Der jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic sieht sich als Opfer verdrehter Fakten und Lügen. Zu seiner Verteidigung sagte er vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal, mit seiner Politik habe er lediglich den Terrorismus bekämpfen wollen.
Den Haag - Bei seiner Verteidigung versuchte Milosevic, den Spieß umzudrehen: "Amerika überquert den Globus, um den Terrorismus in Afghanistan zu bekämpfen, aber es gilt als Verbrechen, den Terrorismus im eigenen Land zu bekämpfen", sagte Milosevic. "Unsere Verteidigung war eine heroische Verteidigung gegen die Aggression des Nato-Paktes."
Den Richtern warf er vor, ihre Vorgesetzten hätten Jugoslawien zerstört und Bosnien in einen Bürgerkrieg gestürzt. "Die Serben haben den Krieg nicht begonnen", verteidigte er sich. "Es macht keinen Sinn, die falsche Seite anzugreifen." Die Anklage richte sich nicht gegen ihn allein, sondern gegen das gesamte serbische Volk. Mit seinen Entscheidungen habe er nur den Willen des Volkes ausgeübt.
Milosevic dementierte, dass serbische Truppen Hunderttausende Albaner aus dem Kosovo vertrieben hätten. Er erklärte, die Menschen seien vor den Bomben der Nato-Streitkräfte geflohen. Er habe strikte Anweisungen gegeben, Zivilisten nicht zu verletzen. Jedoch könnten in Einzelfällen Verbrechen begangen worden sein.
Von der Anklagebank schrie der Ex-Präsident: "Sie machen mich verantwortlich für das, was sie gemacht haben." Allerdings machte er nicht deutlich, wen er mit "sie" meinte. Die Vorwürfe der Ankläger beim Tribunal seien eine Beleidigung für eine ganze Nation. "Alles Fälschungen, alles Lügen", sagte der jugoslawische Ex-Präsident, der auch von einem "Meer von Lügen" sprach.
An das Gericht gewandt meinte Milosevic: "Ihre Bosse haben Jugoslawien zerbrochen." Jetzt wollten die Verantwortlichen, dass die drei jugoslawischen Nationen die Rechnung bezahlten. Zuvor hatte er auf Serben, Kroaten und Bosnier verwiesen. Nicht die Serben hätten Kriege im früheren Jugoslawien begonnen, versicherte der Ex-Präsident. "Es ist doch Unsinn, die verkehrte Seite anzuklagen", rief er aus.
Erneut bezeichnete Milosevic das Verfahren als illegal. Er bat um seine Freilassung, um seine Verteidigung vorzubereiten. "Ich habe nur ein Telefon, während Sie einen riesigen Apparat hinter sich haben", beschimpfte er die Anklage. "Ich soll ein Hundert-Meter-Rennen mit gefesselten Armen und Beinen schwimmen."
Zu seiner Verteidigung hatte Milosevic zu Beginn des dritten Prozesstags einen Video-Beitrag des Magazins "Monitor" im ARD-Fernsehen zeigen lassen. Der Film "Es begann mit einer Lüge" von Ende Februar 2001 über die Situation um den Nato-Einsatz im Kosovo im März 1999 war mit serbischem Text im serbischen Fernsehen gezeigt worden.
In dem Beitrag geht es vor allem darum, ob die Serben im Kosovo tatsächlich eine humanitäre Katastrophe auslösten und diese den Nato-Eingriff rechtfertigte. Es werden Ausschnitte mit Erklärungen unter anderem von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping aus der Zeit des Beginns der Nato-Bombenangriffe gezeigt. Als Zeitzeugen wurden unter anderen US-Botschafter William Walker und der deutsche Ex-General Heinz Loquai zitiert.
Die Nato-Angriffe seien "ein Verstoß gegen das internationale Recht, bei dem unschuldige Zivilisten ihr Leben verloren", sagte der ehemalige Präsident.
"Dies ist nur ein Bruchstück der ganzen Wahrheit", sagte Milosevic nach Vorführung des Videobeitrags, der in Deutschland seinerzeit heftige Diskussionen über die Glaubwürdigkeit der Aussagen ausgelöst hatte. 78 Tage lang, so Milosevic, hätte die Nato im Jahre 1999 unbarmherzig das Kosovo bombardiert.
Als "dreist" hat es der WDR bezeichnet, dass sich Milosevic auf ARD-Sendungen berufe. WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn warf ihm vor, die Aussagen der Fernsehbeiträge für seine Zwecke zu missbrauchen.
Milosevic muss sich seit Dienstag vor dem Uno-Tribunal unter der Anklage der Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien verantworten. Er wird des Völkermordes in Bosnien sowie der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Kriegsverbrechen in Kroatien und im Kosovo beschuldigt. Die Anklage zum Kosovo ist der Schwerpunkt in der Anfangsphase des Verfahrens, dessen Dauer auf zwei Jahre geschätzt wird.
