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Wenigstens einen bringt die neue Steuer zum Strahlen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück feierte vor kurzem seinen neuesten Coup: die geplante Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge, auf die sich – geschickt getarnt im Paket zur Reform der Unternehmensteuern – das Kabinett nun nach langem Ringen geeinigt hat. Sie sei einer der wichtigsten finanzpolitischen Beschlüsse der vergangenen Jahre, frohlockte Steinbrück am selben Abend vor internationalem Publikum.
Für Anleger bedeutet die Abgeltungsteuer vor allem eins: Ab 2009 müssen alle Zinsen, Dividenden und Kursgewinne aus Aktien- und Fondskäufen pauschal mit 25 Prozent versteuert werden. Anlegerschützer, Opposition und Investmentgesellschaften befürchten das Schlimmste für die Kleinanleger und den deutschen Aktienmarkt.
Einige von ihnen waren anfangs sogar für die Pauschalsteuer. Sie sollte die Besteuerung von Kapitalerträgen endlich gerecht und einfacher machen. Statt jedes Jahr eine Einkommensteuererklärung abzugeben und detailliert Kurs- und Zinsgewinne, Freibeträge und Kosten für Fahrten zu Hauptversammlungen aufzulisten, werden die Banken und Depotgesellschaften künftig automatisch ein Viertel aller Kapitaleinkünfte ans Finanzamt abführen. Nach dem Motto: Die Steuer bereitet dem Anleger weniger Schmerzen, wenn er gar nicht erst etwas gutgeschrieben bekommt.
Jahrelang hatten die Finanzpolitiker um die Einführung der Abgeltungsteuer gerungen. Seit 2002 tauchte sie immer wieder auf der politischen Agenda auf. Mal war die SPD dafür, die CDU dagegen, dann wieder war es umgekehrt. Auch der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) unterstützte die geplante Steuer im Grundsatz. Jetzt allerdings sagt deren Vertreter Andreas Fink: »So hatten wir sie uns nicht vorgestellt.« Er meint: so hoch.
<!--START: LESERMEINUNG-->Finanzminister Steinbrück verweist jedoch aufs Ausland, wo es solche Steuern längst schon gebe. »Wir haben aufgeschlossen«, sagt er. Doch das stimmt nur zum Teil. In anderen Ländern gibt es zwar bereits eine Abgeltungsteuer, aber dort ist sie längst nicht so umfassend wie hier geplant. Österreich etwa wird oft als Vorbild genannt. Dort besteuert man aber keine Kursgewinne, sondern nur Zinsen und Dividenden. Auch in der Schweiz, in Belgien und in den Niederlanden sind Kursgewinne für Privatanleger steuerfrei. In Luxemburg ebenfalls, jedenfalls sofern sie länger als ein halbes Jahr gehalten werden. In Italien, Frankreich, Spanien und den USA greift der Fiskus hingegen auch bei Kursgewinnen zu – behält aber lediglich 15 bis 20 Prozent ein.
Hierzulande aber sind 25 Prozent vorgesehen, hinzu kommen noch der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer. Macht unterm Strich satte 28 Prozent. »Das ist also alles andere als ein Steuergeschenk, wie die Politiker immer propagieren«, sagt Steuerberaterin Birgit Hosemann, die sich auf die Besteuerung von Kapitalanlagen spezialisiert hat. Bislang wurde nur die Hälfte der eingenommenen Dividenden besteuert, diese allerdings zum persönlichen Steuersatz. Großverdiener kamen damit auf maximal 21 Prozent, Anleger mit geringem Einkommen lagen noch erheblich darunter. Nach der Berechnung des Deutschen Aktieninstituts wären 15 Prozent Abgeltungsteuer »fair« gewesen. Das hätte im Schnitt etwa dem jetzigen Stand entsprochen.
Ab 2009 wird jedes Umschichten des Depots sehr teuer
Der Reformplan hat noch weitere Finessen, die die Anleger künftig schlechter stellen. Dazu gehört die Abschaffung des Freibetrages auf Spekulationsgewinne und die der abzugsfähigen Werbungskosten. Vor allem die Abschaffung der einjährigen Spekulationsfrist wird für viele schmerzhaft sein. Bislang waren Kursgewinne steuerfrei, wenn ein Anleger seine Papiere länger als ein Jahr im Depot hatte. Diese Frist galt für alle Aktien, Anleihen, Optionsscheine und Investmentfonds. Künftig fällt die Steuer auch nach vielen Jahren noch an. Einzige Ausnahme: Wer die Papiere vor 2009 gekauft hat, bevor das neue Gesetz in Kraft tritt, der kann sich auch weiterhin über steuerfreie Kursgewinne nach Ablauf der Spekulationsfrist freuen. Man sollte sein Depot also möglichst noch 2008 langfristig bestücken, denn jedes Umschichten danach wird teuer.
