Mobilfunkbetreiber fordern staatliche Hilfen


Thema
abonnieren
Beitrag: 1
Zugriffe: 346 / Heute: 1
Happy End:

Mobilfunkbetreiber fordern staatliche Hilfen

 
14.03.02 06:16
Die Branche klagt über eine Blockade der Politik beim Aufbau der UMTS-Netze    
 
Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hat die Bundesregierung aufgefordert, die Mobilfunknetzbetreiber beim Aufbau der neuen UMTS-Netze stärker zu unterstützen. "Es ist nicht hinnehmbar, dass die Politik knapp 51 Milliarden Euro für die UMTS-Lizenzen einstreicht und danach die Branche beim Aufbau der Netze alleine lässt", sagte Peter Wagner, Mitglied im Hauptvorstand des Bitkom am Mittwoch auf der Cebit.

Während sich Bund und Länder vor Gericht um die Verteilung der UMTS-Milliarden - die die Unternehmen bezahlt haben - stritten, würde gerade in den klageführenden Ländern auf kommunaler Ebene der zügige Ausbau der UMTS-Infrastruktur häufig aus wahltaktischen Gründen behindert, kritisierte Wagner. "Wir verlangen einen runden Tisch mit der Politik, um gemeinsame Strategien zu entwickeln, mit denen der UMTS-Markt möglichst schnell angeschoben werden kann", sagte Wagner.

Damit spielte er auf die Schwierigkeiten der Netzbetreiber an, Standorte für ihre Antennen zu finden. In immer mehr Kommunen wehren sich die Bürger gegen den Bau neuer Antennen, weil sie mögliche Gesundheitsgefahren durch die Mobilfunkstrahlung fürchten. In einigen Kommunen haben die Politiker entschieden: Auf kommunalen Liegenschaften dürfen keine Antennen mehr errichtet werden, es sei denn, es werden deutlich niedrigere Strahlenwerte eingehalten. Wagner wollte seine Äußerungen aber nicht so gedeutet wissen, dass die UMTS-Anbieter dirkete Subventionen fordern würden.

Auch der Vorstandschef des Telekom-Neueinsteigers und UMTS-Lizenzinhabers Quam, Ernst-E. Folgmann, sprach sich auf der Cebit für flexiblere Rahmenbedingungen aus. Sein Kollege Kai-Uwe Ricke vom Marktführer T-Mobile hatte bereits im Januar an die Politik appelliert, über eine Änderung der Lizenzbedingungen nachzudenken. Er wollte sich am Mittwoch jedoch nicht erneut zu dem Thema äußern. Die sechs Unternehmen T-Mobile, Vodafone, E-Plus, Viag Interkom (künftig O2), Mobilcom und Quam wollen spätestens im nächsten Jahr ihre UMTS-Angebote starten.

Die sechs UMTS-Lizenzinhaber und ihre Mutterkonzerne haben sich zum Teil hoch verschuldet und sind auf den Erfolg des mobilen Internets angewiesen. Nach Ansicht von Branchenexperten haben langfristig nur drei der sechs Anbieter eine Überlebenschance. Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Mummert + Partner unter 100 Spitzenmanagern führender Telekommunikations-Unternehmen planen 54 Prozent bis 2004 überhaupt keine UMTS-Investitionen mehr. "Die Milliardenlast droht die ersten Lizenzinhaber aus dem Markt zu drängen", prognostiziert die Hamburger Unternehmensberatung. "Um Schlimmeres zu verhindern, müssen die staatlichen Restriktionen gelockert werden."

Wagner bezeichnete die Äußerungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vom Vorabend zu diesem Thema als "leider sehr vage". Der Kanzler hatte lediglich mögliche Kooperationen begrüßt, sich ansonsten aber nur zu den UMTS-Strahlengrenzwerten geäußert.

Bund, Länder und Kommunen könnten einen aktiven Beitrag leisten, die neuen UMTS-Dienste zu unterstützen, sagte Wagner, zum Beispiel durch die Nutzung interaktiver Verkehrs- und Parkleitsysteme oder Touristeninformationssysteme. Investitionen in Telecare und Telemedizin könnten zugleich die Kosten im Pflege- und Gesundheitsbereich senken. "Außerdem müssen E-Gouvernment und ,virtuelle Rathäuser' auch unter Berücksichtigung von mobilen Nutzern betrachtet werden", sagte Wagner.

Wagner forderte von der Politik außerdem, weiter über Möglichkeiten zu diskutieren, wie die Situation der Unternehmen "im Rahmen der Lizenzbedingungen" verbessert werden könne. Zum Beispiel müsse darüber gesprochen werden, was mit einer Lizens passiert, wenn ein Wettbewerber aus dem Markt aussteigt. Er schlug eine Auktion der dann frei gewordenen Frequenzen innerhalb der noch verbliebenen Lizenznehmer vor. Der Erlös daraus solle dann an den gehen, der die Lizenz abgibt.  
 
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--