Maut-Atlas D: Hier wird's bald teuer
"Zwei Euro bitte", fordert der Kassierer im Mauthäuschen, bevor sich die Schranke zur Tunneldurchfahrt öffnet. Was bisher in Deutschland undenkbar schien, wird ab September 2003 zum Alltag im Rostocker Straßenverkehr gehören. Bund, Land und Kommunen sind chronisch klamm - da müssen die Privaten ran. Und deshalb baut das französische Unternehmen Bouygues in der Hansestadt nicht nur den Tunnel unter der Warnow, sondern finanziert und betreibt ihn auch in Zukunft. Wer mit dem Auto durch die Röhre will, muss zahlen, damit sich das Projekt rechnet.
Zehn Pkw-Mautstellen 2003
Es ist nicht das einzige: Bis jetzt weist das Bundesverkehrsministerium zehn Vorhaben aus, die in den nächsten Jahren so verwirklicht werden sollen. Dort wird dann nicht nur für Lkw, sondern für alle Autos eine Maut fällig.
Jochen Hövekenmeier, Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD), hat für diese Verkehrspolitik kein Verständnis: "Wo soll das hinführen, wenn jeder Regionalfürst Wegezoll erheben darf? Jahrelang wurde versäumt, ein gesamtdeutsches Konzept zu entwickeln, und jetzt ist der Autofahrer wieder einmal die Melkkuh der Nation."
Dabei hat der AvD gar nichts gegen die Maut. Er fordert eine Zweckbindung der Einnahmen. In diesem Jahr bekommt der Staat etwa 60 Milliarden Euro aus Kraftfahrzeug-, Mineralöl- und Ökosteuer. Hövekenmeier prangert an, dass davon weniger als ein Drittel zurück in den Verkehrsetat fließt - und davon ein nicht unerheblicher Teil auch noch an die Deutsche Bahn.Kfz-Steuer wird abgeschafft? In Deutschland nicht
>Eine Alternative könnte so aussehen: Die Kfz-Steuer wird abgeschafft und ein einheitliches Mautsystem eingeführt. Mit dem Gebührenaufkommen für die Jahresvignetten könnten neue Verkehrsprojekte realisiert werden.
Doch davon ist Deutschland weit entfernt. Da die Kfz-Steuer den Ländern gehört, ist es unwahrscheinlich, dass der Bundesrat einer Abschaffung zustimmt. Stattdessen wird es noch toller. Über die zehn Betreibermodelle hinaus will sich der Bund eine Reihe weiterer Projekte privat vorfinanzieren lassen und dann in Raten abstottern. Das schont zunächst die öffentlichen Kassen, hat aber einen Haken: Die Investoren wollen natürlich Gewinn machen und kassieren also mehr, als der eigentliche Bau kostet. So ist der nächste Griff in die Tasche des Autofahrers schon fast programmiert. Hövekenmeier befürchtet: "Eines Tages wird man vor Fahrtantritt kalkulieren müssen, ob die Reise nach München nicht zu teuer wird."
Nr. Bundesland Projekt Länge
1 Baden-
Württemberg A 8: AS Mühlhausen-AS Hohenstadt
(neu), Albaufstieg 8,0 km
2 Schleswig-
Holstein/
Niedersachsen A 20: Elbequerung
nordwestlich Hamburg 9,0 km
3 Berlin A 100: AD Neukölln-
AS Landsberger Allee 8,7 km
4 Bremen A 281: Weserquerung, Bremen 4,4 km
5 Bayern B 21: Kirchholztunnel, Bad Reichenhall 3,7 km
6 Rheinland-
Pfalz B 50n: Hochmoselübergang,
Wittlich/Bernkastel 19,4 km
7 Mecklenburg-
Vorpommern B 96n: Strelasundquerung
zur Insel Rügen 4,0 km
8 Nordrhein-
Westfahlen A 52: Verbindung der A40
mit der A42 (Essen) 8,7 km
9 Schleswig-
Holstein B75/B 104: Tunnelneubau
TravequerungLübeck
(Ersatz Herrenbrücke) 0,8 km
10 Mecklenburg-
Vorpommern B103: Warnowquerung, Rostock 4,0 km
(AD = Autobahndreieck; AS = Anschlussstelle)

"Zwei Euro bitte", fordert der Kassierer im Mauthäuschen, bevor sich die Schranke zur Tunneldurchfahrt öffnet. Was bisher in Deutschland undenkbar schien, wird ab September 2003 zum Alltag im Rostocker Straßenverkehr gehören. Bund, Land und Kommunen sind chronisch klamm - da müssen die Privaten ran. Und deshalb baut das französische Unternehmen Bouygues in der Hansestadt nicht nur den Tunnel unter der Warnow, sondern finanziert und betreibt ihn auch in Zukunft. Wer mit dem Auto durch die Röhre will, muss zahlen, damit sich das Projekt rechnet.
