Amerikanischen Radioastronomen ist erstmals der Nachweis des komplexen organischen Moleküls Vinylalkohol in einer Gas- und Staubwolke 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt gelungen
Die Existenz des aus sieben Atomen bestehenden Moleküls Vinylalkohol ist auf der Erde etwas völlig Normales, im All allerdings stellt diese Entdeckung eine Sensation dar.
Die amerikanischen Wissenschaftler Barry Turner des National Radio Astronomy Observatory (NRAO) in Charlottesville, Va., und Aldo Apponi vom Steward Observatory in Arizona konnten das komplexe Molekül Vinylalkohol in einer interstellaren Gas- und Staubwolke in der Nähe des Zentrums unserer Galaxis, der Milchstraße, nachweisen. Annähernd 125 Moleküle konnten bisher im interstellaren Raum aufgrund ihrer spezifischen Wellenlängen mit sehr empfindlichen Radioantennen detektiert werden. Bei den meisten dieser Moleküle handelt es sich um einfache organische Verbindungen, deren Entstehungsweise innerhalb der Gas- und Staubwolken bekannt ist. Mit der Entdeckung des Vinylalkohol ist man nun der Antwort nach dem Entstehen von komplexen organischen Verbindungen ein großes Stück näher gekommen. Auch die mögliche Entwicklung von Leben im Kosmos könnte dadurch besser verstanden werden.
Vinylalkohol (C2H4O) spielt eine große Rolle in chemischen Reaktionen auf der Erde und gehört durch seine Struktur zu den komplexen organischen Molekülen. Den Radioastronomen Barry Turner und Aldo Apponi ist es nun mit einem hochauflösenden 12m-Teleskop gelungen, das Vorhandensein von Vinylalkohol auch im Weltraum zu belegen. Das Teleskop misst die von Molekülen emittierten Wellenlängen anhand einer hochsensitiven Radioantenne und analysiert anschließend mittels spezieller Software die mit dem Fingerabdruck des Menschen vergleichbaren Wellenlängen der Moleküle. Erstmals im Weltraum, im Sternbild Sagittarius B, das 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt und in der Nähe des Zentrums unserer Galaxis, der Milchstraße, lokalisiert ist, konnte das komplexe organische Molekül Vinylalkohol in interstellaren Wolken detektiert werden.
Seit den 70er Jahren spekulieren Wissenschaftler, dass Moleküle auf Staubpartikeln innerhalb der interstellaren Wolken gebildet würden. Man nimmt an, dass die Staubpartikel weniger komplexe Moleküle "einfangen" und anschließend als Katalysator zur Herstellung von komplexeren Molekülen durch die Ausbildung chemischer Brückenbindungen dienen. Problem dieser Annahme ist allerdings die eisige Temperatur, die auf den Oberflächen der Staubpartikel herrscht, die zwar die Ausbildung der chemischen Bindungen zuläßt, das Freisetzen der neu entstandenen, komplexeren Moleküle jedoch nicht. Von den Staubpartikeln müsste sehr viel Energie aufgebracht werden, um die neu entstandenen Moleküle freizugeben, wodurch aber auch die chemischen Brückenbindungen wieder aufgelöst würden. Wie aber können nun so komplexe Moleküle wie Vinylalkohol frei im interstellaren Raum vorkommen? Eine Theorie von Turner und anderen Astronomen besagt, dass die zum Freisetzen der Moleküle nötige Energie von einer erst seit kurzem in der Nähe der interstellaren Wolke befindlichen Sternenformation stammt. Dadurch erniedrigt sich die Temperatur der Staubpartikel, die Synthese chemischer Bindungen an der Partikeloberfläche wird katalysiert und neu gebildete Moleküle können an den interstellaren Raum abgegeben werden.
Diese sensationellen Ergebnisse von Turner und Apponi stellen ein wichtiges Werkzeug für das Verstehen der Synthese von komplexen organischen Molekülen und für die mögliche Entstehung von Leben im Universum dar. Das Astrophysical Journal Letter wird demnächst die Forschungsergebnisse der beiden Astronomen veröffentlichen.
