Nach Injektion von E25 sinkt IgE-Spiegel schnell
Hamburg (aza). Ein völlig neuer Therapieansatz für allergische Erkrankungen verspricht nach Einschätzung von Professor Ulrich Wahn der monoklonale Antikörper rhuMAb-E25 zu werden. In den bisherigen Studien bei Patienten mit Asthma und saisonaler allergischer Rhinitis konnte durch die E25-Therapie sowohl die Symptomatik der Patienten als auch der Verbrauch entzündungshemmender Medikamente gesenkt werden.
Wie der Pädiater von der Charité Berlin auf einem Satellitensymposium des Unternehmens Novartis beim 41. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) erläutert hat, handelt es sich bei rhuMAb-E25, wie bereits berichtet, um einen rekombinanten, humanisierten Antikörper gegen die Stelle am IgE-Molekül, mit der dieses Immunglobulin an seinen Rezeptor auf Mastzellen und basophilen Granulozyten bindet.
Nach der Injektion großer Mengen von dem - auch einfach als E25 bezeichneten - Antikörper kommt es zu einem raschen Abfall des IgE-Spiegels innerhalb von wenigen Stunden. In den darauffolgenden Wochen steigt der Serum-IgE-Spiegel allmählich wieder an, so daß etwa nach zwei bis vier Wochen eine erneute Applikation von E25 notwendig wird, um die Effekte von IgE zu unterdrücken. Diese Applikation kann, wie es sich in den klinischen Studien bewährt hat, subkutan erfolgen.
Für die Indikation Asthma liegen derzeit die Ergebnisse der Phase-II-Studien vor.
Wahn zitierte zum Beispiel die im Dezember 1999 im New England Journal of Medicine publizierte Untersuchung. Sie hat belegt, daß sich durch die Injektion von hochdosiertem E25 alle zwei Wochen die Steroidmedikation bei 78 Prozent der Patienten mit Asthma-Schweregrad drei bis vier um mindestens die Hälfte der Ausgangsdosis reduzieren läßt. Trotz dieser nach Einschätzung von Wahn auch klinisch relevanten Steroidreduktion hatten die mit E25 behandelten Patienten weniger Asthmasymptome als die Patienten der Placebogruppe.
Für die saisonale allergische Rhinitis liegen bereits Studienergebnisse der Phase III vor. So konnte zum Beispiel in einer schwedischen Studie durch E25 der Antihistaminika-Verbrauch während der Pollensaison auf durchschnittlich 0,49 Tabletten pro Tag gesenkt werden, die Patienten der Placebogruppe benötigten dagegen 1,29 Tabletten.
Auch dieser Unterschied ist nach den Worten von Wahn nicht nur statistisch signifikant, sondern auch klinisch relevant.
Wo könnte der Einsatzbereich für E25 liegen? Für Wahn ist es "ein Antikörper, der das Potential hat, viele Allergieprobleme zu lösen". Als Patienten, die von der neuen Therapie profitieren könnten, sieht der Berliner Pädiater zunächst einmal Patienten mit Steroid-Noncompliance oder mit Steroid-Nebenwirkungen.
Doch auch Patienten, die sehr viele Medikamente einnehmen müssen, sind für Wahn eine mögliche Zielgruppe.
Weitere Möglichkeiten des Einsatzes könnten sich bei Patienten ergeben, bei denen eine Hyposensibilisierung erfolglos bleibt.
Hier könnte E25 möglicherweise die Sicherheit der spezifischen Immuntherapie erhöhen und bei Patienten, bei denen bisher wegen anaphylaktischer Reaktionen die Dosis des Allergenextraktes nicht gesteigert werden konnte, die Weiterführung der spezifischen Immuntherapie ermöglichen. Ein solcher kombinierter Ansatz, bei dem Kinder mit saisonaler allergischer Rhinitis aufgrund einer polyvalenten Allergie zusätzlich zur spezifischen Therapie auch E25 erhalten, wird derzeit in einer Studie überprüft.
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