Die Athener Börse hat im Olympia-Jahr Chancen auf eine Goldmedaille
Die Kolumne
von Michael Schramm
Am 13. August dieses Jahres beginnen die Olympischen Sommerspiele in Athen. Dieses Datum ist nicht nur für sportbegeisterte Menschen, sondern auch für Finanzinvestoren interessant. Denn Untersuchungen haben ergeben, dass die Börsen von Ländern, in denen sportliche Großereignisse stattfinden, im Vorfeld überwiegend zu den Outperformern gegenüber dem MSCI-Welt-Index gehörten. Dies trifft bisher auch auf die Athener Börse zu. So beläuft sich die Outperformance des MSCI-Griechenland-Index gegenüber dem MSCI-Welt in Euro auf genau zehn Prozent seit 1. Januar 2002. Auch gegenüber dem Euro-Stoxx-50 schnitt der griechische Aktienmarkt im gleichen Zeitraum acht Prozent besser ab.
Es sind aber nicht nur statistische Fakten, die für ein Investment in griechische Aktien sprechen. Vergleicht man die wirtschaftlichen Rahmendaten Griechenlands mit anderen Ländern der EU, so trifft man auch hier auf viel Positives. Entgegen der allgemeinen Wachstumsschwäche in der EU konnte Griechenlands Bruttosozialprodukt im vergangenen Jahr um über vier Prozent wachsen. Kein anderes EU-Land konnte ein derart starkes Wachstum vorweisen. Ebenfalls zur Spitzengruppe gehört Griechenland bei der Bekämpfung der Neuverschuldung. Lediglich 1,2 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug die Neuverschuldungsrate im vergangenen Jahr. Der Durchschnitt in der EU liegt bei 2,8 Prozent.
Das hohe Wirtschaftswachstum wirkt sich positiv auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen aus. So erwarten die Analysten für dieses Jahr ein durchschnittliches Gewinnwachstum von über 20 Prozent. Ebenfalls bemerkenswert ist die attraktive Bewertung des Aktienmarktes, dessen KGV nur 13 für 2004 beträgt. Ein Wermutstropfen bleibt die hohe Gesamtverschuldung des Landes, die mit 94,5 Prozent zum BIP immer noch deutlich über den erlaubten 60 Prozent der Maastricht-Kriterien liegt. Hier bleibt aber zu vermerken, dass noch vor fünf Jahren die Verschuldung bei 105,5 Prozent lag - somit der Trend durchaus positiv ist. Neutral zu beurteilen ist die Inflationsrate, die mit 2,8 Prozent etwas über dem Durchschnitt in der Europäischen Union liegt.
Die griechische Wirtschaft erlebte in den vergangenen drei Jahren wegen zahlreicher Infrastrukturvorhaben für die Ausrichtung der Olympischen Spiele ein Sonderkonjunkturprogramm. So bekam Athen neue U-Bahn-Linien, ein neuer Großflughafen wurde gebaut, Autobahnen wurden erweitert, Hotels und Stadien modernisiert, Telefonnetze digitalisiert und ein Dorf für die Athleten und Journalisten errichtet, das nach den Spielen sozial schwachen Familien als günstiger Wohnraum angeboten wird. Die Projekte werden die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands erhöhen, ein wichtiger Faktor im Wettbewerb mit anderen Ländern Südosteuropas um Standortvorteile. Neben der Baubranche wird vor allem die Tourismusindustrie von der Ausrichtung der Spiele profitieren. Autovermietungen, Hotels und die Betreiber der Fähr- und Flugverbindungen zwischen den Inseln werden sich über steigende Buchungszahlen freuen können. Denn sollte Olympia ein Erfolg werden - wovon auszugehen ist - werden viele der Touristen wiederkommen.
Daneben könnten die im März anstehenden Parlamentswahlen der Börse einen weiteren Kursaufschwung bescheren. Glaubt man den jüngsten Umfragen, wird die derzeitige Oppositionspartei "Neue Demokratie" die Wahl gewinnen. Das Regierungsprogramm der Partei gilt als wirtschaftsfreundlicher als das der amtierenden Regierung, da neben einer neuen Privatisierungswelle auch überproportionale Steuersenkungen für an der Börse gelistete Unternehmen angekündigt wurden. Auch gilt es zu erwähnen, dass die griechische Regierung noch über 30 Mrd. Euro Strukturhilfezahlungen von der EU bekommt. Diese können bis zum Jahr 2008 zur Förderung der Landwirtschaft, für Infrastrukturausgaben und zur Modernisierung der EDV-Systeme und Softwareprogramme des Landes ausgegeben werden. Berücksichtigt man, dass das gesamte Bruttosozialprodukt Griechenlands 2003 nur bei 151 Mrd. Euro lag, so liegt es auf der Hand, dass dies das nächste Sonderkonjunkturprogramm für die Wirtschaft für die kommenden vier Jahre sein wird.
Charttechnisch hat der Aktienmarkt gerade die wichtige Widerstandslinie von 2350 Punkten im ATG-Index nach oben durchbrochen. Auch damit eröffnet sich weiteres Kurspotenzial. Anleger, die an der erwarteten positiven Entwicklung des griechischen Aktienmarktes partizipieren wollen, sollten dies wegen der nicht vorhandenen Nähe zum Markt mit dem Kauf eines Indexzertifikates oder eines Fonds tun.
