Micky Mouse in Nöten


Thema
abonnieren
Beitrag: 1
Zugriffe: 360 / Heute: 1
Nassie:

Micky Mouse in Nöten

 
02.08.03 14:13
Zum zweiten Mal seit seinem Bestehen muss „Eurodisney“ über Umschuldungen verhandlen.
Paris - Die allgemeine Wirtschaftskrise hat nun auch Donald Duck und Mickymaus erwischt: „Eurodisney“ kann nicht mehr alle Zahlungsverpflichtungen erfüllen und verhandelt nun mit den Gläubigerbanken sowie der Muttergesellschaft über die Stundung „bestimmter“ Verpflichtungen und die Bereitstellung zusätzlicher Mittel, teilte der Vergnügungspark mit. An der Pariser Börse brach der Kurs der „Eurodisney“-Aktie am Freitag um zeitweise mehr als 20 Prozent ein.

Es kriselte schon seit einiger Zeit bei „Eurodisney“. Der Irak-Krieg und die letzten Streiks in Frankreich haben die Lage den Angaben zufolge zusätzlich verschlimmert. Statt der erhofften 16 Millionen Besucher kamen im abgelaufenen Jahr nur 13 Millionen. „Eurodisney“ ist damit immer noch vor Louvre und Eiffelturm in Paris Frankreichs erstes Touristenziel. Doch die Umsätze blieben im abgelaufenen Quartal mit 276 Millionen Euro um sieben Prozent unter denen des Vorjahreszeitraumes. Verhandelt wird unter anderem nun über die Stundung eines Kredits von 167,7 Millionen Euro der „Walt Disney Company“, der im Juni 2004 ausläuft. Bereits im letzten Quartal hatte die Muttergesellschaft ihrer Europa-Filiale unter die Arme gegriffen: Lizenz- und Management-Gebühren für das laufende und das kommende Jahr sollen nun erst 2005 an die US-Konzernmutter überwiesen werden.

Dass „Eurodisney“-Präsident André Lacroix nun so offen über die Zahlungsschwierigkeiten des Parks spricht, löste bei Finanzexperten gestern Erstaunen aus. Das Unternehmen sei lediglich seiner gesetzlichen Verpflichtung zur Information der Aktionäre nachgekommen, begründete Lacroix den Schritt. Er verfolge damit keineswegs die Absicht, Druck auf die Banken auszuüben.

Lacroix dementierte zudem Berichte, wonach „Eurodisney“ Massenentlassungen plane. „Eurodisney“ bereite keinen Sozialplan vor, und er werde auch alles tun, damit es dazu nicht kommen müsse, erklärte Lacroix. Gerüchte über einen möglichen massiven Stellenabbau kursierten seit einiger Zeit unter den Beschäftigten des Unterhaltungsparks. Im vergangenen Monat hatte „Eurodisney“ die Zeichentrickstudios in seinem dem Film gewidmeten zweiten Pariser Themenpark geschlossen, die Angestellten wurden entlassen.

„Eurodisney“ war 1992 mit einem ersten Vergnügungspark in Marne-la-Vallee 30 östlich von Paris eröffnet worden. Rund 22 Milliarden Francs wurden in den vom Staat subventionierten Park investiert. 1994 stürzte der Vergnügungspark auf Grund der ungenügenden Besucherzahlen zum ersten Mal in eine Krise. Die Rettung kam in Gestalt des saudischen Prinzen Al Walid, der über eine Kapitalerhöhung 16,3 Prozent der Anteile erwarb. Der Anteil der Muttergesellschaft Disney beträgt seitdem 39,1 Prozent, der Rest wird von verschiedenen Investoren gehalten.

Außer einem zweiten Themenpark gehören heute zum „Eurodisney“-Komplex mehrere Hotels, Campingplätze, Restaurants und Boutiquen. Knapp die Hälfte des Umsatzes wird mit den Parks erzielt, 38 Prozent mit den Hotels. 40 Prozent der Besucher kommen aus Frankreich, 21 Prozent aus Großbritannien, sieben Prozent aus Deutschland.


Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--