von deinem Szenario, einer Börsen-Refinanzierung.
Mal ganz pragmatisch: Wenn ich dich richtig verstehe, glaubst du, dass hier bei Thielert ein Investor die Thielert AG und die T.-GmbH zusammen erwerben will. Anschließend die AG reaktivieren, und durch den Verkauf, der bisher erworbenen, zuzüglich noch zu kaufender Aktien, über die Börse wieder einen Teil des Kaufpreises refinanzieren will. Soll heißen, Der Investor kauft derzeit über die Börse alle Aktien auf, bis er die 95%-Schwelle erreicht hat und damit Eigentümer der insolventen AG ist. Gleichzeitig bietet er für die insolvente T.-GmbH, und hofft auf den Zuschlag des IV Kübler. Schließlich, nach Abschluß aller Übernahmen, und Begleichung aller Schulden verkauft er einen Teil der Aktien wieder zu einem höheren Preis an der Börse.
Oder vereinfacht gesagt: Die Aktionäre sollen an der Sanierung der GmbH über die AG an den Kosten beteiligt werden.
Genialer Gedanke, wenn der IV Kübler und die Aktionäre alle mitspielen.
Meiner Meinung nach aber zu kompliziert und mit zu vielen Unwägbarkeiten behaftet:
1. Unsicherheit: Die Höhe des vorfinanzierbaren Kaufpreises aller Aktien bis zur 95%-Schwelle. Ob mit oder ohne "Platzhalter"
2. Unsicherheit: Die Höhe des NAV nach Abzug aller Verbindlichkeiten
3. Unsicherheit: Den Zuschlag in der Auktion für die TAE-GmbH zu erhalten.
zu 1. Ein seriöser Bieter und Investor würde nicht die Meldeschwellen im Aktiengesetz illegal umgehen. Daher hätte es hier schon eine Meldung über einen Anteilsbesitz von über 3 oder mehr Prozent hinaus geben müssen. Wenn hier Kriminelle ihre Finger im Spiel hätten würden sie alle Risiken ( siehe 2. und 3.) vermeiden oder ausschalten, bis auf das unvermeidliche Restrisiko der Aufdeckung der begangenen Straftat.
zu 2. Als zugelassener Bieter erhält man natürlich einen detaillierten Einblick in die Bücher und das Unternehmen selbst. Hier ergibt sich auch die genaue Höhe der Verbindlichkeiten. Wenn aber selbst bei einem positiven CashFlow und möglicherweise einem kleinen Gewinn die Rückführung aller Verbindlichkeiten Jahrzehnte dauern würde, wäre es für einen Investor nicht mehr attraktiv. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb es bisher noch keinen Zuschlag gab. Die Wertermittlung ohne die Schulden wäre zweifellos besser und ließe einen höheren Kurs der Aktie auch rechtfertigen. Die genaue Höhe ist aber auch dann immer noch nicht vorhersehbar um mit einem zukünftigen und fiktiven Aktienkurs auf Erlöse an der Börse zu rechnen.
zu 3. Darauf zu hoffen den Verkaufszuschlag für die TAE-GmbH zu erhalten, hängt nicht nur von der absoluten Höhe des Gebotes ab, sondern auch vom Erhalt der Arbeitsplätze und eines Masterplanes für die nächsten 5-10 Jahre der Thielertgruppe ab. Denn der IV ist zwar in erster Linie den Gläubigern verpflichtet, in zweiter und dritter Linie aber auch den Mitarbeitern und dem Fortbestand des Unternehmens an sich. Würde der Bieter in deinem mutmaßlichen Szenario hier nicht den Zuschlag erhalten, hätte er eine leere Mantel-AG und einen abstürzenden Aktienkurs, und damit einen herben Verlust eingefahren.
Zwischenfazit: Mir scheint dein Szenario hier äußerst unwahrscheinlich weil zu viele nicht beherrschbare Risiken vorhanden.
Dennoch könnte man deinen Gedanken an eine teilweise Refinanzierung aber auch auf einem anderen Wege durchspielen.
Bei dem von Kübler bisher favorisierten Ablauf, im Zuge einer übertragenden Sanierung, in Form eines Asset Deals, könnte ein Investor die besten Teile der TAE-GmbH "herauskaufen", diese in eine AG umwandeln, und davon 25% - 1 Aktie an der Börse verkaufen. Damit hätte er 3 Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Eingliederung der für ihn wichtigsten Teile in sein bisheriges Unternehmen/Konzerns, die absolute Kontrollmehrheit und die teilweise Refinanzierung des Kaufpreises. Und das alles mit einem sehr überschaubaren Risiko.
Leider bliebe aber in letzterem für die Aktionäre hier nur ein leerer und nahezu wertloser AG-Mantel übrig.