Gruß
Happy End
Die Existenz des aus sieben Atomen bestehenden Moleküls Vinylalkohol ist auf der Erde etwas völlig Normales, im All allerdings stellt diese Entdeckung eine Sensation dar.
Die amerikanischen Wissenschaftler Barry Turner des National Radio Astronomy Observatory (NRAO) in Charlottesville, Va., und Aldo Apponi vom Steward Observatory in Arizona konnten das komplexe Molekül Vinylalkohol in einer interstellaren Gas- und Staubwolke in der Nähe des Zentrums unserer Galaxis, der Milchstraße, nachweisen. Annähernd 125 Moleküle konnten bisher im interstellaren Raum aufgrund ihrer spezifischen Wellenlängen mit sehr empfindlichen Radioantennen detektiert werden. Bei den meisten dieser Moleküle handelt es sich um einfache organische Verbindungen, deren Entstehungsweise innerhalb der Gas- und Staubwolken bekannt ist. Mit der Entdeckung des Vinylalkohol ist man nun der Antwort nach dem Entstehen von komplexen organischen Verbindungen ein großes Stück näher gekommen. Auch die mögliche Entwicklung von Leben im Kosmos könnte dadurch besser verstanden werden.
Vinylalkohol (C2H4O) spielt eine große Rolle in chemischen Reaktionen auf der Erde und gehört durch seine Struktur zu den komplexen organischen Molekülen. Den Radioastronomen Barry Turner und Aldo Apponi ist es nun mit einem hochauflösenden 12m-Teleskop gelungen, das Vorhandensein von Vinylalkohol auch im Weltraum zu belegen. Das Teleskop misst die von Molekülen emittierten Wellenlängen anhand einer hochsensitiven Radioantenne und analysiert anschließend mittels spezieller Software die mit dem Fingerabdruck des Menschen vergleichbaren Wellenlängen der Moleküle. Erstmals im Weltraum, im Sternbild Sagittarius B, das 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt und in der Nähe des Zentrums unserer Galaxis, der Milchstraße, lokalisiert ist, konnte das komplexe organische Molekül Vinylalkohol in interstellaren Wolken detektiert werden.
Seit den 70er Jahren spekulieren Wissenschaftler, dass Moleküle auf Staubpartikeln innerhalb der interstellaren Wolken gebildet würden. Man nimmt an, dass die Staubpartikel weniger komplexe Moleküle "einfangen" und anschließend als Katalysator zur Herstellung von komplexeren Molekülen durch die Ausbildung chemischer Brückenbindungen dienen. Problem dieser Annahme ist allerdings die eisige Temperatur, die auf den Oberflächen der Staubpartikel herrscht, die zwar die Ausbildung der chemischen Bindungen zuläßt, das Freisetzen der neu entstandenen, komplexeren Moleküle jedoch nicht. Von den Staubpartikeln müsste sehr viel Energie aufgebracht werden, um die neu entstandenen Moleküle freizugeben, wodurch aber auch die chemischen Brückenbindungen wieder aufgelöst würden. Wie aber können nun so komplexe Moleküle wie Vinylalkohol frei im interstellaren Raum vorkommen? Eine Theorie von Turner und anderen Astronomen besagt, dass die zum Freisetzen der Moleküle nötige Energie von einer erst seit kurzem in der Nähe der interstellaren Wolke befindlichen Sternenformation stammt. Dadurch erniedrigt sich die Temperatur der Staubpartikel, die Synthese chemischer Bindungen an der Partikeloberfläche wird katalysiert und neu gebildete Moleküle können an den interstellaren Raum abgegeben werden.
Diese sensationellen Ergebnisse von Turner und Apponi stellen ein wichtiges Werkzeug für das Verstehen der Synthese von komplexen organischen Molekülen und für die mögliche Entstehung von Leben im Universum dar. Das Astrophysical Journal Letter wird demnächst die Forschungsergebnisse der beiden Astronomen veröffentlichen.
Gruß
Happy End