Kreditabschreibung dreimal so hoch als notwendig


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Libuda:

Kreditabschreibung dreimal so hoch als notwendig

 
17.12.07 14:39
Kein Wunder, dass die Staatfonds aus dem Nahen Osten einsteigen, denn die können sich die besten Manager der Welt leisten, die genau analyisieren, welche Heulnummer der Weltuntergangspropheten da gerade abgezogen wird. Ich gehe zwar davon aus, dass durch mehr von mir absolut als notwendig erachtende Regulierung die Verdienstquellen der Investmentbanken eingeschränkt werden, aber der Umfang der momentanen Abschreibungen ist natürlich Unfug, da nicht einmal ein Drittel dessen tatsächlich benötigt wird, wie Ihr dem nachstehenden Artikel entnehmen könnt.

Handelsblatt Nr. 243 vom 17.12.07 Seite 25


Das neue Krisenbarometer

Die Intransparenz der Verbriefungsmärkte macht den ABX-Index populär

SCOTT PATTERSON CARRICK MOLLENKAMP SERENA NG | WALL STREET JOURNAL Als die schweizerische Großbank UBS vorige Woche Abschreibungen auf US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität (subprime) über weitere zehn Mrd. Dollar vorgenommen hat, hat dabei ein bislang kaum bekannter Kreditmarktindex eine Schlüsselrolle gespielt: Der sogenannte ABX-Index bildet die Entwicklung von Wertpapieren ab, die durch bonitätsschwache Hypothekendarlehen besichert sind.

Diese Entwicklung unterstreicht, welch wichtige Rolle dieser Index in der Subprime-Krise spielt. Sie wirft auch Fragen auf, ob der Markt die richtigen Signale über den Ernst der Lage bei den Hypothekendarlehen aussendet. Einige Bestandteile des ABX sind in diesem Jahr um bis zu 79 Prozent gefallen (s. Grafik). Einige Analysten sind allerdings der Meinung, dass die tatsächlichen Verluste vielleicht nicht so schwerwiegend sind, wie der Index nahelegt.

Morgan Stanley und Citigroup haben den Fall des ABX als einen Faktor für die gigantischen Abschreibungen der vergangenen Wochen angeführt. Die Ratingagenturen behalten ihn fest im Auge, und viele Hedge-Fonds haben das Barometer herangezogen, um gegen den Wohnungsmarkt zu wetten.

Der Index war vor zwei Jahren von der Londoner Firma Markit Group ins Leben gerufen worden und gilt als Messlatte für die Wertentwicklung von Körben von Subprime-Hypothekentiteln. Weil mit diesen Wertpapieren selbst kaum gehandelt wird, bestimmen Instrumente die Richtung des Index, die Credit-Default Swaps genannt und aktiver gehandelt werden. Die Bewertungen der Swaps basieren auf der Einschätzung der Investoren, wie groß das Ausfallrisiko bei den zugrunde liegenden Wertpapieren sein dürfte. Steigen die Ausfallrisiken, fällt der Index - und umgekehrt.

Einige Kritiker bemängeln, der ABX decke nur ein eng begrenztes Feld des Hypothekenmarktes ab und sei anfällig für Wetten auf eine Abwärtsbewegung, die ihn nach unten drücken. UBS-Chef Marcel Rohner hatte das Marktbarometer Ende Oktober noch als "extrem illiquide" abgetan, bevor er ihn dann doch noch als Wegweiser herangezogen hat. Die zunehmende Relevanz des ABX und dessen unterschiedliche Bewertung unterstreichen eine der größten Herausforderungen der Hypothekenkrise: Die Investoren, Banker, Wirtschaftsprüfer und Marktbeobachter haben nicht viele Werkzeuge an der Hand, mit denen sie dem undurchsichtigen Markt für Hypothekendarlehen täglich auf den Zahn fühlen können.

Während der Liquiditätskrise in diesem Jahr hat der Informationsbedarf über die Bewertung der Hypothekentitel den ABX ins Rampenlicht katapultiert. "Der ABX war von entscheidender Bedeutung; er hat Marktkurse produziert, die gezeigt haben, dass der Subprime-Sektor tatsächlich schwere Verluste in wichtigen Bereichen des Hypothekenmarktes hervorrief, die die Investoren sonst nicht hätten erkennen können", sagt Christian Stracke, Analyst der Kredit-Research-Firma CreditSights. "Er steht allein auf weiter Flur." Der ABX bildet 20 hypothekenbesicherte Wertpapiere zweitklassiger Bonität ab, die zusammen einen ursprünglichen Wert von etwa 28 Mrd. Dollar besitzen. Das ist allerdings nur ein kleiner Ausschnitt des gesamten Subprime-Markts, der über eine Bill. Dollar schwer ist.