Tatsächlich trifft die neue Abgeltungsteuer vor allem Langfristanleger. Dagegen ändere sich nicht allzu viel für diejenigen, die auf schnelle Gewinne aus seien, sagt Jürgen Kurz, Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): »Das private Vorsorgesparen fürs Alter wird deutlich teurer und ineffizienter, als es bereits ist.« Der deutschen Aktienkultur könnte Steinbrück damit einen wahren Bärendienst erweisen.
Schon jetzt lassen deutsche Anleger im Vergleich zu US-amerikanischen pro Jahr zwei Prozent Rendite auf der Straße liegen, weiß die DSW aus Studien. Hiesige Anleger investieren nämlich weniger in Aktien und wählen stattdessen weniger rentable Anlageformen. Noch immer ist das Sparbuch der Deutschen liebstes Anlageprodukt, obwohl dessen Verzinsung kaum die Inflation ausgleicht. Gleich dahinter rangieren Tagesgeldkonten und festverzinsliche Wertpapiere, etwa Bundesanleihen. Damit legen die Sparer zwar sicher an, aber mit magerem Zins. So müssen sie viel mehr Geld zurücklegen, wenn sie sich eine Zusatzrente erarbeiten wollen.
Bald wird es noch mehr sein. Ein Anleger, der 30 Jahre lang monatlich 100 Euro in einen durchschnittlichen Aktienfonds mit acht Prozent Rendite einzahlt, häuft so rund 150000 Euro an, darunter stolze 134000 Euro an Kursgewinnen. Laut BVI, der die Rechnung aufgestellt hat, konnte er sich davon bisher eine monatliche Zusatzrente von 1000 Euro auszahlen lassen, 20 Jahre lang. Künftig bezahlt er allein 32000 Euro Abgeltungsteuer. Danach bleiben noch 770 Euro monatlich, fast ein Viertel weniger. »Das wird die Neigung der Bevölkerung, in Aktien anzulegen, drastisch bremsen«, vermutet BVI-Vertreter Andreas Fink.
Aktien und Aktienfonds gelten als die großen Verlierer der Steuerreform, weil bei ihnen sowohl Kurs- als auch Dividendengewinne anfallen und voll besteuert werden. »Festverzinsliche Produkte stehen im Vergleich besser da«, sagt Steuerberaterin Hosemann, »es wird daher wohl einen Run auf diese Produkte geben.«
Zudem könnte es in Hinblick auf die Dividende für deutsche Anleger bald günstiger sein, ausländische Aktien zu kaufen. Dort fällt statt der Abgeltung- die günstigere Quellensteuer an. »Aber die deutschen Titel bleiben ja nicht auf der Straße liegen«, sagt Aktionärsschützer Kurz. Wenn hiesige Privatanleger sie künftig seltener kauften, nähmen ausländische Investoren sie eben ins Depot. Besonders die dividendenstarken Dax-Werte könnten so zunehmend in ausländische Hände gelangen. Für Investoren in anderen Ländern gilt die deutsche Abgeltungsteuer nämlich nicht.
Kleinverdiener trifft die neue Steuer am härtesten
Um ein Haar hätte die Reform auch die Lebensversicherer begünstigt: Der Zugewinn aus lang laufenden Policen wird nämlich seit 2005 laut Gesetz zur Hälfte versteuert, und das soll auch weiterhin so bleiben. Die Abgeltungsteuer für Lebensversicherungen hätte also bedeutet, dass der Staat bei ihnen 12,5 Prozent abzweigt statt 25 Prozent. Dagegen wehrte sich die Lobby der Investmentgesellschaften, sie drängte auf Gleichbehandlung und forderte ebenfalls nur den halben Steuersatz. Die Folge: In letzter Minute nahm Finanzminister Steinbrück die Lebens- und Rentenversicherer ganz von der Steuer aus. Bei ihnen bleibt alles beim Alten, der Zugewinn wird weiterhin nur zur Hälfte und zum persönlichen Steuersatz belastet.
Einfacher oder gerechter wird es durch die Pauschalsteuer nicht. Statt der Finanzämter erledigen bald die Banken die Abrechnungen. Aber wie soll die Verrechnung von Spekulationsverlusten und -gewinnen funktionieren, wenn Gewinnsteuern sofort eingezogen werden, das Depot danach aber Verluste macht? Was ist, wenn ein Kunde mehrere Bankverbindungen unterhält? Letztlich würden doch viele Auflistungen und Rückforderungen am Anleger hängen bleiben, sagt die Steuerberaterin Hosemann aus Erfahrung.
