Kontron und Jumptec erläutern gemeinsame Zukunft
Neuer Riese für Mini-Computer
Der künftige Weltmarktführer rechnet bis 2003 mit Synergien von 25 Millionen Euro
„Den Hannes kenn’ ich, seit ich im Wohnzimmer mit meiner Firma angefangen habe“, erzählt Hans Mühlbauer, Vorstandschef der Deggendorfer Jumptec Industrielle Computertechnik AG. Das war 1991. Zehn Jahre später werden jetzt aus den beiden Freunden Kollegen. Nach neunmonatigen Verhandlungen haben Mühlbauer und Hannes Niederhauser, Vorstandsvorsitzender der Echinger Kontron Embedded Computers AG, den Zusammenschluss ihrer beiden Unternehmen zum nach eigenen Angaben weltweit führenden Anbieter integrierter Miniaturcomputer bekannt gegeben.
Die Chemie zwischen den Verantwortlichen stimmt also. Beide Managementteams werden in der neuen Firma, die den Namen des größeren Partners, Kontron, tragen soll, aufgehen. Vorstandschef wird Hannes Niederhauser. Doch nicht nur die Persönlichkeiten, sondern auch die Ausrichtung der beiden Unternehmen werde aus der Fusion einen Erfolg machen. Davon ist Niederhauser überzeugt. „Wir sind der erste Anbieter, der die gesamte Produkt- und Wertschöpfungskette in diesem Bereich abdeckt.“ Denn während Jumptec sich auf die Herstellung von Komponenten spezialisiert hat, die in Seriengeräten wie Geldkartenterminals Anwendung finden, stehen bei Kontron vor allem nachgelagerte Systeme und Applikationen für hochkomplexe industrielle Anwendungen im Fokus. „Es gibt so gut wie keine Überschneidungen“, erklärte Mühlbauer, „wir sind uns beim Kunden nie als Wettbewerber begegnet.“ Die Zahl der Stellen von derzeit insgesamt 1400 werde man daher nicht reduzieren.
Von der Fusion erwarten die Firmenchefs erhebliche Steigerungen beim Vertrieb durch Cross-Selling der komplementären Produkte. Denn auch geografisch ergänzten sich beide Unternehmen. Während Jumptec rund die Hälfte der Umsätze in Deutschland erwirtschaftet, verfolge Kontron eine globale Strategie und verkaufe 88 Prozent seiner Produkte außerhalb der Bundesrepublik, 57 Prozent außerhalb Europas. Von diesen Vertriebswegen werde Jumptec profitieren, ist Niederhauser überzeugt.
Neben positiven Effekten in den Bereichen Logistik und Forschung sollen in den nächsten zwei Jahren allein sieben Millionen Euro durch Synergien im Einkauf realisiert werden. „Wir machen zwar unterschiedliche Produkte, doch vier unserer fünf Top-Lieferanten sind identisch“, so Niederhauser. Die günstigeren Konditionen, die Kontron im Vergleich zu Jumptec erhalten habe, könnten jetzt auf das gemeinsame Unternehmen ausgedehnt werden.
Insgesamt bezifferte Niederhauser das Synergiepotenzial für 2002 und 2003 auf rund 25 Millionen Euro und prognostizierte eine Ebitda-Marge zwischen zehn und zwölf Prozent. Der Umsatz der beiden Unternehmen, der in diesem Jahr bei 270 Millionen Euro liegen wird, soll um bis zu 40 Prozent auf 375 bis 400 Millionen im Jahr 2002 wachsen. „Wir planen keine weiteren großen Zukäufe, sondern setzen auf organisches Wachstum“, so Niederhauser. Profitieren will man dabei vor allem vom stärker werdenden Outsourcing-Trend. „Viele Firmen entwickeln derzeit die Steuerung ihrer Maschinen noch selbst“, so der Kontron- Chef, „in der Auslagerung dieses Bereichs liegt für uns als Komplettanbieter ein sehr großes Potenzial.“ Immerhin 85 Prozent des gesamten Embedded Computer- Marktes, dessen Volumen laut Kontron bei 30 Milliarden Euro liegt, machen diese firmeninternen Lösungen aus.
Wenn die Hauptversammlungen zustimmen, soll die Fusion im Juni 2002 abgeschlossen sein. Die im Rahmen einer Kapitalerhöhung durchgeführte sechsprozentige Beteiligung Kontrons an Jumptec werde auf das Verschmelzungsverhältnis von drei Jumptec-Aktien zu zwei Kontron-Aktien keinen Einfluss haben. Die neue Gesellschaft wird nach eigenen Angaben zu den zehn größten am Neuen Markt gehören.
Quelle: Süddeutsche Zeitung