Tja kalleari, ich bin schon lange der Meinung, dass der Solarmarkt ganz dringend eine globale Diversifikation braucht um endlich von den großen Solarmärkten wie Deutschland oder Italien sich unabhängiger zu machen. Genau das passiert gerade Gott sei Dank, jedoch werden neue Solarmärkte nicht auf einmal explodieren, sondern das wird meist langsam und kontinuierlich von statten gehen wie man z.B. an Österreich sieht.
2010 gab es 11 Solarmärkte mit einem Zubau von über 200 MW, 2011 waren es schon 14 und 2012 werden es wohl schon 18 sein und wenn ich mir anschaue was gerade so passiert, dann wird es in 2013 schon über 20 Länder geben, die einen Zubau von über 200 MW zu verzeichnen haben werden:
- in Südafrika gibt es eine Projektpipeline von 1.200 MW nach den Auktionen im November/Mai
- in Pakistan wollen alleine Suntech (100 MW) und Conergy (50 MW) schon 150 MW an Solarkraftwerken bauen
- der chinesische Projektierer Sky Solar will in Chile 300 MW an Solarkraftwerken bauen. Bis Ende 2013 sollen 150 MW durchgezogen werden.
- in Bulgarien baute Bosch ein 25 MW-Solarkraftwerk, Q-Cells beliefert drei Solarkraftwerke mit 16 MW, juwi baute mit First Solar-Modulen und SMA-Wechselrichter in Bulgarien ein Solarkraftwerk mit 4,3 MW und darüber hinaus haben die China-Solaris Canadian Solar und China Sunergy schon 10 MW in Bulgarien verbaut. Das alles war im 1.Halbjahr 2012. Jedoch hat auf diesen Boom die bulgarische Regierung sofort reagiert und am Freitag von Knall auf Fall die Einspeisevergütungen für Solar um 50% gekürzt.
- Saudi Arabien hat ein Solarprogramm auf den Weg gebracht. Jedoch sollen die verbauten Module nur aus heimischer Produktion stammen und damit müssen dann dort eigene Fabriken hochgezogen werden in Saudi-arabien um dort verkaufen zu können.
Das sind jetzt nur mal fünf neue Solarmärkte, die bis jetzt so gut wie noch gar nicht in Erscheinung getreten sind.
Das Wachstumspotential von Solar ist enorm, wenn man bedenkt, dass ganze Erdteile/Regionen so gut wie keine Solarinstallationen haben wie der Mittlere und Nahe Osten, Afrika oder Lateinamerika. Selbst der deutsche Solarmarkt dürfte in diesem Jahr wachsen und wohl ganz nah an die 8 GW kommen. In Q1 gab es ja schon ein Rekordzubau von 1,9 GW und in Q2 werden wohl nochmal so 1,9 GW dazu kommen, da ja die Übergangsfristen für Solarkraftwerke, die nicht auf Konversationsflächen gebaut werden, Ende Juni ausgelaufen sind und es sprießten ja förmlich an jeder Ecke in Deutschland große Solarkraftwerke wie Pilze aus dem Boden in den letzten Monaten.
Man sieht auch an der Aussage von RWE mit den 1 GW, die ja noch in diesem Jahr an Solar verbaut werden sollen, dass Solar durchaus auch bei uns in Deutschland für die großen Energieriesen eine attraktive Sache ist. Zwar hat der neue RWE-Chef Terium gegenüber Photon das eigene Solarausbauziel von 1 GW für dieses Jahr etwas relativiert mit "bei den 1 GW ist auch etwas Biomasse dabei", aber das ändert nichts daran, dass dieser sehr überraschende Strategieschwenk von RWE ganz deutlich zeigt wie attraktiv Solar in Deutschland ist, selbst bei der schon sehr hohen Ausbaurate und den deutlich gesunkenen Einspeisevergütungen. Der neue RWE-Chef antwortete auf die Photonfrage "wie sich das 1-GW-Ziel mit dem geplanten Ausbaukorridor der Bundesregierung von 2,5 bis 3,5 GW vertrage" mit "wenn wir 1 Gigawatt bauen, da bleibt doch für die anderen schon noch etwas übrig, oder?". Was mich wundert ist, dass die Börse auf diese sehr überraschende Sätze und Ziele vom RWE-Chef überhaupt nicht reagiert hat.
