Marktumfrage/Weiter abwärts trotz guter Konjunktur


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Marktumfrage/Weiter abwärts trotz guter Konjunktur

 
26.03.02 17:41
Von vwd Börsenkorrespondent Michael Otto Denzin



Frankfurt (vwd) - Trotz überraschend guter Konjunkturdaten vom ifo-Index erwarten die drei von vwd am Dienstag befragten Technischen Analysten eine anhaltende Abwärtstendenz im DAX. Das Vokabular unterscheidet sich aber deutlich: Von "normaler Korrektur auf hohem Niveau" bis "Ende einer Bären-Markt-Rally" reichen die Beschreibungen. Mit sofort und nachhaltig steigenden Kursen im DAX rechnet kein Analyst.



Eine längst überfällige Konsolidierung im DAX sieht Thomas Theuerzeit von der Stuttgarter Bank. Seine Einschätzung bezieht er aus der Stimmungslage und Positionierung der Investoren. Nun werde sie auch von der Marktseite bestätigt. Aus den Umfragen zum Stimmungsbarometer animusX sei hervorgegangen, dass DAX-Kurse rund um 5.500 Punkte zum Positionsabbau genutzt würden. Kaufbereitschaft sei dagegen erst auf Niveaus unterhalb von 5.200 Punkten zu finden. Richtige Nachfrage liege erst noch tiefer vor, zwischen 5.000 und 5.100 Punkten. Anders als die bisher für den deutschen Markt ermittelten Stimmungs-Indikatoren fragt animusX nach konkreten Kursmarken im DAX. Eine Bestätigung dieser Stimmungslage kommt zusätzlich von den Kurs-Indikatoren, sagt Theuerzeit. Der Stochastik habe zum Beispiel nach unten gedreht und zusätzlich eine negative Divergenz aufgebaut.



Unterstützungen erwartet Theuerzeit nicht vor 5.230/5.200 Punkten. Dort könne sich der DAX kurzfristig fangen. Mittelfristig rechnet der Analyst mit noch tieferen Kursen bis zu 5.100 oder 5.000 Punkten. Sie ergäben sich aus den Indikatoren mit Wocheneinstellung. Die Intermarket-Analyse stützt das Bild, sagt Theuerzeit. Die zu erwartende Schwäche der US-T-Bonds werde auch den deutschen Aktienmarkt belasten. In den Bonds habe sich eine Kopf-Schulter-Formation herausgebildet. Unterstützung vom ifo-Index zu erwarten, ist übertrieben, meint der Analyst: "Die guten Daten kamen aus der Erwartungskomponente im ifo". Hier aber könne "nicht nachgeliefert werden". Ab Mitte April sei mit Enttäuschungen aus den US-Quartalszahlen zu rechnen.



Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkardt. Er sieht Potenzial nach unten bis auf rund 5.120 Punkte. Dort aber sei der DAX zunächst gut unterstützt von altem Widerstand und der 200-Tage-Linie. "Solange wir da drüber bleiben, ist das Szenario positiv und wir haben nur eine Korrektur im Aufwärtstrend", sagt Sartoris. Anders sehe es bei einem Bruch der Marke aus. Sie würde zurück in den dominanten Abwärtstrend führen und den Index bis auf 4.700 Punkte nach unten tragen. Vom US-Index Standard & Poors 500 dürfe sich der DAX keine Hilfe erwarten. Die Lage sehe dort schlechter aus als hierzulande. Nachdem auch gute US-Konjunkturdaten dem Index nicht durch seine Widerstände geholfen habe, sei hier Luft bis 1.105 oder sogar 1.074 Punkte nach unten.



Das zu positive Sentiment in Deutschland müsse auch abgebaut werden, sagt Sartoris und verweist auf eine Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus der Monatsmitte: "Nur rund sechs Prozent der Marktteilnehmer haben damals mit abnehmenden Notierungen gerechnet". Dies sei zu bullish gewesen. Auch er sieht keine Unterstützung vom ifo-Index. Gute Zahlen waren eingearbeitet, sagt Sartoris. Als wahrscheinlichstes Szenario geht er von fallenden Kursen bis 5.120 Punkten und einem anschließenden Aufstieg bis auf rund 5.460 Zähler aus.Nicht selbstverständlich ist dagegen die Wiederaufnahme der steigenden Tendenz für Ludwig Gutmann von der Bayerischen Landesbank. Er sieht die Gefahr aus StanPoor500 und US-Anlegern für den deutschen Markt noch größer. Das Verhältnis von guter Laune und hohem Investitionsgrad bei US-Kleinanlegern und professionellen Investoren sei völlig verzerrt: "Die Kleinanleger sind rekordverdächtig long und bullish", sagt Gutmann. Laut "Barron's Individual Investor"-Umfrage seien nur elf Prozent der Kleinanleger bearish. Dies reiche nicht, um ein Doppeltop und die Widerstände im S&P500 zu nehmen.



Sollte der DAX den USA nur vorgelaufen sein, könne sich die Marke von 5.350 Stellen sogar im Nachhinein als Bullenfalle entpuppen. Dann habe man lediglich eine Bären-Markt-Rally gesehen und könne auf die Tiefs vom September zurückfallen. Allerdings sieht Gutmann auch die Möglichkeit einer profitablen "Übertreibung nach oben" im DAX. Da derzeit nicht absehbar sei, wie weit sie tragen könne, würde er seine ansonsten neutrale Haltung aufgeben: "Wenn wir die März-Hochs im DAX herausnehmen, würde ich mir auch selbst die Hörner aufsetzen", sagt der Analyst.



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