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Marktumfrage/Aufschwung im DAX nicht sehr wahrscheinlich
Frankfurt (vwd) - Ein Aufschwung im DAX ist in den kommenden Tagen nicht sehr wahrscheinlich. Diese Einschätzung vertreten zwei der drei von vwd am Dienstag befragten technischen Analysten. So beurteilen Holger Struck, Analyst bei M.M. Warburg, und Wieland Staudt von Staudt Research die Lage im DAX weiterhin kritisch. Lediglich Martin Siegert von der Landesbank Baden-Württemberg rechnet damit, dass die deutschen Aktien recht bald zu einer deutlichen Erholung starten.
"Der DAX hat in den vergangenen Tagen relativ starke Signale für eine Trendwende ausgebildet", meint Martin Siegert. Mit dem Tief vom vergangenen Freitag sei zum Beispiel eine Hammer-Formation entstanden. Daneben zeige auch der RSI-Indikator mittlerweile positive Divergenzen. Am 54. Handelstag nach dem Hoch, also einer Fibonacci-Marke, habe der Index sein Tief gefunden, was ebenfalls positiv gewertet werden müsse. Auch sei dieser Tiefpunkt exakt die 50-prozentige Korrektur vom Jahreshoch bei 5.467 Punkten gewesen, was ebenfalls ein gutes Signal darstelle, sagt der Analyst.
Alle diese Punkte seien Argumente dafür, dass es wieder nach oben gehen müsste. Um eine Aufwärtsbewegung wirklich zu bestätigen, sollten allerdings die Marken von 4.659 und 4.716/25 Zählern überschritten werden. In diesem Fall bestünde eine realistische Möglichkeit, dass der Abwärtstrend von April bei aktuell 4.950 Punkten getestet werde. Sollte der DAX trotz dieser Signale weiter fallen, dürften die soliden Unterstützungen bei 4.480 bzw 4.400 Zählern die Abwärtsbewegung bremsen.
Auch die Wahrscheinlichkeit einer Top-Bildung im Bund-Future untermauere die positive Einschätzung für den DAX, so Siegert. Der Analyst bewertet vor allem im MDAX die charttechnische Lage bei einigen Einzelwerten als interessant. Hier führt er WCM, Fraport oder die Rheinmetall Vorzüge an.
Sollte der Markt halbwegs zu einer Aufwärtsbewegung fähig sein, müssten die Umsätze anziehen, sich positive Candlestick-Formationen ausbilden und erste Favoriten erkennbar werden, gibt dagegen Holge Struck zu bedenken. Dies alles sei jedoch noch nicht zu sehen. Daher bewertet Struck die charttechnische Lage im DAX insgesamt auch als "sehr unsicher". Zwar sieht der Analyst auch im Tief vom vergangenen Freitag einen Hammer-Candelstick, der eigentlich ein Trading-Kaufsignal darstellt. Aber die am Montag ausgebliebene Reaktion stimme doch leicht negativ. Ein echtes Trading-Kaufsignal wäre den weiteren Angaben zufolge dann entstanden, wenn der DAX den gleitenden Sieben-Tage-Durchschnitt bei aktuell 4.631 Punkten zum Schlusskurs überschritten hätte. Statt dessen scheine die Gegenreaktion am Montag verkümmert zu sein.
Insgesamt befinde sich der Markt in der Support-Zone zwischen 4.400 und 4.650 Punkten, nachdem die Unterstützungen bei 4.731 bzw 4.700 Zählern unterschritten wurden. Sollte auch das Freitags-Tief bei 4.513 Punkten nach unten durchbrochen werden, bestätige dies eindrucksvoll den intakten Abwärtstrend. Noch schlimmer als der DAX sehe dagegen der STOXX-50-Index aus. Dieser laufe Gefahr, sogar die Tiefs vom vergangenen September wieder zu erreichen. Selbst die einzelnen Branchenindizes im STOXX sehen nach Angaben von Struck alle charttechnisch negativ aus. Technologie- und Telekomindizes deuteten neue Tiefs an, und auch bei den gut gelaufenen Branchen Pharma, Automobil, Versorger oder Energie bildeten sich Top-Formationen heraus oder würden Unterstützungen sowie 200-Tage-Linien nach unten durchbrochen.
(mehr/vwd/sst/gre)
11. Juni 2002, 15:59