Let's have a party!


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Happy End:

Let's have a party!

 
11.10.02 10:15
Es war ein rauschendes Börsenfest, das die Anleger von Mitte bis Ende der neunziger Jahre in Euphorie versetzte. Dafür ist der Kater jetzt umso schlimmer. Die nächste Party kommt bestimmt, wird aber überlegter gefeiert.

Das Wehklagen der Anleger wird immer lauter, die "Sinfonie des Jammers" bekommt fast täglich neue Strophen. Die Frage, die immer lauter gestellt wird, lautet: Warum macht die Börse das mit uns? Warum sinken die Kurse so unglaublich tief?

Dabei ist die Antwort auf diese Frage sehr offensichtlich und leicht zu geben, aber weil mit dieser Antwort das Eingeständnis der eigenen Fehler einhergeht, wird sie oft weit vor sich hin geschoben. Deshalb sei es hier einmal ganz klar gesagt: Die aktuelle Börsensituation ist die Kompensation der späten neunziger Jahre!

Wir erinnern uns: Mitte der Neunziger wurde eine Börsenrakete gezündet, die bisher ihresgleichen sucht. Es startete eine riesengroße exzessive Kapitalmarktparty, an der es alles gab, was das Anlegerherz begehrt. 1000 Prozent Kurssprung in zwölf Monaten - na klar. Mehrere 100 Prozent innerhalb weniger Wochen - kein Problem. Langjährige Umsatz- und Ertragssteigerungen in den nächsten 20 Jahren - nur bitte nicht zu bescheiden werden.

Es war eine berauschende Party mit allem Zick und Zack. Die Promis auf Sylt und die Hardliner auf St. Pauli können nicht ausgelassener feiern. Ein Kollege von mir brachte die Zeit mit der Umschreibung "greedy nineties" auf den Punkt.

Niemand störte sich ernsthaft daran, dass die Kurse Erwartungshaltungen einpreisten, die offensichtlich nicht auf längere Zeit zu halten waren. Aber, immer wieder genährt durch die öffentliche Diskussion über scheinbar grenzenloses und inflationsfreies Wachstum, wurde dieser Komponente keine Beachtung mehr geschenkt.

Aktien mit einem KGV von über 500 waren immer noch "heiße" Tipps, ein KGV von 100 war normal, ein KGV von unter 50 deutete darauf hin, dass mit dem Unternehmen irgend etwas nicht in Ordnung war.

Dividendenrendite? Bitte, was ist das? Ich brauche doch keine Dividendenrendite von zwei Prozent pro Jahr. Das verdiene ich doch am Tag! Bei näherer Betrachtung hätte einem dabei schon auffallen können, dass die Tatsache, dass viele der neuen Firmen keine Dividenden gezahlt haben, nicht darauf zurückzuführen war, dass sie das absichtlich machten - eben weil es en vogue ist -, sondern das der Grund dafür schlichtweg ein anderer war: Es gab keine Gewinne, die man hätte ausschütten können!

Alles in allem waren die Jahre 1995 bis 2000 von einer solchen Goldgräberstimmung begleitet, wie wir sie nur selten gesehen haben. Doch dann kam, wie bei jeder Party, die Zeit, in welcher der Beleuchter das Licht im Saale wieder andreht, der DJ seine Platten packt und die zuvor "Schöngetrunkenen" ans Tageslicht gezerrt werden. Diese Phase der Realisierung ist die Börse in den letzten zwei Jahren durchlaufen.

Aktuell kommen wir in die Phase, die wir alle am meisten hassen. Wir sind von der Party bis nach Hause gelaufen. Die Füße schmerzen, die Ohren sind noch taub, aber das Schlimmste ist: Es droht sich ein Mordskater für den Folgetag an. Also noch schnell wahlweise eine Tasse heiße Milch trinken oder einen Brathering kalt essen (bitte nicht beides gemeinsam, das soll zu weiteren Nebeneffekten führen, welche die Nachtruhe empfindlich stören können).

Es ist der Punkt erreicht, an dem es heißt: Nie wieder eine solche Party! Nie wieder Alkohol! Nie wieder Frauen (wahlweise, für die weiblichen Leser: Männer!). Für die Börse heißt das: Die Anleger sind aus Aktien geflüchtet und wollen nie wieder in diese Assetklasse investieren. Jetzt wird der Ruf nach Garantiefonds laut. Gold gewinnt wieder an Attraktivität. Selbst festverzinsliche Papiere, die aktuell so wenig Ertrag wie selten in den letzten 50 Jahren bieten, erfreuen sich immer weiter steigender Popularität.

Fast scheint es, als sei das Ende der Aktie eingeläutet. Zu allem Überfluss wurde noch der Neue Markt "beerdigt" und durch eine neue Lösung ersetzt. War's das? Ich denke nicht. Bleiben wir im Partybild. Nach einem gesunden und meist langen Schlaf, häufig bis in den späten Nachmittag, erwacht man und denkt: War doch gar nicht so schlecht gestern, oder? Ich fühle mich zwar etwas matt, aber: Soll ich deshalb abends nur noch fernsehen? Gottschalk, Jauch und Co sind zwar interessant, aber es geht doch nichts über eine gute Feier.

Das nächste Mal verzichte ich zwar auf jedes zweite Alt (oder wahlweise Pils) und die kleinen Kurzen bleiben völlig im Schrank. Aber ansonsten ist gegen ein Fest nichts einzuwenden. Kapitalanleger werden in absehbarer Zeit ähnlich denken: Die Börsen sind sehr weit gesunken. Legt man die traditionellen Bewertungszahlen an, sogar viel zu weit. Und es gibt immer noch keine attraktive Alternative zur Beteiligung an Produktivkapital. Sind Bonds mit vier Prozent Zinsen wirklich die Erfüllung? Nach Steuern bleiben dann ja gerade noch zwei Prozent, nach der Inflation fast gar nicht mehr!

Also, es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die Anleger wieder für die Aktie erwärmen können, aber: Die Zeit wird kommen! Ob das schon vor oder erst kurz nach dem Jahreswechsel geschieht, das ist heute schwer absehbar. Doch mittel- bis langfristig wird niemand völlig auf die Aktien verzichten wollen.

Einige Standardwerte weisen heute KGVs im einstelligen Bereich auf oder haben Dividendenrenditen, welche über einer Rentenverzinsung liegen. Einige Aktien notieren nahe ihres Buchwertes. Wer jetzt neues Geld für die Anlage hat, kann ruhig schon einmal einen kleinen Anteil davon in Aktien geben. Dieser Anleger profitiert nämlich in dem Moment, in dem alle anderen langsam aus dem Koma der Kapitalmärkte erwachen und sich zurufen: Let's have a party!

http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,217164,00.html

Let's have a party! 812826
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Slater:

Du machst doch Deinem Namen wieder alle

 
11.10.02 10:23
Ehre.Hoffentlich ein Party mit Happy End (watt 'n Wortspiel)
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Happy End:

Hat die Party begonnen? ;-)))))

 
16.10.02 14:31
 
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