Kaum jemand kauft E-Books. Doch die Medien-Konzerne hoffen noch immer auf den großen Durchbruch
Selbst Menschen mit ausgeprägtem Sinn für Technik halten nur wenig von der Idee des elektronischen Buches. "Lesen im Bett macht Spaß", sagt der 37-jährige New Yorker Mark Sorensen, den digitale Errungenschaften eigentlich begeistern. "Doch ich möchte nicht neben so einem glimmenden Apparat einschlafen." Anfänglich sagte man den elektronischen Texten voraus, sie würden traditionelle Bücher in die Museen verdrängen, weil sie den Verlegern Kosten sparen und die Kunden von der Last dicker Bände befreien. Doch die meisten Bücherfreunde ignorieren die E-Books. Der Grund liegt auf der Hand: Die Leser sind nicht bereit, auf den so genannten Tablet-Computer umzusteigen, dem Lesegerät für die Textdateien.
"Es scheint, als seien Papier und Tinte in gebundener Form eine sehr effektive Produktionstechnik", sagt Daniel O'Brien, Analyst bei Forrester Research. "Digitale Bücher lesen sich fürchterlich. Die meisten Leute drucken doch bereits eine E-Mail aus, wenn sie mehr als drei Absätze hat." Eine Umfrage des Marktforschers Booktrends unter Internetnutzern ergab, dass von ihnen lediglich vier Prozent "wahrscheinlich" ein E-Book kaufen würden, während zwanzig Prozent einen Kauf nur für "erwägenswert" hielten.
Der New Yorker Internet-Analyst Jupiter Media Metrix erwartet, dass Ende 2001 nur 100 000 Lesegeräte im Umlauf waren. Im Jahresumsatz der amerikanischen Buchindustrie, der bei 16,1 Milliarden Euro lag, fallen die E-Book-Titel gar nicht ins Gewicht. Auch für Stephen Kings Internetroman "The Plant" hat das Ausbleiben der Leser nach nur sechs Kapiteln das Ende bedeutet. 2001 haben AOL Time Warner und Bertelsmann ihre einst eigenständigen Verlagsbereiche für E-Books zurück in die Hauptunternehmen eingegliedert. Und für einst hoffnungsvolle Startups, wie Net-Library und Reciprocal blieb nur der Weg in die Insolvenz.
Bessere Technik soll die Wende bringen
Für die Vorreiter im Bereich E-Book, angeführt von den Software-Riesen Microsoft, Adobe und dem Medienkonzern Gemstar TV Guide International, ist der Durchbruch nur eine Frage der Zeit. Dick Brass, Vizechef des Bereichs Forschung und Technik bei Microsoft, vergleicht die heutige Situation mit den Sorgen der Automobilindustrie in der Gründungsphase, als der Kunde mit einem Pferd besser bedient war. "Es gab überall Hafer, aber kaum irgendwo Benzin. Zwanzig Jahre später sah man kaum noch Pferde in den Städten", erzählt Brass.
Das gleiche gelte für E-Books, für die er bis 2005 einen Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar voraussagt. In Genres wie Lexika und Bedienungsanleitungen gelten E-Books als besonders geeignet - einfach zu aktualisieren, können sie auch Internet-Links enthalten. Der Verlag Rough Guides berichtet über gute Verkäufe von Städteführern im elektronischen Format, die leicht auf Taschencomputer heruntergeladen werden können. "Geschäftsreisende schätzen es, dass bis zu 100 Bücher in ein leichtes Gerät passen", sagt Jennifer Gold von Rough Guides Media in New York. Auch bei Lehrbüchern bietet sich das Medium an: Lehrer können Kapitel überarbeiten und an Lehrpläne anpassen. Obwohl der Vertrieb in diesem Bereich erst 2001 begann, stehen bereits mehrere Hundert Titel zur Verfügung.
Der Analyst Daniel O'Brien schätzt, dass der Marktanteil von E-Books bei Lehrbüchern bis 2005 auf 25 Prozent klettern wird. Dennoch bleibt es eine leidgeplagte Branche. Teilweise liegt dies an fehlender Vielfalt: Die Verlage weigern sich bislang, ihre Bestände freizugeben - vor allem, weil man den kostenlosen Austausch über das Internet fürchtet. Der Preis scheint ein weiteres Hindernis. Damit ihr Druckgeschäft nicht ruiniert wird, verlangen Verleger für die E-Books oft mehr als für herkömmliche Bücher. "Verlage können nicht ernsthaft glauben, dass sie 25 Dollar für ein paar Daten verlangen können", sagt Daniel O'Brien.
