- denn ohne Gier ist auch alles Nichts. Auch dazu ein bemerkenswerter Ausschnitt aus dem eingangs schon zitierrten Interview:
Wiwo: Herr Schulze, man kann nicht über die Finanzmärkte reden, ohne sogleich dem Wort Habgier zu begegnen. Tritt die Habgier so inflationär in Erscheinung, weil sich die Krise mit ihr leichter erklären lässt - ohne sie verstehen zu müssen?
Schulze: Auf den ersten Blick vielleicht. Aber die wiederkehrende Diskussion fördert auch das kollektive Lernen und erleichtert uns den Umgang mit ihr. Wir sollten nicht in den Chor der politischen Gegenwartskleriker einstimmen, die das ganz natürliche Haben-Wollen der Menschen wieder als Todsünde verdammen. Begehrlichkeit aktiviert Wirtschaftsprozesse und führt zu den Überschüssen, die Verteilung erst möglich machen. Wären wir alle Asketen, befände sich das Konsumklima auf dem Tiefstand, die Banker würden sich schämen, Kredite zu geben, und Unternehmen gingen zur Caritas - allerdings hätten sie nichts, was sie den Armen geben könnten.
Soweit also der empirische Sozialforscher Schulze. Das momentane kollektive Lernen ist meines Erachtens noch nicht ansatzweise in die Aktienkurse eingepreist, sondern nur der Weltuntergang. Ergebnis dieses kollektives Lernen wird mehr Sicherheit sein - und mehr Sicherheit bedeutet niedrigere Risikoprämien. Niedrigere Riskoprämien bedeuten wiederum niedriger Zinssätze, mit denen zukünftige Gewinne abgezinst werden. Da Aktienkurse langfristig nichts anderes darstellen als die Summe der auf den heutigen Tag abgezinsten zukünftigen Gewinne wird uns die Neue Welt stark steigende Aktienkurse bescheren. Wir sollten uns vielleicht doch eher an einem der von Schulze gescholtenen Kleriker ausrichten, die früher realistischer waren die heutigen,wie auch seine Aussagen zum Rülpsen und Furzen und von der wöchentlichen Anzahl weiterer wichtiger Dinge oder die folgende Aussage zeigen: "Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen." Wegen der Abgeltungssteuer sollte man unbedingt in diesem Dezember noch ganz kräftig damit beginnen.