Nochmal das Thema Übernahme: Ich habe mir dazu einige Gedanken gemacht. Was für mich wirklich merkwürdig ist: Mit Thomas Meier kommt ein erfahrener CEO von einer Schweizer börsennotierten Unternehmung (Bachem Holding). Diese ist aktuell mit 6,2 Milliarden (!) Euro bewertet, was mehr als das Zwanzigfache von Medios darstellt.
Er war dort knapp 6 Jahre CEO, kennt die Börse, weiß, wie wichtig Vertrauen in den CEO und ein guter Start sind. Er wechselt, bekommt ein nettes Aktienpaket als Einstieg (mehr als 13.600 Aktien) verpasst, was im Rahmen der Vorstandsvergütung normal ist, lernt das Unternehmen einige Wochen kennen und enttäuscht Ende März bei seiner ersten Vorstellung der Ergebnisse auf ganzer Linie - das EPS liegt deutlich unter dem Marktkonsens. Gerade deshalb hätte er konservativ prognostizieren müssen, seine Erfahrung hätte ihn das lehren MÜSSEN. Stattdessen kündigt er völlig ohne Not ambitionierte Margenziele und ein EBITDApre1 in Höhe von 94 bis 102 Millionen Euro für das Jahr 2026 an. Am 12.05.2026 enttäuscht er bei seinem zweiten Auftritt erneut heftig - der Markt reagiert verschnupft. Statt zu lernen und die Prognose für das Gesamtjahr anzupassen (selbst hier im Forum wurde besonders von Katjuscha mehrfach darauf hingewiesen, dass das niemals aufgehen kann), werden die Ziele für 2026 NOCHMALS bestätigt. Dann kommt man Ende Juni mit der Schließung des Standortes Aschaffenburg um die Ecke, wobei spätestens hier die Kappung der Jahresziele klar gewesen sein muss. Man äußert sich dazu nicht, sondern haut Ende Juli eine Prognoseanpassung heraus.
Sorry, aber entweder ist der CEO wirklich verpeilt und hat die Lage vollkommen falsch eingeschätzt (was schon schlimm genug wäre), oder das ganze hat System. Eigentlich kommunizierst du nur so, wenn du deinen Aktienkurs ganz bewusst drücken willst, sonst haust du doch nicht so dermaßen unprofessionell vier Hiobsbotschaften hintereinander raus und legst den Fokus auch noch auf die schlechten Kennzahlen, statt die positiven herauszustellen.
Ergo: Hat man (derzeit) vielleicht gar kein Interesse an einem höheren Kurs? Will man ihn bewusst drücken, um nochmal günstig eigene Aktien zurückkaufen zu können, die man bei einer späteren M&A-Aktivität gewinnbringend einsetzen kann, wenn der Kurs wieder höher steht? Oder verhandelt man mit einem größeren Player, der Medios übernehmen will und Thomas Meier hat den Auftrag, das für "beide Seiten" attraktiv über die Bühne zu bringen, wobei die Aktionäre mit einem eher niedrigen Kurs abgespeist werden sollen? Das wäre nicht das erste Mal, Beispiele gibt es genügend (siehe zuletzt etwa Nagarro, das war auch so eine "tolle Geschichte" für die Aktionäre). Was denkt ihr dazu? Ich hoffe wirklich nicht, dass der neue CEO so blauäugig in die Geschichte geschlittert ist und es wirklich ohne Kalkül so eine unterirdische Kapitalmarktkommunikation gibt. Dann wäre er sein Geld echt nicht wert. We'll see.