Quelle: spiegel.de
Den Haag - Bei seiner Verteidigung versuchte Milosevic, den Spieß umzudrehen: "Amerika überquert den Globus, um den Terrorismus in Afghanistan zu bekämpfen, aber es gilt als Verbrechen, den Terrorismus im eigenen Land zu bekämpfen", sagte Milosevic. "Unsere Verteidigung war eine heroische Verteidigung gegen die Aggression des Nato-Paktes."
Den Richtern warf er vor, ihre Vorgesetzten hätten Jugoslawien zerstört und Bosnien in einen Bürgerkrieg gestürzt. "Die Serben haben den Krieg nicht begonnen", verteidigte er sich. "Es macht keinen Sinn, die falsche Seite anzugreifen." Die Anklage richte sich nicht gegen ihn allein, sondern gegen das gesamte serbische Volk. Mit seinen Entscheidungen habe er nur den Willen des Volkes ausgeübt.
Milosevic dementierte, dass serbische Truppen Hunderttausende Albaner aus dem Kosovo vertrieben hätten. Er erklärte, die Menschen seien vor den Bomben der Nato-Streitkräfte geflohen. Er habe strikte Anweisungen gegeben, Zivilisten nicht zu verletzen. Jedoch könnten in Einzelfällen Verbrechen begangen worden sein.
Von der Anklagebank schrie der Ex-Präsident: "Sie machen mich verantwortlich für das, was sie gemacht haben." Allerdings machte er nicht deutlich, wen er mit "sie" meinte. Die Vorwürfe der Ankläger beim Tribunal seien eine Beleidigung für eine ganze Nation. "Alles Fälschungen, alles Lügen", sagte der jugoslawische Ex-Präsident, der auch von einem "Meer von Lügen" sprach.
An das Gericht gewandt meinte Milosevic: "Ihre Bosse haben Jugoslawien zerbrochen." Jetzt wollten die Verantwortlichen, dass die drei jugoslawischen Nationen die Rechnung bezahlten. Zuvor hatte er auf Serben, Kroaten und Bosnier verwiesen. Nicht die Serben hätten Kriege im früheren Jugoslawien begonnen, versicherte der Ex-Präsident. "Es ist doch Unsinn, die verkehrte Seite anzuklagen", rief er aus.
Erneut bezeichnete Milosevic das Verfahren als illegal. Er bat um seine Freilassung, um seine Verteidigung vorzubereiten. "Ich habe nur ein Telefon, während Sie einen riesigen Apparat hinter sich haben", beschimpfte er die Anklage. "Ich soll ein Hundert-Meter-Rennen mit gefesselten Armen und Beinen schwimmen."
Zu seiner Verteidigung hatte Milosevic zu Beginn des dritten Prozesstags einen Video-Beitrag des Magazins "Monitor" im ARD-Fernsehen zeigen lassen. Der Film "Es begann mit einer Lüge" von Ende Februar 2001 über die Situation um den Nato-Einsatz im Kosovo im März 1999 war mit serbischem Text im serbischen Fernsehen gezeigt worden.
In dem Beitrag geht es vor allem darum, ob die Serben im Kosovo tatsächlich eine humanitäre Katastrophe auslösten und diese den Nato-Eingriff rechtfertigte. Es werden Ausschnitte mit Erklärungen unter anderem von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping aus der Zeit des Beginns der Nato-Bombenangriffe gezeigt. Als Zeitzeugen wurden unter anderen US-Botschafter William Walker und der deutsche Ex-General Heinz Loquai zitiert.
Die Nato-Angriffe seien "ein Verstoß gegen das internationale Recht, bei dem unschuldige Zivilisten ihr Leben verloren", sagte der ehemalige Präsident.
"Dies ist nur ein Bruchstück der ganzen Wahrheit", sagte Milosevic nach Vorführung des Videobeitrags, der in Deutschland seinerzeit heftige Diskussionen über die Glaubwürdigkeit der Aussagen ausgelöst hatte. 78 Tage lang, so Milosevic, hätte die Nato im Jahre 1999 unbarmherzig das Kosovo bombardiert.
Als "dreist" hat es der WDR bezeichnet, dass sich Milosevic auf ARD-Sendungen berufe. WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn warf ihm vor, die Aussagen der Fernsehbeiträge für seine Zwecke zu missbrauchen.
Milosevic muss sich seit Dienstag vor dem Uno-Tribunal unter der Anklage der Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien verantworten. Er wird des Völkermordes in Bosnien sowie der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Kriegsverbrechen in Kroatien und im Kosovo beschuldigt. Die Anklage zum Kosovo ist der Schwerpunkt in der Anfangsphase des Verfahrens, dessen Dauer auf zwei Jahre geschätzt wird.
Quelle: spiegel.de