Die Branche hat reagiert und neue Marketing-Initiativen gestartet: Wer bei Barnesandnoble.com die Biographie des Ex-General-Electric-Chefs Jack Welch ordert, bekommt die elektronische Ausgabe dazu. Harper-Collins gibt beim Kauf einiger E-Books einen weiteren Titel kostenlos dazu und gewährt allen Kunden freien Zugang zu den drei ersten Kapiteln eines jeden E-Books.
Gleichwohl, die Tablet-Computer bleiben eine Enttäuschung. Ihre LCD-Displays lassen sich zwar gut im Dunkeln lesen, bei Sonnenlicht sind sie jedoch kaum zu entziffern. In den meisten Situationen können sie in Deutlichkeit und Kontrast nicht mit gedruckten Zeichen mithalten. Auch wenn säurefreies Papier vergilbt, kann man es noch nach 500 Jahren lesen. Was dagegen digitale Langlebigkeit bedeuten kann, weiß jeder, dessen Computer einmal abgestützt ist.
Echte Lesefreude wird es für E-Books erst mit papierähnlichen Darstellung geben, an der mehr als 30 Firmen arbeiten. Eine mögliche Technik ist ein Plastikschirm mit Millionen Kapseln, die sich je nach Ladung hell oder dunkel färben. Die US-Firma E-Ink plant zusammen mit Philips für Mitte 2003 die Auslieferung der ersten Geräte. Bis 2005 will man dann eine leichte Ausgabe bauen, die sich einrollen und in die Tasche stecken lässt. "Bevor die Darstellungen nicht mit Papier mithalten, wird es keine digitale Revolution geben", sagt James P. Iuliano, Geschäftsführer von E-Ink. Produzenten von Taschen-PCs und anderen Mehrzweckgeräte könnten ebenfalls profitieren: Der Hersteller Palm hat vergangenes Jahr bereits 180 000 Titel als E-Book verkauft, 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Chancen sehen Beobachter auch für Microsofts Tablet-PC, einem neuen Mini-Computer. Microsoft hofft, dass bis Ende 2003 der Anteil von Tablet-PCs an der Gesamtzahl der Minicomputer auf mindestens ein Drittel anwachsen wird.
Aber noch gibt es für Mark Sorensen keine Alternative zur gebundenen Ausgabe vom Hemingway-Klassiker auf seinem Nachttisch: "Wenn Papa Hemingway wüsste, dass seine Memoiren als E-Book gelesen werden, würde er vor Ärger aus seinem Grab steigen und mir ordentlich eine verpassen."
Selbst Menschen mit ausgeprägtem Sinn für Technik halten nur wenig von der Idee des elektronischen Buches. "Lesen im Bett macht Spaß", sagt der 37-jährige New Yorker Mark Sorensen, den digitale Errungenschaften eigentlich begeistern. "Doch ich möchte nicht neben so einem glimmenden Apparat einschlafen." Anfänglich sagte man den elektronischen Texten voraus, sie würden traditionelle Bücher in die Museen verdrängen, weil sie den Verlegern Kosten sparen und die Kunden von der Last dicker Bände befreien. Doch die meisten Bücherfreunde ignorieren die E-Books. Der Grund liegt auf der Hand: Die Leser sind nicht bereit, auf den so genannten Tablet-Computer umzusteigen, dem Lesegerät für die Textdateien.
"Es scheint, als seien Papier und Tinte in gebundener Form eine sehr effektive Produktionstechnik", sagt Daniel O'Brien, Analyst bei Forrester Research. "Digitale Bücher lesen sich fürchterlich. Die meisten Leute drucken doch bereits eine E-Mail aus, wenn sie mehr als drei Absätze hat." Eine Umfrage des Marktforschers Booktrends unter Internetnutzern ergab, dass von ihnen lediglich vier Prozent "wahrscheinlich" ein E-Book kaufen würden, während zwanzig Prozent einen Kauf nur für "erwägenswert" hielten.
Der New Yorker Internet-Analyst Jupiter Media Metrix erwartet, dass Ende 2001 nur 100 000 Lesegeräte im Umlauf waren. Im Jahresumsatz der amerikanischen Buchindustrie, der bei 16,1 Milliarden Euro lag, fallen die E-Book-Titel gar nicht ins Gewicht. Auch für Stephen Kings Internetroman "The Plant" hat das Ausbleiben der Leser nach nur sechs Kapiteln das Ende bedeutet. 2001 haben AOL Time Warner und Bertelsmann ihre einst eigenständigen Verlagsbereiche für E-Books zurück in die Hauptunternehmen eingegliedert. Und für einst hoffnungsvolle Startups, wie Net-Library und Reciprocal blieb nur der Weg in die Insolvenz.
