zu #14 Fintelwuselwix und #16:
Das Phänomen oder die Strategie nennt sich Darvas-Strategie:
Bei dieser werden nur Aktien erworben, deren Kurs sich auf Mehrjahres- oder Allzeithoch befindet. Es werden also bewusst Papiere gekauft, die "teuer" sind. Man setzt hier auf die Annahme, dass steigende Aktien dazu neigen, weiter zu steigen, da kaum mehr - nach der Theorie - Verkaufsdruck mehr auftritt.
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s. http://www.wallstreet-online.de/community/thread/661752-1.html :
24.10.2002 - Kaufe teuer, verkaufe noch teurer oder : Nicolas Darvas 2002
von Armin Brack
Der ungarische Tänzer Nicolas Darvas verblüffte Ende der 50er Jahre mit einer völlig neuen Anlagestrategie die Wall Street. Innerhalb von 18 Monate machte er aus 36.000 US-Dollar über 2 Millionen US-Dollar und wurde daraufhin von verschiedenen ungläubigen Börsenexperten und Neidern als Scharlatan bezeichnet.
Durch zahlreiche Verleumdungen neidischer Börsianer wurde gar die New Yorker Staatsanwaltschaft auf Darvas aufmerksam und leitete Ermittlungen gegen ihn ein. Allerdings: Vergeblich – alles war mit rechten Dingen zugegangen. In seinem erstmals 1960 erschienenen Bestseller „How I Made 2,000,000 In The Stock Market“ beschreibt der Ungar auf packende Art und Weise seine schier unglaubliche Erfolgs-Geschichte.
Soweit so gut: wirklich interessant wird die Geschichte aber dann, wenn man weiß, dass seine Methode auch heutzutage noch erfolgreich angewandt wird. Mehrere mir bekannte Börsianer (mich eingeschlossen ;-) setzen seit Jahren auf eine „modernisierte“ DARVAS-Strategie und sind damit sehr erfolgreich. Nicht nur in den Boomjahren der 90er sondern auch in den für die Mehrzahl der Börsianer schlichtweg katastrophalen letzten 2 ½ Jahren. Wie soll denn das funktionieren? Ganz einfach: bei konsequentem Anwenden der Kaufsignale finden sich in extrem schwachen Börsenphasen kaum Aktien, die sämtliche Kriterien für einen Kauf erfüllen. Der disziplinierte DARVAS-Trader bleibt so in extremen Baissephasen konsequent an der Seitenauslinie – und beobachtet von dort gelassen die weitere Entwicklung des Marktes.
Sendet der Markt – wie in den letzten beiden Handelstagen geschehen - erste Signale eines Trendwechsels aus, geht der Neo-DARVASianer sofort in Lauerposition. Fast wie von Geisterhand tauchen dann auch wieder Papiere auf, die die strengen Kriterien für einen Kauf erfüllen. Welche Aktie(n) das ist (sind), wird erst später verraten.
Zunächst soll die Methode vorgestellt werden, die in ihrer Grundidee verblüffend einfach ist und deren Eckpunkte nachfolgend skizziert werden:
1. Nur Aktien, die neue Höchstkurse erreicht haben, sind Kaufkandidaten. Bevorzugt werden dabei vor allem Aktien, die ein neues Allzeit-Hoch vorweisen können beziehungsweise in den letzten Handelstagen ein neues Allzeit-Hoch erreichten und nun wenige Prozent darunter notieren. Die Begründung ist einleuchtend: markiert eine Aktie neue Hochs existieren keine charttechnischen Widerstandslinien mehr oder etwas bildhafter formuliert: es kommt kein Verkaufsdruck von Investoren, die steigende Kurse zum Glattstellen ihrer Verlustposition nutzen.
2. Nur Aktien, die hohe Börsenumsätze haben, werden gekauft. Nur liquide Werte geben dem Trader ein hohes Maß an Sicherheit bei Kauf und Verkauf jederzeit faire Kurse zu erhalten.
Ein Kaufkandidat muß einen starken Kursanstieg in den letzten Monaten vorweisen können – im Idealfall eine Vervielfachung des Kurses mindestens aber eine Verdopplung – der darüber hinaus auch ohne große Drawdowns, also starke Korrekturen vom jeweiligen Zwischenhoch, vonstatten ging. Zur Kontrolle des `vorschriftsmäßigen Verhaltens` einer Aktie, verwendete Nicolas Darvas die sogenannte `Kästchenmethode`. Dabei werden regionale Hoch- und Tiefpunkte, die eine Aktie in einem bestimmten Zeit-
Raum markiert hat, durch Kästchen hervorgehoben (vgl. obige Abbildung).
So lässt sich besser erkennen, ob die Drawdown-Bedingung erfüllt ist. Gleichzeitig entsteht ein Kaufsignal
in dem Moment, in dem die Aktie ein Kästchen nach oben verläßt und damit ein neues All-Time-High
markiert.
