Nemax-Schlussbericht: Schwarzer Donnerstag
Von Heino Reents und Andreas Albert, Hamburg Die Indizes am
Neuen
Markt
sind am Donnerstag unter der 1000-Punkte-Marke aus dem Handel gegangen. Viele Werte markierten im Handelsverlauf neue Tiefstände, darunter Intershop und T-Online.
Der Nemax 50 schloss mit einem Abschlag von 4,71 Prozent bei 945 Punkten. Bei 928 Zählern erreichte er den tiefsten Stand seiner Geschichte. Nicht viel besser erging es dem alle Werte umfassenden Nemax All Share: Er verlor 3,91 Prozent auf 988 Punkte. Er sah sein Allzeittief bei 976 Zählern. "Der Kursrutsch ist wohl erst beendet, wenn die Aktien unter dem eigenen Buchwert notieren", sagte ein Händler in Frankfurt. Die Geduld vieler Börsianer mit ihren Aktien sei erschöpft. Vereinzelt würden die Kunden sagen: "Verkaufen, ich kann das Zeug nicht mehr sehen".
"Am Markt geht vor dem Intel-Ausblick die Angst um", sagte ein Händler. Panikverkäufe blieben jedoch aus. Es seien überwiegend private und kurzfristig orientierte Anleger am Markt aktiv. Die von einigen Analysten und Aktienstrategen prognostizierte Herbst-Rally am Neuen Markt halten Aktienhändler verschiedener Banken nach den Erfahrungen der vergangenen Tage für wenig wahrscheinlich. "Das dritte Quartal wird weder in den USA noch in Deutschland gut", sagte ein Frankfurter Händler.
Motorola belastet Technologietitel
Im Mittelpunkt standen die negativen Vorgaben der US-Börsen. Am Nachmittag hatte der Handyhersteller Motorola eine Umsatzwarnung ausgegeben. Nach US-Börsenschluss wird der weltgrößte Chip-Hersteller Intel den bisherigen Verlauf des dritten Quartals kommentieren und einen Ausblick geben. "Das wird den Markt bewegen. Intel steht stellvertretend für die weltweite Chip-Branche", sagte ein Händler. Am Morgen hatte noch die bekräftigte Umsatz- und Ergebnisprognose des weltweit größten Softwareherstellers Microsoft die Kurse am Neuen Markt kurzzeitig beflügelt.
Intershop markieren Allzeittief
Intershop
haben am Donnerstag ihr bisheriges Allzeittief bei 1,83 Euro deutlich unterschritten. Die Aktien des E-Commerce-Software-Programmierers verloren 13,11 Prozent auf 1,59 Euro. "Die meisten Analysten haben keine gute Meinung von der gesamten Branche", sagte ein Händler in Frankfurt. Die Web-Software-Aktien seien "Papiere, die man nicht haben muss". "Intershop ist auch nur noch ein Spielball der privaten und der spekulativ orientierten Anleger", sagte ein Börsianer. Die meisten institutionellen Investoren hätten sich mittlerweile enttäuscht aus dem Wert zurückgezogen.
Online-Broker leichter
Die Online-Bank
Comdirect
steht vor einer entscheidenden Änderung ihres Geschäftsmodells. Die bislang nur im Internet vertretene Bank wolle nun mobile Berater einsetzen, um eine breite Palette von Finanzprodukten zu verkaufen, sagte Comdirect-Vorstand Bernt Weber der Financial Times Deutschland. Die Aktie drehte nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und schloss bei 5,85 Euro (minus 1,52 Prozent). Die Konkurrenten mussten ebenfalls Abschläge hinnehmen.
DAB
verbilligten sich 5,14 Prozent auf 12 Euro,
Consors
fielen 3,38 Prozent auf 11,99 Euro.
Der Chiphändler
CE Consumer Electronic
ordnet seine Führungsspitze neu und sucht die Partnerschaft mit Konkurrent
ACG.
Der frühere ACG-Chef Peter Bohn soll Anfang 2002 in den Vorstand von CE Consumer eintreten und später Vorstandschef werden, sagte CE-Gründer Erich Lejeune am Donnerstag. Er wolle die Chance nutzen und mit ACG über eine Zusammenarbeit diskutieren. Eine Fusion sei derzeit aber nicht geplant. CE Consumer gaben 2,26 Prozent auf 5,63 Euro nach, ACG verschlechterten sich ein Prozent auf 4,95 Euro.
T-Online auf Jahrestief
Die Aktien von
T-Online
sackten im Handelsverlauf bei 6,51 Euro auf ein Allzeittief. Das Papier ging mit einem Minus von 5,76 Prozent bei 6,71 Euro aus dem Handel. Das Bundeskartellamt hat angekündigt, das im August gestartete Internetportal der Telekom-Tochter und dem ZDF zu prüfen. Nachrichten gab es zudem vom T-Online-Konkurrenten AOL, der in Deutschland jede zwölfte Stelle streichen will.