Zehn Pkw-Mautstellen 2003
Es ist nicht das einzige: Bis jetzt weist das Bundesverkehrsministerium zehn Vorhaben aus, die in den nächsten Jahren so verwirklicht werden sollen. Dort wird dann nicht nur für Lkw, sondern für alle Autos eine Maut fällig.
Jochen Hövekenmeier, Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD), hat für diese Verkehrspolitik kein Verständnis: "Wo soll das hinführen, wenn jeder Regionalfürst Wegezoll erheben darf? Jahrelang wurde versäumt, ein gesamtdeutsches Konzept zu entwickeln, und jetzt ist der Autofahrer wieder einmal die Melkkuh der Nation."
Dabei hat der AvD gar nichts gegen die Maut. Er fordert eine Zweckbindung der Einnahmen. In diesem Jahr bekommt der Staat etwa 60 Milliarden Euro aus Kraftfahrzeug-, Mineralöl- und Ökosteuer. Hövekenmeier prangert an, dass davon weniger als ein Drittel zurück in den Verkehrsetat fließt - und davon ein nicht unerheblicher Teil auch noch an die Deutsche Bahn.Kfz-Steuer wird abgeschafft? In Deutschland nicht
>Eine Alternative könnte so aussehen: Die Kfz-Steuer wird abgeschafft und ein einheitliches Mautsystem eingeführt. Mit dem Gebührenaufkommen für die Jahresvignetten könnten neue Verkehrsprojekte realisiert werden.
Doch davon ist Deutschland weit entfernt. Da die Kfz-Steuer den Ländern gehört, ist es unwahrscheinlich, dass der Bundesrat einer Abschaffung zustimmt. Stattdessen wird es noch toller. Über die zehn Betreibermodelle hinaus will sich der Bund eine Reihe weiterer Projekte privat vorfinanzieren lassen und dann in Raten abstottern. Das schont zunächst die öffentlichen Kassen, hat aber einen Haken: Die Investoren wollen natürlich Gewinn machen und kassieren also mehr, als der eigentliche Bau kostet. So ist der nächste Griff in die Tasche des Autofahrers schon fast programmiert. Hövekenmeier befürchtet: "Eines Tages wird man vor Fahrtantritt kalkulieren müssen, ob die Reise nach München nicht zu teuer wird."
Nr. Bundesland Projekt Länge
1 Baden-
Württemberg A 8: AS Mühlhausen-AS Hohenstadt
(neu), Albaufstieg 8,0 km
2 Schleswig-
Holstein/
Niedersachsen A 20: Elbequerung
nordwestlich Hamburg 9,0 km
3 Berlin A 100: AD Neukölln-
AS Landsberger Allee 8,7 km
4 Bremen A 281: Weserquerung, Bremen 4,4 km
5 Bayern B 21: Kirchholztunnel, Bad Reichenhall 3,7 km
6 Rheinland-
Pfalz B 50n: Hochmoselübergang,
Wittlich/Bernkastel 19,4 km
7 Mecklenburg-
Vorpommern B 96n: Strelasundquerung
zur Insel Rügen 4,0 km
8 Nordrhein-
Westfahlen A 52: Verbindung der A40
mit der A42 (Essen) 8,7 km
9 Schleswig-
Holstein B75/B 104: Tunnelneubau
TravequerungLübeck
(Ersatz Herrenbrücke) 0,8 km
10 Mecklenburg-
Vorpommern B103: Warnowquerung, Rostock 4,0 km
(AD = Autobahndreieck; AS = Anschlussstelle)
