Wer jetzt investiert, sollte im Jahresverlauf Geld verdienen"
(Das ist ein Auszug .)
Nach einem positiven Start ins neue Jahr sind die deutschen Aktien zunächst ins Stocken geraten und haben in den letzten Handelstagen den Rückwärtsgang eingeschaltet. Offenbar gehen einige Marktteilnehmer auf Nummer Sicher und schließen Positionen. Die Fachleute sind sich angesichts gemischter Signale aus der Wirtschaft nach wie vor uneins über die Aussichten für DAX und Co. Stock-World hat Chrsitoph Niesel, Fondsmanager des DIT Deutschland Aktien AF(WKN:
847628) nach seiner Meinung befragt.
Stock-World: Herr Niesel, der DIT Aktien Deutschland AF hat in den vergangenen drei Jahren jeweils die Benchmark outperformt. Dabei hat sich das Marktumfeld in dieser Zeit stark verändert, mal waren Growth, mal Value-Aktien die Favoriten. Wie haben Sie in beiden Marktphasen die Outperformance erreicht?
Christoph Niesel: Der DIT Deutschland Aktien AF, (AF steht für ausgabeaufschlagfrei) ist wie auch die anderen AF-Fonds des DIT kein Style-Produkt. Das heißt, das Fondsmanagement ist nicht auf eine Growth- oder Value-Strategie festgelegt, und kann dadurch flexibel auf Marktbewegungen reagieren.
Stock-World: Wie funktioniert das in der Praxis?
Christoph Niesel: Wir beobachten genau die Entwicklung der verschiedenen Marktsegmente und reagieren zügig, wenn ein Wechsel bei den Favoriten stattfindet. Auf diese Weise konnten wir beispielsweise im Jahr 2000 rechtzeitig von Growth auf Value umschalten.
Stock-World: Agieren Sie völlig frei und losgelöst von der Benchmark?
Christoph Niesel: Nein, aber der Tracking Error (Risikoabweichung von der Benchmark) ist mit maximal 8,0 Prozent vergleichsweise groß. Generell hat ein Fonds, der eng an der Benchmark orientiert ist, eine Abweichung von etwa 2,0 Prozent, ein offensiver Fonds 5,0 Prozent. Wir nutzen die acht Prozent aber nicht ständig aus. Dennoch gehen wir in dem Fonds bewusst Wetten ein, um auf diese Weise dauerhaft eine Outperformance zu erzielen.
Stock-World: Wenn Sie weder einen Growth oder Value-Style verfolgen, welches sind Ihre Kriterien bei der Titelauswahl des Fonds?
Christoph Niesel: Wir arbeiten nach dem Bottom-Up-Prinzip und gehen von den Fundamentaldaten des Unternehmens aus. Wir sehen uns die unternehmensspezifische Situation, wie Managementqualitäten und Gewinnsituation an, sowie die Bewertung des Titels im Vergleich zu Wettbewerbern.
Stock-World: Worauf achten Sie dabei besonders?
Christoph Niesel: Gegenwärtig ist von besonderem Interesse, wie sich das Management im schwierigen Umfeld der letzten Monate bewährt hat. Des weiteren schauen wir auf das Gewinn-Momentum und sehen uns anschließend auch noch die Lage der Branche an, in der das betreffende Unternehmen tätig ist. Zeigt die jeweilige Aktie dann auch noch eine relativ bessere Performance als der Gesamtmarkt wird sie gekauft. Entsprechend wird die Aktie verkauft, wenn sich die o.g. Rahmenbedingungen ändern.
Stock-World: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Aussichten des Gesamtmarktes interessieren Sie nicht?
Christoph Niesel: Selbstverständlich ist das generelle Makrobild von Interesse, da es letztendlich den Ausschlag darüber gibt welche Branchen und Unternehmen favorisiert werden.
Stock-World: Und wie schätzen Sie die Chancen für den DAX ein?