Ich rechne, dass der Solarzubau in diesem Jahr locker über 30 GW gehen wird, da der deutsche Solarmarkt als der größte überhaupt nicht einbrechen wird, Japan und Indien werden in der 2.Jahreshälfte deutlich anziehen wie auch China und die USA.
Was aber auch passiert wie schon im letzten Jahr, das Wachstum von Solar wird überwiegend von großen Solarkraftwerken gespeist werden und weniger von Aufdachanlagen. Damit profitiert auch nicht jeder Zell/Modulbauer von Marktwachstum.
Bis jetzt hat die Börse auf das größere Wachstum, als vor 2, 3 Monate erwatet wurde, eigentlich noch gar nicht reagiert bzw. kaum reagiert. Warum ist schwierig zu sagen. Jedoch ist es natürlich schon so, dass selbst bei einem Zubau von 32 GW die vorhandenen Fertigungskapazitäten von rd. 60 GW immer noch weitaus höher sind wie der Zubau und die Modulpreise immer noch deutlich fallen.
Wie es bei Solar aussieht hat in der letzten Woche Greentech Media Research in ihrer aktuellen "PV Technology, Production and Cost Outlook: 2012-2016" meiner Meinung nach sehr gut auf den Punkt gebracht:
"Die PV-Produktionsbranche hat sich von einer Phase des langfristigen Wachstums, wo die Gewinne von Jahr zu Jahr stiegen, hin zu einer Phase zyklischen Wachstums entwickelt. Das liegt hauptsächlich an den riesigen Überkapazitäten in der heutigen Wertschöpfungskette und der Geschwindigkeit, mit der Einspeisevergütungen auf der ganzen Welt wegfallen.
Wir befinden uns in einer Übergangszeit in der Geschichte des Photovoltaik-Marktes; Die Unterstützung der Förderprogramme fällt weg, und in den nächsten Jahren muss die Branche zum ersten Mal versuchen, sich ohne diese Hilfe zu behaupten. Folglich werden die nächsten drei Jahre extrem schwierig.“
Hier der Link zu diesen Aussagen:
www.solarserver.de/solar-magazin/...ven-wettbewerbs-bevor.html
("GTM Research: Photovoltaik-Herstellern stehen Zeiten intensiven Wettbewerbs bevor")
Noch kurz zu der Aussage von UBS mit "es wird auch Gewinner geben. Aber das werden die chinesischen Solarkonzerne und große Mischkonzerne sein, dies es sich leisten können, eine defizitäre Solarsparte mitzuschleppen und mit Quersubventionen zu stützen, bis die Marktbereinigung vollzogen ist". So ähnlich sehe ich es auch und Stand-Alone Solarunternehmen mit einem geringen finanziellen Spielraum wie Solarworld werden es alleine wohl kaum schaffen können gegen die großen Konzerne wie Bosch, Sharp, LG, BYD, Hanwha Chemicals, Zhongli SCI-Tech Group oder wie Sunpower, das von Total regelmäßige Finanzspritzen bekommt. Da Total natürlich finanziell prächtig da steht bekommt laut dem Sunpower-Chef Werner sein Unternehmen Kredite um 1% billiger als die Konkurrenz. Hilft natürlich enorm, vor allem bei der Projektfinanzierung.
Bei diesem Thema sind wir wieder beim Kernproblem von Solarworld. Ohne einen finanzkräftigen Partner an der Seite von Solarworld wirds meiner Einschätzung nach nicht gehen können die nächsten 2 Jahre.