteten auf eine Erholung hin, sagte Philipe Sigogne vom Pariser Institut OFCE. Die zurückgehende Inflation erhöht die reale Kaufkraft der Verbraucher und könnte sich daher positiv auf den Konsum auswirken.


Nach den Zahlen würde die Euro-Konjunktur derzeit ihren Tiefpunkt durchlaufen. Gegenüber Vorquartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal wieder um mehr als einen halben Prozentpunkt zulegen. Für das laufende dritte Quartal ergibt der Indikator ein Plus von weniger als einem Viertelprozent.


Die Konjunktur in der Euro-Zone steht vor der Stabilierung. Nach der aktuellen Auswertung des Euroframe-Wachtumsindikators wird das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone im vierten Quartal bei 1,6 Prozent liegen. Damit dürfte der steile Absturz der Euro-Konjunktur zum Stehen kommen. Im Vergleich zum vorangehenden Quartal ergeben die Berechnungen sogar wieder ein Anziehen der Wachstumsrate.


Im dritten Quartal lag das Wachstum in den zwölf Ländern ebenfalls bei 1,6 Prozent. Die acht europäischen Wirtschaftsforschungsinstitute, die den Indikator regelmäßig für die Zeitungen der Financial-Times-Gruppe erstellen, haben damit den Wert der letzten Berechnung um 0,2 Prozentpunte nach oben revidiert.


FTD-Indikator  

1. Quartal 1998  
3,4  


2. Quartal 1998  
2,7  



3. Quartal 1998  
2,7  



4. Quartal 1998  
1,9  



1. Quartal 1999  
2,0  



2. Quartal 1999  
2,4  



3. Quartal 1999  
2,5  



4. Quartal 1999  
3,3  



1. Quartal 2000  
3,7  



2. Quartal 2000  
3,8  



3. Quartal 2000  
3,2  



4. Quartal 2000  
3,0  



1. Quartal 2001  
2,6  



2. Quartal 2001  
2,0  



3. Quartal 2001  
1,6  



4. Quartal 2001  
1,6  





zum Vorjahr in Prozent  






Europäischer Frühindikator für das Wirtschaftswachstum


Der FTD-Eurowachstums-Indikator* wird seit März 2000 monatlich von EUROFRAME, einer Gruppe von acht Wirtschaftsforschungsinstituten aus sieben europäischen Ländern, berechnet und von der Financial Times Deutschland, der Financial Times (London) und Les Echos (Paris) veröffentlicht. Vorrangiges Ziel des Indikators ist es, die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in der Euro-Zone jeweils etwa zwei Quartale früher zu erkennen, als es anhand der offiziellen Statistiken von Eurostat über das Wirtschaftswachstum möglich ist. In die Berechnung des Indikators fließen eine Reihe konjunktureller Einzelindikatoren ein: die Umfrageergebnisse bei Industrie, Bauwirtschaft und Einzelhandel in der Euro-Zone, die kurzfristigen Realzinsen (in Relation zum längerfristigen Trend des Wirtschaftswachstums), der Euro-Wechselkurs zum Dollar, die Preise von Öl und anderen Rohstoffen und der Einkaufsmanager-Index in den USA. Einer vor kurzem erschienenen Studie der Credit Suisse First Boston zufolge gehört der FTD-Indikator mittlerweile zu den zuverlässigsten Frühindikatoren für die Euro-Zone.





*Berechnet vom Observatoire Francais des Conjonctures Economiques (OFCE, Paris) in Zusammenarbeit mit der Gruppe europäischer Wirtschaftsforschungsinstitute. Dazu gehören neben dem OFCE: CPB (den Haag), Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW, Berlin), ETLA (Helsinki), Institut für Weltwirtschaft (Kiel), National Institute für Economic and Social Research (NIESR, London), PROMETEIA (Bologna), Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo, Wien).

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