Dass eine gesamte Branche eines Landes innerhalb nur 6 Wochen so dermaßen kurstechnisch nach unten geprügelt wird, erlebt man nun wirklich sehr selten.
Es gibt sicherlich mehrere Gründe wie man den kollektiven Kursabsturz der China-Solaris in den letzten 6 Wochen erklären kann. Die gesamte Solarbranche ist in einer sehr schwierigen Phase:
1. Massiver Ausbau von Fertigungskapazitäten in den letzten 12 Monate
2. Überraschend sehr schwache Nachfrage im 1.Halbjahr 2011 vor allem in Europa
3. Wirtschaftlich sinnvolle Kürzungen der Solarsubventionen in den wichtigsten europäischen Absatzmärkten (Deutschland, Italien, Tschechien, Frankreich)
Sollte die Nachfrage in den nächsten Wochen/Monate nicht signifikant nach oben gehen, dann wird es wohl zu einem kräftigen Marktbereinigungsprozess kommen und dieses Szenario wird wohl derzeit, vor allem bei den China-Solaris, gespielt. Die Börse hasst nichts mehr wie sehr große Unsicherheiten.
Eine Kombination aus Überkapazitäten in einem nur schwach wachsendem Markt und den daraus resultierenden Margendruck ist natürlich für Shorties ein richtiges Schlachtfest, da sich die geshorteten Unternehmen eigentlich nicht wehren können, da kaum mit guten substanziellen unternehmens- und branchenspezifischen Newsflow in nächster Zeit zu rechnen ist.
Vor allem die chinesischen Solaraktien sind aufgrund weiterer Unsicherheiten in China, vor allem in der Erwartungen auf weitere Zinserhöhungen und der Angst vor einer Immobilienblase in China, und deren deutlichen Sinken der sehr guten Brutto/EBIT-Margen in 2010 in Q1 und die Q2-Margen werden noch ein gutes Stück (3 bis 5%) schwächer ausfallen wie in Q1, schon mehr als ein gefundenes Fressen für die Shorties. Dabei war auch nicht allzu nützlich die Diskussion über die chinesische Sino Forrest, dass deren Bilanzen überhaupt nur ansatzweise stimmen. Ein Problem, das fast alle chinesischen Aktien haben.
- bei LDK sind 56% aller Aktien im Free Float im Mai short gewesen. Das heißt 31,5 Mio.. Im April waren es 42% bzw. 23,6 Mio. Aktien.
- Jinko Solar-Aktien sind mit 41% geshortet bzw. 4,6 Mio. Aktien (April 37% bzw. 4,2 Mio. Aktien)
-Suntech -Aktien sind mit 18% geshortet bzw. 22,4 Mio. Aktien (April 18% bzw. 23,1 Mio. Aktien)
- Yingli -Aktien sind mit 19% geshortet bzw. 16,6 Mio. Aktien (April 19% bzw. 16,7 Mio. Aktien)
- Trina Solar-Aktien sind mit 18% geshortet bzw. 11,8 Mio. Aktien (April 17% bzw. 11 Mio. Aktien)
Die "normale" Shortquote an der Börse beträgt um die 10%.
Die Shorter haben mittlerweile an den China-Solaris in den letzten sechs Wochen richtig gutes Geld verdient, aber ob es in den nächsten Wochen wirklich zu einer Trendwende kommen kann, das weiß wohl nicht einmal der liebe Gott. Sehr wichtig ist für Shorter die Charttechnik und deshalb sollte man bei den China-Solaris erst wieder einsteigen wenn die Charttechnik gut aussieht.
Fundamental ist der Sell Off bei solch guten Unternehmen, operativ wie auch bilanziell, wie Renesola (letzte sechs Wochen - 43%), GCL Poly (- 41%), Yingli (37%) oder Trina Solar (33%) eh nicht zu erklären. Wenn auch z.B. Trina Solar vor allem bei den überraschend hohen operativen Kosten in Q1 deutlich negativ überraschte.
Gerade auf die operativen Kosten sollte man mittlerweile bei den China-Solaris genauer achten, denn bis jetzt wurde eigentlich nur auf die Bruttomage geschaut, aber je mehr sich Solar internationalisieren wird/muss und nicht wie in 2010 von Deutschland und Italien mit einem Weltmarktanteil von 55% dominiert wird, desto stärker werden vor allem die Vertriebskosten steigen und das kann man nicht an der Bruttomarge erkennen.