Bessere Technik soll die Wende bringen
Für die Vorreiter im Bereich E-Book, angeführt von den Software-Riesen Microsoft, Adobe und dem Medienkonzern Gemstar TV Guide International, ist der Durchbruch nur eine Frage der Zeit. Dick Brass, Vizechef des Bereichs Forschung und Technik bei Microsoft, vergleicht die heutige Situation mit den Sorgen der Automobilindustrie in der Gründungsphase, als der Kunde mit einem Pferd besser bedient war. "Es gab überall Hafer, aber kaum irgendwo Benzin. Zwanzig Jahre später sah man kaum noch Pferde in den Städten", erzählt Brass.
Das gleiche gelte für E-Books, für die er bis 2005 einen Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar voraussagt. In Genres wie Lexika und Bedienungsanleitungen gelten E-Books als besonders geeignet - einfach zu aktualisieren, können sie auch Internet-Links enthalten. Der Verlag Rough Guides berichtet über gute Verkäufe von Städteführern im elektronischen Format, die leicht auf Taschencomputer heruntergeladen werden können. "Geschäftsreisende schätzen es, dass bis zu 100 Bücher in ein leichtes Gerät passen", sagt Jennifer Gold von Rough Guides Media in New York. Auch bei Lehrbüchern bietet sich das Medium an: Lehrer können Kapitel überarbeiten und an Lehrpläne anpassen. Obwohl der Vertrieb in diesem Bereich erst 2001 begann, stehen bereits mehrere Hundert Titel zur Verfügung.
Der Analyst Daniel O'Brien schätzt, dass der Marktanteil von E-Books bei Lehrbüchern bis 2005 auf 25 Prozent klettern wird. Dennoch bleibt es eine leidgeplagte Branche. Teilweise liegt dies an fehlender Vielfalt: Die Verlage weigern sich bislang, ihre Bestände freizugeben - vor allem, weil man den kostenlosen Austausch über das Internet fürchtet. Der Preis scheint ein weiteres Hindernis. Damit ihr Druckgeschäft nicht ruiniert wird, verlangen Verleger für die E-Books oft mehr als für herkömmliche Bücher. "Verlage können nicht ernsthaft glauben, dass sie 25 Dollar für ein paar Daten verlangen können", sagt Daniel O'Brien.
Die Branche hat reagiert und neue Marketing-Initiativen gestartet: Wer bei Barnesandnoble.com die Biographie des Ex-General-Electric-Chefs Jack Welch ordert, bekommt die elektronische Ausgabe dazu. Harper-Collins gibt beim Kauf einiger E-Books einen weiteren Titel kostenlos dazu und gewährt allen Kunden freien Zugang zu den drei ersten Kapiteln eines jeden E-Books.
Gleichwohl, die Tablet-Computer bleiben eine Enttäuschung. Ihre LCD-Displays lassen sich zwar gut im Dunkeln lesen, bei Sonnenlicht sind sie jedoch kaum zu entziffern. In den meisten Situationen können sie in Deutlichkeit und Kontrast nicht mit gedruckten Zeichen mithalten. Auch wenn säurefreies Papier vergilbt, kann man es noch nach 500 Jahren lesen. Was dagegen digitale Langlebigkeit bedeuten kann, weiß jeder, dessen Computer einmal abgestützt ist.
Echte Lesefreude wird es für E-Books erst mit papierähnlichen Darstellung geben, an der mehr als 30 Firmen arbeiten. Eine mögliche Technik ist ein Plastikschirm mit Millionen Kapseln, die sich je nach Ladung hell oder dunkel färben. Die US-Firma E-Ink plant zusammen mit Philips für Mitte 2003 die Auslieferung der ersten Geräte. Bis 2005 will man dann eine leichte Ausgabe bauen, die sich einrollen und in die Tasche stecken lässt. "Bevor die Darstellungen nicht mit Papier mithalten, wird es keine digitale Revolution geben", sagt James P. Iuliano, Geschäftsführer von E-Ink. Produzenten von Taschen-PCs und anderen Mehrzweckgeräte könnten ebenfalls profitieren: Der Hersteller Palm hat vergangenes Jahr bereits 180 000 Titel als E-Book verkauft, 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Chancen sehen Beobachter auch für Microsofts Tablet-PC, einem neuen Mini-Computer. Microsoft hofft, dass bis Ende 2003 der Anteil von Tablet-PCs an der Gesamtzahl der Minicomputer auf mindestens ein Drittel anwachsen wird.
Aber noch gibt es für Mark Sorensen keine Alternative zur gebundenen Ausgabe vom Hemingway-Klassiker auf seinem Nachttisch: "Wenn Papa Hemingway wüsste, dass seine Memoiren als E-Book gelesen werden, würde er vor Ärger aus seinem Grab steigen und mir ordentlich eine verpassen."