SAP SI leidet unter Konzernmutter
Die deutlichen Verluste der Aktien des Dresdner IT-Beratungshauses
SAP Systems Integration
am Donnerstag haben Experten auf die schlechte Kursentwicklung der Walldorfer Mutter
SAP
zurückgeführt. "Fundamental sehe ich keinerlei Grund für die Kursverluste bei SAP SI, der Rückgang steht sicherlich im Zusammenhang mit den Verlusten bei SAP", sagte Friederike Herkommer, Analystin bei der HypoVereinsbank. "Die Aktie ist seit dem Vortag durch eine größere Verkaufsorder unter Druck geraten", sagte ein Händler. SAP SI lagen unter dem Ausgabekurs von 19 Euro und schlossen bei 17,50 Euro (minus 8,18 Prozent).
Mobilcom
verbilligten sich um 2,34 Prozent auf 18,75 Euro. Am Morgen hatte die Aktie noch ein Plus notiert. "Beweisen kann man zwar nichts, aber es gehen Gerüchte um, das Mobilcom-Management würde Aktien zurückkaufen", sagte ein Händler. Damit wolle das Unternehmen seine Aktien für mögliche Übernahmen verteuern. Ein Mobilcom-Sprecher dementierte die Händlergerüchte: "Wir kaufen keine eigenen Aktien zurück und dürften dies auch gar nicht."
Gegen den Trend
Update.com
Software mussten zwar einen Teil ihrer Gewinne wieder abgeben, schlossen aber mit einem Aufschlag von 14,05 Prozent auf 1,38 Euro. Die Aktie hatte zeitweise mehr als 30 Prozent zugelegt. Das österreichische Softwareunternehmen hatte am Vortag gemeldet, mit der luxemburgischen WestLB einen Kunden gefunden zu haben.
Gegen den Trend konnten auch die Anteilsscheine von Constantin Film
um 2,03 Prozent auf 10,55 Euro zulegen. Das Münchener Medienunternehmen wird nach eigenen Angaben künftig beim Verleih von Kinofilmen mit RTL Television zusammenarbeiten. Der Constantin Film Verleih werde ab 2002 exklusiv den Kinovertrieb aller Spielfilme für Deutschland und Österreich übernehmen, an denen RTL die Kinorechte halte.
Von Heino Reents und Andreas Albert, Hamburg Die Indizes am
Neuen
Markt
sind am Donnerstag unter der 1000-Punkte-Marke aus dem Handel gegangen. Viele Werte markierten im Handelsverlauf neue Tiefstände, darunter Intershop und T-Online.
Der Nemax 50 schloss mit einem Abschlag von 4,71 Prozent bei 945 Punkten. Bei 928 Zählern erreichte er den tiefsten Stand seiner Geschichte. Nicht viel besser erging es dem alle Werte umfassenden Nemax All Share: Er verlor 3,91 Prozent auf 988 Punkte. Er sah sein Allzeittief bei 976 Zählern. "Der Kursrutsch ist wohl erst beendet, wenn die Aktien unter dem eigenen Buchwert notieren", sagte ein Händler in Frankfurt. Die Geduld vieler Börsianer mit ihren Aktien sei erschöpft. Vereinzelt würden die Kunden sagen: "Verkaufen, ich kann das Zeug nicht mehr sehen".
"Am Markt geht vor dem Intel-Ausblick die Angst um", sagte ein Händler. Panikverkäufe blieben jedoch aus. Es seien überwiegend private und kurzfristig orientierte Anleger am Markt aktiv. Die von einigen Analysten und Aktienstrategen prognostizierte Herbst-Rally am Neuen Markt halten Aktienhändler verschiedener Banken nach den Erfahrungen der vergangenen Tage für wenig wahrscheinlich. "Das dritte Quartal wird weder in den USA noch in Deutschland gut", sagte ein Frankfurter Händler.
Motorola belastet Technologietitel
Im Mittelpunkt standen die negativen Vorgaben der US-Börsen. Am Nachmittag hatte der Handyhersteller Motorola eine Umsatzwarnung ausgegeben. Nach US-Börsenschluss wird der weltgrößte Chip-Hersteller Intel den bisherigen Verlauf des dritten Quartals kommentieren und einen Ausblick geben. "Das wird den Markt bewegen. Intel steht stellvertretend für die weltweite Chip-Branche", sagte ein Händler. Am Morgen hatte noch die bekräftigte Umsatz- und Ergebnisprognose des weltweit größten Softwareherstellers Microsoft die Kurse am Neuen Markt kurzzeitig beflügelt.