3. Beim Aufstieg gilt die untere Begrenzung des ‚alten‘ Kästchens gleichzeitig als StopLoss-Marke für die Position (siehe ebenfalls Abbildung). Diese wird also bereits beim Kauf festgelegt und ist zur Verlustbegrenzung auf jeden Fall zu beachten. Je nachdem um welche Aktie es sich handelt, befindet sich die StopLoss-Marke prozentual unterschiedlich weit vom Kaufkurs entfernt. Dadurch, dass Aktien mit starken negativen Ausschlägen nach unten gemieden werden bzw. gar nicht in Betracht kommen, da die Kästchen dann nicht sauber übereinander getürmt sind, wird normalerweise dafür gesorgt, dass die StopLoss-Marken nicht zu weit vom Kaufkurs entfernt gesetzt werden müssen und dadurch das Verlustrisiko in einem vertretbaren Rahmen bleibt.
4. Es gibt keinen Grund eine steigende Aktie zu verkaufen. Das ist meiner Meinung nach eine, wenn nicht die große Stärke dieser Strategie, da die ausgewählten Aktien als Highflyer oft in ungeahnte Kurs-Regionen vorstoßen und bereits ein erfolgreicher Trade mehrere kleinere durch StopLoss generierte Verlusttrades auffangen kann.
5. Es gibt keinen plausiblen Grund eine Aktie zu halten, die ihren Zenit bereits überschritten hat. Durch Setzen des Stop-Kurses werden derartige Aktien automatisch aus dem Depot befördert. Denn: Fällt eine Aktie unter ein bestimmtes Niveau wird die Chance, dass das Papier kurzfristig wieder neue Höchststände markieren wird, immer geringer. Klingt banal, aber das ist die sicherste Methode, um Loser-Aktien aus dem Depot zu verbannen.
6. Eine Position, die nach vier Wochen noch keinen Gewinn abgeworfen hat, zähle ich wenn es nicht einen sehr guten Grund gibt sie weiter zu halten, zu den Fehlinvestments (Anmerkung des Autors: Schließlich geht es darum schnell reich zu werden, denn „in the long run we are all dead“, wie schon Keynes wusste).
7. Fehltrades wird es immer wieder geben. Viele Anleger gehen an dieser Sache zugrunde, weil sie zu früh an ihrer Strategie zweifeln.
8. Man muss nicht immer investiert sein. Der Indikator ATH/ATL, ist eine gute Möglichkeit, um zu ermitteln wie die Verfassung des Gesamtmarktes ist. Je geringer der Quotient – also je mehr Aktien neue Tiefs und je weniger Aktien neue Hochs markieren – um so schlechter ist es um den Gesamtmarkt bestellt und umso weniger Grund gibt es investiert zu sein. Dieser Indikator ist jedoch nachrangig. Das heißt, wenn wirklich eine Aktie die erforderlichen Kriterien mustergültig erfüllt, kann trotzdem zugegriffen werden. Schließlich sind kurzfristige Bewegungen des Gesamtmarktes trotz aller technischer Hilfsmittel kaum zu prognostizieren.
Soweit also die Grundregeln, die natürlich nur die Eckpfeiler der Strategie sein können. Darüber hinaus ist natürlich noch ein bestimmtes Feintuning erforderlich, für das es aber keine eindeutigen Regeln geben kann. Hier muß jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln.
Fundamentale Gesichtspunkte beispielsweise bleiben zwar weitgehend unbeachtet, können aber in bestimmten Fällen durchaus von Interesse sein. So ist Vorsicht angebracht, wenn die KUVs oder KGVs allzu utopisch erscheinen, das heißt sich im oberen zweistelligen oder gar dreistelligen Bereich bewegen. Hier erhöht sich die Absturzgefahr bei der jeweiligen Aktie stark. Des weiteren sind auch sogenannte „Fahnenstangen“-Charts unbedingt zu meiden. Hierbei geht es um Aktien, die einen extrem steilen Anstieg hinter sich haben, der sich im Chart als nahezu senkrechter Strich nach oben bemerkbar macht.
Aber jetzt wie versprochen noch ein heißer Kaufkandidat zum Abschluß: Die Aktien von J2 Global Communications (US-Kürzel: JCOM) haben am Freitag ein neues Allzeit-Hoch markiert und erfüllen sämtliche Kaufkriterien mustergültig. Diese Aktie kann sofort gekauft werden. Gehen Sie mit der Hälfte ihrer geplanten Position am sofort in den Markt, mit der anderen Hälfte warten Sie einen Rücksetzer ab.Vergessen Sie nicht einen Stopp-Kurs circa 10-15 Prozent unter ihrem Einstiegskurs zur Verlustbegrenzung. Kaufen Sie das Papier direkt in den USA, da nur hier ein liquider Handel stattfindet.
Noch ein Hinweis in eigener Sache: selbstverständlich kann der obige Artikel nur einen ersten Einblick in die DARVAS-Strategie geben und wird darüberhinaus viele Fragen von Ihrer Seite aufwerfen. Diese könne im Startraders-Board diskutiert werden. Ich werde Sie über dort auch über die weitere Vorgehensweise bei J2 auf dem Laufenden halten und im Laufe der nächsten Wochen neue Kaufkandidaten vorstellen – vorausgesetzt der Gesamtmarkt spielt mit. Ich denke die Chancen stehen nicht schlecht!
Stand 12.10.02