über deren verbliebenen Anteil von 1,57% an Immunocore (der anderen TCR Ausgründung von Medigene in England).
Adaptimmune und Immunocore sind sowohl in der Forschung, wie der klinischen Entwicklung als auch in der Verpartnerung mit grossen Pharmaunternehmen und insofern auch in der Marktkapitalisierung, Personalausstattung etc. ein vielfaches weiter als Medigene.
Medigene selbst hat aber mit der Übernahme der Helmholtzausgründung Trianta und vor allem der neuen Führung unter der CSO und zukünftigen CEO Prof. Dr. Dolores Schendel alle Chancen sich hier auch selbst international noch einen Namen zu machen.
Die TCR Immuntherapie Technik scheint zunächst insbesondere bei Adaptimmune und Medigene, aber auch bei vielen CAR-T Immuntherapien wie denen von Juno, Kite oder Novartis ähnlich zu sein: Man entnimmt den Patienten Blut und bereitet die darin enthaltenen Immunzellen (speziell die T-Zellen) so auf, dass sie die Tumorzellen besser erkennen und angreifen können. Anschliessend werden die so manipulierten T-Zellen vermehrt und dem Patienten per Infusion wieder zugeführt, damit diese mit Hilfe des restlichen Immunsystems die Krebszellen abtöten können. Dieses Verfahren nennt sich autologe oder adoptive Zelltherapie (ACT)
http://www.adaptimmune.com/technology/engineered-t-cell-therapy/ .
Der Unterschied liegt in den Details, wie die körpereigenen T-Zellen für die Erkennung der Krebszellen aufbereitet werden. Dank spektakulärer Erfolge von 80-90% bei bislang unheilbaren Blutkrebspatienten war bislang die CAR-T Technologie speziell in den USA sehr populär und hat zu enormen Bewertungen auch sehr früher oder gar vorklinischer Entwicklungen geführt.
CAR-T stattet die körpereigenen T-Zellen mit einem von Antikörpern bekannten Mechanismus zur Erkennung von Krebszellen über sogenannte (Krebs-)Antigene an deren Zelloberfläche aus. TCR T-Zelltherapien dagegen benutzen den T-Zell eigenen Erkennungsmechanismus der T-Zell-Receptoren (TCR) zur Erkennung dieser (Krebs-)Antigene via deren Epitope als sogenannte HLA-Peptide. Damit können TCR T-Zelltherapien zusätzlich zu den (Krebs-)Antigenen an der Zellmembran auch solche innerhalb der Krebszellen erkennen.
Diesen Unterschied beschreibt Adaptimmune hier sehr schön
http://www.adaptimmune.com/technology/ Immunocore schätzt, dass ca. 90% der möglichen krebsspezifischen Ziele über HLA-Peptide via TCR erkannt werden können und nur rund 10% über Antikörper wie bei CAR-T. KITE geht von einem Verhältnis von 80/20 aus. Die Sichtweise schwankt, da TCR prinzipiell auch die Antikörper Antigene an der Zelloberfläche als Ziel haben kann während dies umgekehrt nicht gilt. Bekannte Ziele für beide Verfahren sind z.B. CD19 oder NY-ESO. Die Mage Epitope dagegen sind z.B. der TCR-Erkennung vorbehalten. Siehe diese plastische Darstellung von Immunocore
http://www.immunocore.com/technology/targets Neben diesem gewaltigen prinzipiellen Vorteil spricht für die TCR Technik, dass diese bereits bei einer sehr geringen Anzahl von Antigenen (z.T. nur 10 Moleküle) Krebszellen erkennen können und zur Aktivierung des körpereigenen Immunsystems dann den natürlichen Immunmechanismus benutzen.
Der Unterschied zwischen Medigene und Adaptimmune besteht nun darin, dass Adaptimmune die eingesetzten TCR in ihrer Bindungsstärke verändert (siehe
http://www.adaptimmune.com/technology/affinity-enhanced-tcr/ ), während Medigene ähnlich wie Juno und Kite auf Selektion von natürlich vorkommenden geeigneten TCR setzt. Die Hoffnung von Medigene liegt dabei in einer potentieller geringeren Gefahr von ungewollten gentechnischen Modifikationen der TCR, die ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten.
Ein Hauptkritikpunkt der TCR Technik besteht in deren Abhängigkeit von der individuellen HLA Klasse, da TCR immer nur eine bestimmte Kombination von HLA + Epitop erkennen. Da die Menschen sich in Ihrer HLA unterscheiden, ist ein bestimmter T-Zellrezeptor nicht für jeden Menschen universell gut geeignet. Adaptimmune und alle anderen mir bekannten TCR T-Zelltherapien beschränken sich dabei zur Zeit auf die HLA-Klasse A2 Patienten, die in der westlichen Welt zwischen 30 und 50% aller betroffenen Krebspatienten ausmachen.
Hier liegt aber wiederum ein grosser potentieller Vorteil für die TCR-Technik von Medigene, die unabhängig vom HLA-Typ eine Bibliothek von Epitope erkennenden TCR als Bibliothek zur Verfügung stellen wollen, die von natürlichen TCR gesunder Spendern abgeleitet wurden und mit der HLA-Klasse des jeweiligen Patienten abgeglichen werden sollen. So könnte Medigene erstmals andere TCR als HLA-A2 anbieten und damit die bis zu 60% noch nicht betrachteter Patienten bedienen!
Dieser Überblick kann nur meine grobe, persönliche Betrachtung der Zusammenhänge sein und stellt deshalb keine Handlungsempfehlung dar.
Für den ersten Einstieg und das prinzipielle Verständnis eigenen sich die sehr anschaulichen deutschen Videos von Medigene, alles weitere mit vielen Details und Abgrenzungen zu anderen Immuntherapien z.B. den Checkpoint-Inhibitoren muss man sich aus der meist englischsprachigen Literatur zusammensuchen. Wer sich von Englisch nicht abschrecken lässt findet einen sehr guten Abriss des aktuellen Standes der Krebs-Immuntherapien in diesen Videos von Catapult-Vorträgen des Adaptimmune & Immunocore CSO Bent Jakobsen
https://www.youtube.com/watch?v=qOhlRVxH_2s zur TCR-Technik von Adaptimmune und zur CAR-T Therapie von Novartis via Prof. Carl June
https://www.youtube.com/watch?v=GAQ5tCi441I .