Der ABX erreicht ein tägliches Handelsvolumen von rund drei Mrd. bis vier Mrd. Dollar. Im Vergleich dazu werden an der Chicago Mercantile Exchange täglich durchschnittlich 179 Mrd. Dollar an S&P-500-Index-Futures und Optionskontrakten umgesetzt. Kritiker führen an, dass der relativ dünne Handel im ABX ihn an manchen Tagen dafür anfällig macht, von ein paar wenigen großen Abschlüssen beeinflusst zu werden. Banken nutzen ihn, um sich gegen Hypothekenrisiken abzusichern, und Hedge-Fonds nutzen ihn, um auf eine weitere Verschlechterung auf dem Wohnungsbausektor zu setzen. Beides tendiert dazu, den Index nach unten zu ziehen.

Einige Analysten behaupten, die Bewertung einiger ABX-Indizes lege ein katastrophales Ergebnis für den Subprime-Hypothekenmarkt nahe, das in dem Ausmaß allerdings unwahrscheinlich erscheine. So sagen zum Beispiel die Analysten von Wachovia Capital Markets, Glenn Schultz und John McElravey, dass der Kurs des ABX, der Hypothekenschuldtitel mit einer Bonitätsbewertung von "AAA" verfolgt, Verluste von rund 49 Prozent unter den Pools von Subprime-Hypotheken, die 2006 emittiert worden sind, impliziert. Ein kumulierter Verlust von 49 Prozent würde aber erst dann eintreten, wenn sämtliche Subprime-Hypotheken aus dem Jahr 2006 ausfielen und die Häuser in der Zwangsversteigerung nur noch die Hälfte ihres Wertes brächten. Die meisten Wall Street-Analysten gehen von kumulierten Verlusten für diese Kredite von zehn bis 15 Prozent aus. Andere ABX-Indizes, wie etwa einer, der Wertpapiere mit einem "BBB"-Rating abbildet, weisen Verluste auf, die sich eher in die Prognosen der Analysten einfügen.

Der Geschäftsführer von Markit, Ben Logan, aber hält dagegen, der ABX-Index habe dazu beigetragen, dass sich der Markt schnell auf die Hypothekenkrise habe einstellen können, und er habe dazu geführt, dass die Exzesse der Wall Street korrigiert worden seien.

Ng, Serena
Mollenkamp, Carrick
Patterson, Scott



17. Dezember 2007




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Libuda:

Die entscheidende Passage ist die nachstehende:

 
17.12.07 17:52
"Einige Analysten behaupten, die Bewertung einiger ABX-Indizes lege ein katastrophales Ergebnis für den Subprime-Hypothekenmarkt nahe, das in dem Ausmaß allerdings unwahrscheinlich erscheine. So sagen zum Beispiel die Analysten von Wachovia Capital Markets, Glenn Schultz und John McElravey, dass der Kurs des ABX, der Hypothekenschuldtitel mit einer Bonitätsbewertung von "AAA" verfolgt, Verluste von rund 49 Prozent unter den Pools von Subprime-Hypotheken, die 2006 emittiert worden sind, impliziert. Ein kumulierter Verlust von 49 Prozent würde aber erst dann eintreten, wenn sämtliche Subprime-Hypotheken aus dem Jahr 2006 ausfielen und die Häuser in der Zwangsversteigerung nur noch die Hälfte ihres Wertes brächten. Die meisten Wall Street-Analysten gehen von kumulierten Verlusten für diese Kredite von zehn bis 15 Prozent aus."

UBS, Citigroup haben also bei ihren AAA-geratenen Subprimes 49% abgeschrieben, was unterstellt, dass alle Hypotheken-Gläubiger ihre Zahlung einstellen und es zu Zwangeversteigerungen kommt und bei diesen Zwangsversteigerungen nur 51% des Beleihungswertes hereinkommt. Dass da die andere Schätzung von zehn bis 15% Ausfällen, die noch zu hoch ist, realistischer ist, leuchtet wahrscheinlich jedem ein, der nicht zu heiß gebadet wurde.  
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gogol:

eine bessere Chance gibt es für die banken nicht

 
17.12.07 17:58
nun kann alles unter einem TITEL abgeschrieben werden, egal wie es zu diesem Minus gekommen ist
auf unserem Planeten gibt es nur Propheten
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Libuda:

Sehe ich ähnlich wie Du

 
17.12.07 18:51
und das haben auch die asiatischen Investoren bei UBS und City getan. Die Banken werden aufgrund dieser Abschreibungen als große außerrordentliche Gewinne einfahren. Trotzdem sollte man gegenüber Investmentbanken nicht in Euphorie verfallen, denn ihr Geschäftsmodell bekommt durch mehr Regulierung auch eines auf die Mütze, sodass man die beiden beschriebenen Effekte gegeneinander abwägen müsste.

Wenn schon Banken, würde ich die Retailer, die überwiegend mit den Investmentbanken in einen Sack gesteckt wurden, bevorzugen: Commerzbank oder Postbank (selbst wenn die schon gut gelaufen sind) oder entsprechend strukturierte Ausländer.
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