Was viele zudem nicht verstehen: Da propagiert die Regierung, die Bürger müssten sich eigenständig um ihre private Altersvorsorge kümmern, »und nun wirft sie ihnen genau dort Knüppel zwischen die Beine«, sagt DSW-Vertreter Kurz. Anleger nähmen für die Altersvorsorge das Risiko des Kapitalmarktes in Kauf. In Zeiten guter Gewinne würde der Staat einfach mitkassieren. Verlieren würde er selbst bei Kursstürzen nichts. Im Gegensatz zu den Anlegern.
Zwar wehrten sich SPD-Parteilinke wie Andrea Nahles gegen Finanzminister Steinbrücks Steuerreformpaket, aber sie kritisieren daran nur, dass die Regierung die Steuern für die Unternehmen senken will. Nicht, dass sie für Privatanleger im gleichen Atemzug die Steuern erhöht. Dabei trifft die Abgeltungsteuer die Kleinsten am härtesten. Anleger mit einem Einkommensteuersatz von unter 25 Prozent zahlen im Vergleich zum heutigen Halbeinkünfteverfahren drauf.
Wer jetzt meint, diese Leute könnten sich ohnehin keine Aktien leisten, der irrt. So wird der Fiskus künftig zum Beispiel auf die Depots von Rentnern stärker zugreifen und auf solche, die Eltern für ihre Kinder angelegt haben. Etwa 25 Millionen Deutsche liegen unter dem Satz von 25 Prozent, sechs Millionen davon dürften Kapitalerträge haben, schätzt der BVI. Längst riefen die Chefs von SPD und CDU auch die Kritiker in den eigenen Reihen zur Raison: Die Koalition will den Gesetzentwurf um jeden Preis verabschieden.
Die Verbände hoffen zwar, dass sie doch noch Gegenstimmen mobilisieren können. Doch die Öffentlichkeit hat erstaunlich wenig gegen die Reform aufgemuckt, stellen Aktionärsschützer verwundert fest. »Im Prinzip repräsentieren die Abgeordneten im Bundestag aufs Beste die Gesellschaft«, sagt Aktionärsvertreter Kurz, »die meisten haben wenig Ahnung, was Aktien sind und welchen Nutzen sie für Volkswirtschaft und Altersvorsorge haben.« Schließlich stellen Studien immer wieder fest, dass sich Deutsche nur ungern mit finanziellen Fragen auseinandersetzen – und noch weniger gern darüber reden.
Renditen mit deutschen Aktien, je nach Einstiegszeitpunkt (man sollte schon den Zinseszinseffekt kennen, den ma ja auch bei Staatsanleihen erreichen kann):
| Einstiegsjahr: | 1960 | 1965 | 1970 | 1975 | 1980 | 1985 | 1988 (*) | 1990 | 1995 | 2000 | 2005 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Rendite p. a. in % Ausstieg: 27.12.02: | 4,51 | 4,77 | 4,67 | 7,14 | 7,91 | 7,07 | 7,21 | 3,51 | 3,98 | -25,15 | -,-- |
| Rendite p. a. in % Ausstieg: 29.12.03: | 5,19 | 5,54 | 5,55 | 8,11 | 9,05 | 8,56 | 8,97 | 5,72 | 7,40 | -12,54 | -,-- |
| Rendite p. a. in % Ausstieg: 29.12.04: | 5,24 | 5,58 | 5,61 | 8,09 | 8,99 | 8,50 | 8,88 | 5,83 | 7,40 | -8,85 | -,-- |
| Rendite p. a. in % Ausstieg: 30.12.05: | 5,68 | 6,07 | 6,16 | 8,67 | 9,65 | 9,34 | 9,84 | 7,07 | 9,09 | -3,63 | 26,32 |
| Rendite p. a. in % Ausstieg: 29.12.06: | 6,00 | 6,59 | 6,56 | 9,06 | 10,08 | 9,88 | 10,45 | 7,89 | 10,11 | -0,33 | 24,09 |
| (*): DAX®-Gründung; vorherige Werte sind simuliert. Basis: jeweils 1. Tagesschlusskurs des Einstiegsjahres (Ausnahme Gründungszeitpunkt 1988 0.00 Uhr: 1000) ACHTUNG: Die ausgewiesene Rendite ist immer ein Zinseszins! Gilt auch für negative Renditen. | |||||||||||
Seit 1960 hätten Bundeschatzbriefe mithalten können. Ihre Haltung wäre kostenlos gewesen. Dass es kostenlose Depots gibt ist relativ neu.
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