Mittelabflüsse der Fonds als Kaufsignal für den Aktienmarkt
London, 19. März (Bloomberg) - Kleinanleger zählen typischerweise zu den Letzten, die bei steigenden Kursen am Aktienmarkt einsteigen und bei fallende Kursen aussteigen. Gemäß dieser Regel wäre es an der Zeit, europäische Aktien zu kaufen. In Italien zogen Privatanleger im Februar mehr als 2 Mrd. Euro aus Aktienfonds ab, der erste Mittelabfluss seit 1998. In Frankreich gingen die Mittelzuflüsse in Fonds im Februar im Vergleich mit dem Vorjahr um 80 Prozent zurück. CSFB geht davon aus, das die Kapitalzuflüsse in Aktienfonds in Grossbritannien im Februar rund 75 Prozent unter dem Vorjahreswert ausfallen. ,Das signalisiert den Anfang vom Ende" des Kurseinbruchs am Aktienmarkt, erklärt Aaron Barnfather, Fondsmanager bei Royal & Sun Alliance Investment Management in London. Das Verhalten der breiten Masse zeigt, dass sich inzwischen jeder um die Aktienkurse sorgt. Deshalb kann es kaum noch tiefer gehen. Institutionelle Investoren sehen bereits das Ende der Talfahrt gekommen.
Laut Credit Suisse First Boston (CSFB) investierten Privatanleger in Italien im Februar und März 2000 einen Rekordwert von 15,7 Mrd. Euro in Aktienfonds. Genau zu dieser Zeit startete der Dow Jones Stoxx Technology Index seine 12monatige Talfahrt, während dessen der Index 58 Prozent an Wert verlor. ,Das sagt nicht viel darüber aus, was die Strategen über den bescheidenen Privatanleger denken, aber es veranschaulicht die allgemeine Besorgnis am Markt und dürfte darauf hinweisen, dass wir die Talsohle bald erreicht haben," erklärt Michael O'Sullivan, Stratege bei Commerzbank Securities in London. ,Online-Investoren kauften sich im letzten Jahr typischerweise als letztes in die Technologie-Hausse ein."
Laut CSFB floss im Januar europäischen Aktienfonds nur noch die Hälfte des Betrags zu, der im Vorjahr in die Fonds investiert wurde. In Europa fallen die Online-Handelsaktivitäten der vergangenen sechs Wochen rund ein Drittel niedriger aus als im vergangenen Jahr, schätzt Huw van Steenis, e-Finance Vice President bei J.P. Morgan Securities in London. Bis November 2000 liessen europäische Privatanleger frisches Kapital in Aktienfonds fliessen. Danach begannen sich die Kapitalzuflüsse zu verlangsamen. Im Januar diesen Jahres verzeichneten europäische Aktienfonds einen Kapitalzufluss von 11 Mrd. Euro, laut CSFB ist das nur noch die Hälfte jenen Betrags, den die Fonds im ersten Monat 2000 anlocken konnten.
Während früherer Kurseinbrüche an den Aktienmärkten ging einer Kurserholung jeweils ein sinkendes Interesse an Aktienfonds voraus. Angesichts der Besorgnis über die Finanzkrise in Russland, verlor der Stoxx 50 Index zwischen dem 20. Juli und 8. Oktober 1998 33 Prozent an Wert. Im Juli des besagten Jahres floss europäischen Aktienfonds eine Summe von 8,2 Mrd. Euro zu. Nach Angaben von CSFB wurden einen Monat später nur noch 2,7 Mrd. Euro investiert, das ist ein Rückgang von 65 Prozent. Im September 1998 beliefen sich die Kapitalzuflüsse auf ihr niedrigstes Niveau seit drei Jahren. Am 9. Oktober, also lediglich einige Wochen später, begannen die Aktienkurse dann wieder anzuziehen. Bis März 1999 beliefen sich die monatlichen Kapitalzuflüsse auf unter 7 Mrd. Euro. In dieser Zeit verbuchte der Stoxx 50 Index ein Plus von 37 Prozent. Laut CSFB flossen europäischen Aktienfonds in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt 9,8 Mrd. Euro zu.
Online-Investoren, die nach Ansicht einiger Fondsmanager dazu beitrugen, dass die Technologieaktien im Februar und März letzten Jahres auf Rekordstände kletterten, lassen nun auch einen Vertrauensverlust bei den Aktien erkennen. Comdirect AG etwa, Europas grösster Online-Broker, berichtete, dass sich die Anzahl der Online-Geschäfte pro Konto im ersten Quartal 2000 noch auf 40 Transaktionen belief. Im vierten Quartal waren es nach Angaben des Online-Brokers nur noch 18 Transaktionen pro Konto. Die Veröffentlichung weiterer aktueller Zahlen steht noch aus, aber van Steenis von J.P. Morgan davon aus, dass die Handelsaktivitäten europäischer Online-Anleger seit dem vierten Quartal 2000 um weitere fünf bis zehn Prozent gesunken sind.
Während europäische Privatanleger anfangen, ihr Vertrauen in Aktienanlagen zu verlieren, dürften die institutionellen Investoren bereits den grössten Teil ihrer Aktienverkäufe vollzogen haben. Europäische Pensionsfonds hielten Ende 2000 im Durchschnitt 3,5 Prozent des Anlagekapitals in bar, das ist genau so weil wie während der Finanzkrise in Asien im Jahr 1998, geht aus Daten der Fonds-Analysegesellschaft Lipper Inc. hervor, berichtet Richard Kersley, Europa-Aktienstratege bei Credit Suisse First Boston in London. ,Der Abbau dieser Liquidität wird schliesslich der Auslöser für eine Markterholung sein," sagt Kersley.