Artikel erschienen am 12. Jan 2004
Welt.de
Die Kolumne
von Michael Schramm
Am 13. August dieses Jahres beginnen die Olympischen Sommerspiele in Athen. Dieses Datum ist nicht nur für sportbegeisterte Menschen, sondern auch für Finanzinvestoren interessant. Denn Untersuchungen haben ergeben, dass die Börsen von Ländern, in denen sportliche Großereignisse stattfinden, im Vorfeld überwiegend zu den Outperformern gegenüber dem MSCI-Welt-Index gehörten. Dies trifft bisher auch auf die Athener Börse zu. So beläuft sich die Outperformance des MSCI-Griechenland-Index gegenüber dem MSCI-Welt in Euro auf genau zehn Prozent seit 1. Januar 2002. Auch gegenüber dem Euro-Stoxx-50 schnitt der griechische Aktienmarkt im gleichen Zeitraum acht Prozent besser ab.
Es sind aber nicht nur statistische Fakten, die für ein Investment in griechische Aktien sprechen. Vergleicht man die wirtschaftlichen Rahmendaten Griechenlands mit anderen Ländern der EU, so trifft man auch hier auf viel Positives. Entgegen der allgemeinen Wachstumsschwäche in der EU konnte Griechenlands Bruttosozialprodukt im vergangenen Jahr um über vier Prozent wachsen. Kein anderes EU-Land konnte ein derart starkes Wachstum vorweisen. Ebenfalls zur Spitzengruppe gehört Griechenland bei der Bekämpfung der Neuverschuldung. Lediglich 1,2 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug die Neuverschuldungsrate im vergangenen Jahr. Der Durchschnitt in der EU liegt bei 2,8 Prozent.
Das hohe Wirtschaftswachstum wirkt sich positiv auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen aus. So erwarten die Analysten für dieses Jahr ein durchschnittliches Gewinnwachstum von über 20 Prozent. Ebenfalls bemerkenswert ist die attraktive Bewertung des Aktienmarktes, dessen KGV nur 13 für 2004 beträgt. Ein Wermutstropfen bleibt die hohe Gesamtverschuldung des Landes, die mit 94,5 Prozent zum BIP immer noch deutlich über den erlaubten 60 Prozent der Maastricht-Kriterien liegt. Hier bleibt aber zu vermerken, dass noch vor fünf Jahren die Verschuldung bei 105,5 Prozent lag - somit der Trend durchaus positiv ist. Neutral zu beurteilen ist die Inflationsrate, die mit 2,8 Prozent etwas über dem Durchschnitt in der Europäischen Union liegt.
Die griechische Wirtschaft erlebte in den vergangenen drei Jahren wegen zahlreicher Infrastrukturvorhaben für die Ausrichtung der Olympischen Spiele ein Sonderkonjunkturprogramm. So bekam Athen neue U-Bahn-Linien, ein neuer Großflughafen wurde gebaut, Autobahnen wurden erweitert, Hotels und Stadien modernisiert, Telefonnetze digitalisiert und ein Dorf für die Athleten und Journalisten errichtet, das nach den Spielen sozial schwachen Familien als günstiger Wohnraum angeboten wird. Die Projekte werden die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands erhöhen, ein wichtiger Faktor im Wettbewerb mit anderen Ländern Südosteuropas um Standortvorteile. Neben der Baubranche wird vor allem die Tourismusindustrie von der Ausrichtung der Spiele profitieren. Autovermietungen, Hotels und die Betreiber der Fähr- und Flugverbindungen zwischen den Inseln werden sich über steigende Buchungszahlen freuen können. Denn sollte Olympia ein Erfolg werden - wovon auszugehen ist - werden viele der Touristen wiederkommen.
Daneben könnten die im März anstehenden Parlamentswahlen der Börse einen weiteren Kursaufschwung bescheren. Glaubt man den jüngsten Umfragen, wird die derzeitige Oppositionspartei "Neue Demokratie" die Wahl gewinnen. Das Regierungsprogramm der Partei gilt als wirtschaftsfreundlicher als das der amtierenden Regierung, da neben einer neuen Privatisierungswelle auch überproportionale Steuersenkungen für an der Börse gelistete Unternehmen angekündigt wurden. Auch gilt es zu erwähnen, dass die griechische Regierung noch über 30 Mrd. Euro Strukturhilfezahlungen von der EU bekommt. Diese können bis zum Jahr 2008 zur Förderung der Landwirtschaft, für Infrastrukturausgaben und zur Modernisierung der EDV-Systeme und Softwareprogramme des Landes ausgegeben werden. Berücksichtigt man, dass das gesamte Bruttosozialprodukt Griechenlands 2003 nur bei 151 Mrd. Euro lag, so liegt es auf der Hand, dass dies das nächste Sonderkonjunkturprogramm für die Wirtschaft für die kommenden vier Jahre sein wird.
Charttechnisch hat der Aktienmarkt gerade die wichtige Widerstandslinie von 2350 Punkten im ATG-Index nach oben durchbrochen. Auch damit eröffnet sich weiteres Kurspotenzial. Anleger, die an der erwarteten positiven Entwicklung des griechischen Aktienmarktes partizipieren wollen, sollten dies wegen der nicht vorhandenen Nähe zum Markt mit dem Kauf eines Indexzertifikates oder eines Fonds tun.
Artikel erschienen am 12. Jan 2004
Welt.de