Christoph Niesel: Die wirtschaftliche Dynamik sollte ausgehend von den USA in den nächsten Monaten zunehmen bei gleichzeitig niedrigen Zinsen. Dazu kommt, dass nach zwei Minusjahren die statistische Wahrscheinlichkeit für ein positives Jahr hoch ist. Betrachtet man fundamentale Daten wie Gewinnentwicklung und Bewertung, halten wir einen DAX-Stand von etwa 5.800 Punkten auf Jahressicht für fair und erreichbar.
Stock-World: Und was würden Sie Anlegern aus Timing-Aspekten raten? Ist ein Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt günstig?
Christoph Niesel: Jeder möchte natürlich gerne zu Tiefstkursen einsteigen, aber in der Realität ist das so gut wie unmöglich. Ich denke, es ist ein guter Zeitpunkt für ein Investment. Wer jetzt sein Geld in deutsche Aktien oder in einen Investmentfonds mit Anlageschwerpunkt deutsche Aktien investiert, sollte im Jahresverlauf Geld verdienen. Ich persönlich glaube, es wird auch kurzfristig nach dem positiven Jahresstart noch einen weiteren Schub geben. Anleger sollten aber auch einen kleinen Rückschlag nicht ausschließen. Deshalb bietet sich ein Kauf in zwei Stufen an. Dann kann man im Falle einer vorübergehenden Kursschwäche nachkaufen.
Stock-World: Welche Einzeltitel und Branchen favorisieren Sie?
Christoph Niesel: Das Portfolio ist seit einigen Monaten offensiv ausgerichtet und wir bleiben auch noch dabei. Wir haben beispielsweise Infineon [ Kurs/Chart ] und SAP [ Kurs/Chart ] übergewichtet.
Stock-World: SAP wird immer wieder als zu teuer kritisiert.
Christoph Niesel: Sicher ist das Papier vergleichsweise teuer, aber SAP hat auch eine einzigartige Position. SAP ist der dominante Marktplayer im Bereich Unternehmenssoftware und erzielt im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche gute Profitmargen bei überdurchschnittlichem Wachstum.
Stock-World: Bei Infineon erscheint die Bewertung angesichts hoher Verluste noch überzogener.
Christoph Niesel: Infineon ist auch ein sehr zyklisches Unternehmen und daher nicht unbedingt empfehlenswert für konservative Aktionäre, die ein Papier kaufen und längere Zeit liegen lassen wollen. Das Momentum bei Infineon ist vor dem Hintergrund der zur Zeit zu beobachtenden steigenden Preise für DRAM-Chips wieder positiv. Fundamental betrachtet ist das Papier zwar teuer, angesichts der Technologieführerschaft aber auch nachvollziehbar. Infineon ist im Vergleich zu den Konkurrenten in den USA attraktiv bewertet.
Stock-World: Welche DAX-Titel haben sonst noch Potenzial?
Christoph Niesel: Bei den Banken sehen wir Chancen, wobei HypoVereinsbank [ Kurs/Chart ] attraktiv erscheint. Auch die Deutsche Telekom [ Kurs/Chart ] hat Aufwärtspotenzial. Der Einfluss der negativen Nachrichten auf den Kurs der T-Aktie war übertrieben. Autowerte haben wir dagegen untergewichtet. In den letzten Monaten sind die Aktien gut gelaufen und jetzt nicht mehr billig. Da in den Vereinigten Staaten die Programme zur Stimulation des Autoabsatzes auslaufen, sind demnächst schlechtere Zahlen zu erwarten.
Stock-World: Der DIT Deutschland Aktien AF ist auch für Spezialwerte offen. Können Sie uns einige Beispiele nennen?
Christoph Niesel: Derzeit sind rund 12 Prozent des Fondsvermögens in Titeln aus MDAX, SDAX und Neuem Markt investiert. Hugo Boss [ Kurs/Chart ] ist einer der Vertreter aus dem MDAX. Hier überzeugen die Weltmarke BOSS und das zweistellige Umsatz- und Gewinnwachstum.
© 15.01.2002 www.stock-world.de