Mobilcom rüstet sich für Abwehrkampf
Der Vorstandschef und Mehrheitsaktionär des Mobilfunkunternehmens Mobilcom, Gerhard Schmid, wappnet sich mit neuen Großinvestoren gegen eine mögliche Übernahme durch France Telecom. Neben einem Investor, der fünf Prozent der Mobilcom-Aktien hält, hat der New Yorker Investor Guy Wyser-Pratte 1,1 Prozent an Mobilcom erworben. "Wir glauben, dass die Mobilcom-Aktie bedeutendes Potenzial nach oben hat, und wollen verhindern, dass die Kleinaktionäre des Unternehmens ein Übernahmeangebot auf dem derzeitigen niedrigen Kursniveau akzeptieren müssen", sagte Wyser-Pratte der 'Financial Times Deutschland' (heutige Ausgabe).
Hintergrund der Investorensuche ist der anhaltend niedrige Aktienkurs des am Neuen Markt notierten Unternehmens. Die Mobilcom-Aktie hatte ihr Hoch im März 2000 mit 199 E erreicht. Gestern Nachmittag notierte die Aktie bei 24,95 Euro. Damit ist das Unternehmen an der Börse rund 1,5 Mrd. Euro wert. Als France Telecom vor 20 Monaten einstieg, hatte Mobilcom noch einen Börsenwert von 7,7 Mrd. Euro.
Firmenchef will selber Mehrheit der Anteile bekommen
Um France Telecom daran zu hindern, große Aktienpakete zu diesem niedrigen Kurs ist zu kaufen, will Mobilcom-Chef Schmid mit der Hilfe von Investoren offenbar selbst auf die Mehrheit der Anteile kommen. Er hält bisher 42 Prozent und ist damit größter Aktionär von Mobilcom. Bereits in der Woche zuvor war ein weiterer Investor mit fünf Prozent eingestiegen. "Ich plane, mich mit diesem Investor in Kontakt zu setzen, da ich glaube, dass er ähnliche Ziele verfolgt", sagte Wyser-Pratte. Bei Mobilcom heißt es, dass es derzeit die zweitwichtigste Aufgabe von Schmid sei, weitere Großinvestoren zu suchen. France Telecom wollte die Gerüchte von Aktienaufkäufen nicht kommentieren.
Guy Wyser-Pratte, Chef und Gründer der New Yorker Investment-Beratungsfirma Wyser-Pratte, hatte in den vergangenen Monaten in Deutschland Schlagzeilen gemacht, als er als Minderheitsaktionär bei dem Rüstungshersteller Rheinmetall einstieg und den Mehrheitsaktionär, die Familie Röchling, vehement zu einem Kurswechsel drängte. Vor zwei Wochen hatte Wyser-Pratte seinen Rheinmetall-Anteil dann überraschend an die Röchlings verkauft, nicht ohne seine Investition mehr als zu verdoppeln. (ck)
[Tue, 11.12.2001] - © 2001 de.internet.com