Intershop markieren Allzeittief
Intershop
haben am Donnerstag ihr bisheriges Allzeittief bei 1,83 Euro deutlich unterschritten. Die Aktien des E-Commerce-Software-Programmierers verloren 13,11 Prozent auf 1,59 Euro. "Die meisten Analysten haben keine gute Meinung von der gesamten Branche", sagte ein Händler in Frankfurt. Die Web-Software-Aktien seien "Papiere, die man nicht haben muss". "Intershop ist auch nur noch ein Spielball der privaten und der spekulativ orientierten Anleger", sagte ein Börsianer. Die meisten institutionellen Investoren hätten sich mittlerweile enttäuscht aus dem Wert zurückgezogen.
Online-Broker leichter
Die Online-Bank
Comdirect
steht vor einer entscheidenden Änderung ihres Geschäftsmodells. Die bislang nur im Internet vertretene Bank wolle nun mobile Berater einsetzen, um eine breite Palette von Finanzprodukten zu verkaufen, sagte Comdirect-Vorstand Bernt Weber der Financial Times Deutschland. Die Aktie drehte nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und schloss bei 5,85 Euro (minus 1,52 Prozent). Die Konkurrenten mussten ebenfalls Abschläge hinnehmen.
DAB
verbilligten sich 5,14 Prozent auf 12 Euro,
Consors
fielen 3,38 Prozent auf 11,99 Euro.
Der Chiphändler
CE Consumer Electronic
ordnet seine Führungsspitze neu und sucht die Partnerschaft mit Konkurrent
ACG.
Der frühere ACG-Chef Peter Bohn soll Anfang 2002 in den Vorstand von CE Consumer eintreten und später Vorstandschef werden, sagte CE-Gründer Erich Lejeune am Donnerstag. Er wolle die Chance nutzen und mit ACG über eine Zusammenarbeit diskutieren. Eine Fusion sei derzeit aber nicht geplant. CE Consumer gaben 2,26 Prozent auf 5,63 Euro nach, ACG verschlechterten sich ein Prozent auf 4,95 Euro.
T-Online auf Jahrestief
Die Aktien von
T-Online
sackten im Handelsverlauf bei 6,51 Euro auf ein Allzeittief. Das Papier ging mit einem Minus von 5,76 Prozent bei 6,71 Euro aus dem Handel. Das Bundeskartellamt hat angekündigt, das im August gestartete Internetportal der Telekom-Tochter und dem ZDF zu prüfen. Nachrichten gab es zudem vom T-Online-Konkurrenten AOL, der in Deutschland jede zwölfte Stelle streichen will.
SAP SI leidet unter Konzernmutter
Die deutlichen Verluste der Aktien des Dresdner IT-Beratungshauses
SAP Systems Integration
am Donnerstag haben Experten auf die schlechte Kursentwicklung der Walldorfer Mutter
SAP
zurückgeführt. "Fundamental sehe ich keinerlei Grund für die Kursverluste bei SAP SI, der Rückgang steht sicherlich im Zusammenhang mit den Verlusten bei SAP", sagte Friederike Herkommer, Analystin bei der HypoVereinsbank. "Die Aktie ist seit dem Vortag durch eine größere Verkaufsorder unter Druck geraten", sagte ein Händler. SAP SI lagen unter dem Ausgabekurs von 19 Euro und schlossen bei 17,50 Euro (minus 8,18 Prozent).
Mobilcom
verbilligten sich um 2,34 Prozent auf 18,75 Euro. Am Morgen hatte die Aktie noch ein Plus notiert. "Beweisen kann man zwar nichts, aber es gehen Gerüchte um, das Mobilcom-Management würde Aktien zurückkaufen", sagte ein Händler. Damit wolle das Unternehmen seine Aktien für mögliche Übernahmen verteuern. Ein Mobilcom-Sprecher dementierte die Händlergerüchte: "Wir kaufen keine eigenen Aktien zurück und dürften dies auch gar nicht."
Gegen den Trend
Update.com
Software mussten zwar einen Teil ihrer Gewinne wieder abgeben, schlossen aber mit einem Aufschlag von 14,05 Prozent auf 1,38 Euro. Die Aktie hatte zeitweise mehr als 30 Prozent zugelegt. Das österreichische Softwareunternehmen hatte am Vortag gemeldet, mit der luxemburgischen WestLB einen Kunden gefunden zu haben.
Gegen den Trend konnten auch die Anteilsscheine von Constantin Film
um 2,03 Prozent auf 10,55 Euro zulegen. Das Münchener Medienunternehmen wird nach eigenen Angaben künftig beim Verleih von Kinofilmen mit RTL Television zusammenarbeiten. Der Constantin Film Verleih werde ab 2002 exklusiv den Kinovertrieb aller Spielfilme für Deutschland und Österreich übernehmen, an denen RTL die Kinorechte halte.