London, 19. März (Bloomberg) - Kleinanleger zählen typischerweise zu den Letzten, die bei steigenden Kursen am Aktienmarkt einsteigen und bei fallende Kursen aussteigen. Gemäß dieser Regel wäre es an der Zeit, europäische Aktien zu kaufen. In Italien zogen Privatanleger im Februar mehr als 2 Mrd. Euro aus Aktienfonds ab, der erste Mittelabfluss seit 1998. In Frankreich gingen die Mittelzuflüsse in Fonds im Februar im Vergleich mit dem Vorjahr um 80 Prozent zurück. CSFB geht davon aus, das die Kapitalzuflüsse in Aktienfonds in Grossbritannien im Februar rund 75 Prozent unter dem Vorjahreswert ausfallen. ,Das signalisiert den Anfang vom Ende" des Kurseinbruchs am Aktienmarkt, erklärt Aaron Barnfather, Fondsmanager bei Royal & Sun Alliance Investment Management in London. Das Verhalten der breiten Masse zeigt, dass sich inzwischen jeder um die Aktienkurse sorgt. Deshalb kann es kaum noch tiefer gehen. Institutionelle Investoren sehen bereits das Ende der Talfahrt gekommen.
Laut Credit Suisse First Boston (CSFB) investierten Privatanleger in Italien im Februar und März 2000 einen Rekordwert von 15,7 Mrd. Euro in Aktienfonds. Genau zu dieser Zeit startete der Dow Jones Stoxx Technology Index seine 12monatige Talfahrt, während dessen der Index 58 Prozent an Wert verlor. ,Das sagt nicht viel darüber aus, was die Strategen über den bescheidenen Privatanleger denken, aber es veranschaulicht die allgemeine Besorgnis am Markt und dürfte darauf hinweisen, dass wir die Talsohle bald erreicht haben," erklärt Michael O'Sullivan, Stratege bei Commerzbank Securities in London. ,Online-Investoren kauften sich im letzten Jahr typischerweise als letztes in die Technologie-Hausse ein."
Laut CSFB floss im Januar europäischen Aktienfonds nur noch die Hälfte des Betrags zu, der im Vorjahr in die Fonds investiert wurde. In Europa fallen die Online-Handelsaktivitäten der vergangenen sechs Wochen rund ein Drittel niedriger aus als im vergangenen Jahr, schätzt Huw van Steenis, e-Finance Vice President bei J.P. Morgan Securities in London. Bis November 2000 liessen europäische Privatanleger frisches Kapital in Aktienfonds fliessen. Danach begannen sich die Kapitalzuflüsse zu verlangsamen. Im Januar diesen Jahres verzeichneten europäische Aktienfonds einen Kapitalzufluss von 11 Mrd. Euro, laut CSFB ist das nur noch die Hälfte jenen Betrags, den die Fonds im ersten Monat 2000 anlocken konnten.
Während früherer Kurseinbrüche an den Aktienmärkten ging einer Kurserholung jeweils ein sinkendes Interesse an Aktienfonds voraus. Angesichts der Besorgnis über die Finanzkrise in Russland, verlor der Stoxx 50 Index zwischen dem 20. Juli und 8. Oktober 1998 33 Prozent an Wert. Im Juli des besagten Jahres floss europäischen Aktienfonds eine Summe von 8,2 Mrd. Euro zu. Nach Angaben von CSFB wurden einen Monat später nur noch 2,7 Mrd. Euro investiert, das ist ein Rückgang von 65 Prozent. Im September 1998 beliefen sich die Kapitalzuflüsse auf ihr niedrigstes Niveau seit drei Jahren. Am 9. Oktober, also lediglich einige Wochen später, begannen die Aktienkurse dann wieder anzuziehen. Bis März 1999 beliefen sich die monatlichen Kapitalzuflüsse auf unter 7 Mrd. Euro. In dieser Zeit verbuchte der Stoxx 50 Index ein Plus von 37 Prozent. Laut CSFB flossen europäischen Aktienfonds in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt 9,8 Mrd. Euro zu.
Online-Investoren, die nach Ansicht einiger Fondsmanager dazu beitrugen, dass die Technologieaktien im Februar und März letzten Jahres auf Rekordstände kletterten, lassen nun auch einen Vertrauensverlust bei den Aktien erkennen. Comdirect AG etwa, Europas grösster Online-Broker, berichtete, dass sich die Anzahl der Online-Geschäfte pro Konto im ersten Quartal 2000 noch auf 40 Transaktionen belief. Im vierten Quartal waren es nach Angaben des Online-Brokers nur noch 18 Transaktionen pro Konto. Die Veröffentlichung weiterer aktueller Zahlen steht noch aus, aber van Steenis von J.P. Morgan davon aus, dass die Handelsaktivitäten europäischer Online-Anleger seit dem vierten Quartal 2000 um weitere fünf bis zehn Prozent gesunken sind.
Während europäische Privatanleger anfangen, ihr Vertrauen in Aktienanlagen zu verlieren, dürften die institutionellen Investoren bereits den grössten Teil ihrer Aktienverkäufe vollzogen haben. Europäische Pensionsfonds hielten Ende 2000 im Durchschnitt 3,5 Prozent des Anlagekapitals in bar, das ist genau so weil wie während der Finanzkrise in Asien im Jahr 1998, geht aus Daten der Fonds-Analysegesellschaft Lipper Inc. hervor, berichtet Richard Kersley, Europa-Aktienstratege bei Credit Suisse First Boston in London. ,Der Abbau dieser Liquidität wird schliesslich der Auslöser für eine Markterholung sein," sagt Kersley.