Du siehst die Dinge klar. Bin deiner Meinung bezüglich A. Maydorn. Erst gestern wurde im Handelsblatt folgendes dargestellt:
Strom ernten auf der Energieinsel
Drehkreuze im Meer sollen die Offshore-Windparks verknüpfen.
Der Ausbau der Offshore-Windkraft in Nord- und Ostsee macht völlig neue technische Konzepte erforderlich. Künstliche Inseln im Meer könnten nach 2030 zu Zentren der Strom- und Wasserstoffproduktion werden.
Bislang wird ein Offshore-Windpark entweder separat per Kabel an das Stromnetz an Land angebunden. Oder der Strom mehrerer Windparks wird auf einer sogenannten Konverterplattform gesammelt und von dort aus zu einem Netzverknüpfungspunkt an Land geleitet.
Doch das lässt sich noch erheblich effizienter gestalten. Die Verknüpfung möglichst vieler Windparks auch über Ländergrenzen hinweg soll das System billiger und zugleich weniger störungsanfällig machen.
Am Ende dieser Entwicklung könnten "North Sea Wind Power Hubs" stehen, wie sie der Übertragungsnetzbetreiber Tennet propagiert. Diese Verteilkreuze im Meer sollen die Konverterstationen ersetzen und weitere Funktionen erfüllen. "Je nach Umfang der Entwicklungen könnten die Windenergie-Verteilkreuze Ausgangspunkt für die Versorgung von mehreren Hundert Millionen Europäern mit umweltfreundlicher Energie sein", schreibt Tennet.
Das niederländische Unternehmen, das auch einen großen Teil des deutschen Stromübertragungsnetzes betreibt, hat ein Konsortium gebildet, das die Idee der Wind Power Hubs vorantreibt. Mit an Bord ist der dänische Strom- und Gasnetzbetreiber Energinet, der niederländische Gasnetzbetreiber Gasunie und der Hafen von Rotterdam.
Ziel des Konsortiums ist es nach eigener Darstellung, "den groß angelegten Ausbau und die Integration von Offshore-Windkraft in küstenfernen Nordseegebieten im großen Maßstab zu geringstmöglichen Kosten für die Gesellschaft" bei gleichzeitig hoher Versorgungssicherheit zu ermöglichen.
Zu den Kernelementen der Idee gehört die Produktion von Wasserstoff aus Offshore-Windkraft. Zunächst könnte der eingesammelte Windstrom an Land genutzt werden, um mittels Elektrolyse grünen Wasserstoff herzustellen. In einer weiteren Ausbaustufe ist die Wasserstoffelektrolyse direkt auf dem Wind Power Hub denkbar. Der Wasserstoff käme dann per Pipeline an Land. Die Wasserstoffelektrolyse wäre immer dann sinnvoll, wenn die Offshore-Windräder mehr Strom produzieren als aktuell gebraucht wird.
Der Wasserstoff würde zum Medium für die Speicherung von Strom aus erneuerbaren Quellen und könnte dadurch den Bedarf an zusätzlichen Stromleitungen an Land reduzieren. Der Wasserstoff könnte bei Bedarf wieder in Strom umgewandelt werden, oder er ließe sich über das existierende Erdgas-Pipelinenetz zu Unternehmen der Stahl- oder Chemiebranche leiten, die dringend grünen Wasserstoff brauchen. Klaus Stratmann
Wasserstoff
Windkraft und Power-to-X
Die ersten Hersteller arbeiten an einem Offshore-Windrad, das gleichzeitig Wasserstoff produzieren kann.
Offshore-Wind gilt als beste Stromquelle für grünen Wasserstoff. Siemens Energy und Siemens Gamesa arbeiten jetzt in einem rund 120 Millionen Euro teuren Projekt, das beides vereint: eine Offshore-Windturbine, die bereits vor Ort im Meer aus dem erzeugten Strom Wasserstoff herstellt und über Pipelines zu den Kunden weiterleiten soll.
Bei dem Projekt mit dem Namen "H2Mare" soll Wasserstoff direkt im Offshore-Windturm mit einem eingebauten Elektrolyseur erzeugt werden. "Wir wollen die Windturbine komplett auf die Wasserstoffproduktion optimieren", sagte Siemens-Gamesa-Chef Andreas Nauen.
Die Turbinen ließen sich viel einfacher gestalten. Sie bräuchten keine Anbindung ans Stromnetz mehr, und Rohre fürs Gas ließen sich in Küstengebieten einfacher verlegen als Kabel, sagen die "H2Mare"-Partner. Bislang machen die Stromleitungen von den Anlagen im Meer zu den Verteilstationen an Land rund ein Viertel der Kosten aus. Je nachdem, wie weit es aufs Meer hinausgeht, können die Anschlusskosten auch schon mal die Hälfte der Gesamtkosten verursachen.
Ein wasserstoffproduzierendes Windrad würde das ändern. Dafür entwickeln die Partner nun eigens eine Wasserstoffturbine. "Wir zielen dabei auf unsere 14-Megawatt-Turbine, die Mitte der 20er-Jahre unsere Brot-und-Butter-Turbine sein soll", so Nauen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren plant Siemens Gamesa dafür 80 Millionen Euro und Siemens Energy 40 Millionen Euro zu investieren. Eigens für das Projekt entwickelt Siemens Energy auch eine neue PEM-Plattform (Polymerelektrolytmembran).
Mit der geplanten Pilotanlage, die Teil einer vom Bundesforschungsministerium geförderten Initiative ist, erhoffen sich die Projektpartner eine Wasserstoffausbeute von 2000 bis 2200 Normkubikmeter in der Stunde je Turbine. Um die Elektrolyseanlage aber überhaupt betreiben zu können, ist destilliertes Wasser erforderlich. Ohne eine hochwertige Entsalzungsanlage für das reichlich vorhandene Meerwasser nützt also die beste Wind-Elektrolyse-Einheit nichts. Eine "technische Herausforderung" sei das, sagt der Sprecher der Initiative.
In Dänemark wurde nun zu Testzwecken ein Elektrolyseur neben einem Windrad installiert. Dort wird das grundsätzliche Zusammenspiel zwischen den beiden Komponenten bereits erprobt. Immerhin konnte zu Testzwecken ein Kilogramm Wasserstoff produziert werden. Um den Elektrolyseur allerdings in das Windrad zu integrieren, muss die für die Stromproduktion zuständige Maschine komplett neu konstruiert werden. Siemens Gamesa und Siemens Energy gehen daher davon aus, dass es bis Mitte des Jahrzehnts dauern wird, bis eine erste Testanlage auf dem Wasser errichtet werden kann. Erst wenn diese dann problemlos läuft, könnten sich erste kommerzielle Projekte anschließen. Für die Mitarbeiter von Siemens Energy ist das nicht zwingend eine gute Nachricht. Der Bau eines Elektrolyseurs ist weniger aufwendig und sichert deutlich weniger Arbeitsplätze als die Konstruktion einer Gasturbine, die bislang zu den Spezialitäten des Konzerns zählt. Kathrin Witsch