NMI Online vom 15.5.01
Logistik am Neuen Markt: Der Vergleich
Der Stellenwert der Logistik ist spätestens seit dem Wer-befeldzug
der Gottschalk-Brüder für die Deutsche Post
seit langem bekannt. Zur Bewältigung des weltweiten Wa-ren-
und Güterstroms sind die Logistikdienstleister unver-zichtbar
geworden. Dabei scheinen die Unternehmen pro-blemlos
konjunkturellen Schwankungen trotzen zu können.
Drohende Konjunkturabschwünge, wie sie in den vergan-genen
Wochen Politik und Wirtschaft in Aufruhr versetzt
haben, sind nicht selten Wasser auf die Mühlen eines Lo-gistikers.
Die Unternehmen sind dann durch den hohen
Ertragsdruck noch mehr dazu gezwungen, konsequent ihre
Kosten zu senken, was sie wiederum stärker dazu bewegt,
ihre Logistik, die in der Regel nicht zum Kerngeschäft ge-hört,
outzusourcen. Hält man sich vor Augen, dass das
Outsourcingpotenzial in Deutschland und Europa noch
kaum ausgeschöpft ist, sehen die Logistikdienstleister rosi-gen
Zeiten entgegen.
DLogistics: Das Hofheimer Unternehmen D.Logistics
konnte Ende März bei der Präsentation der Ergebnisse
für das Geschäftsjahr 2000 erneut die Erwartungen der
Analysten toppen. Dennoch ist der Aktienkurs unter Druck
geraten, was vor allem charttechnisch bedingt war und wohl
auch durch die befürchtete Kapitalerhöhung ausgelöst
wurde. Diese ist wohl vorerst nicht mehr notwendig, zumal
der Kaufpreis von rund 60 Millionen Euro für die kürzlich
abgeschlossene Übernahme der Cargo Service Center
(CSC) über einen Avalkredit und die Veräußerung von
Immobilienvermögen von CSC finanziert wird. Künftig will
man vor allem aus eigener Kraft wachsen. Dennoch halten
wir die ambitionierten Planungen für realistisch, da man sich
durch die Übernahmen auch international gut positionieren
konnte.
Thiel Logistik: Auch Thiel Logistik glänzte in der Ver-gangenheit
mit hohen Wachstumsraten und sensatio-nellen
Unternehmensergebnissen, die immer über den Er-wartungen
lagen. Dementsprechend war die jüngste Kurs-erholung
aufgrund der güns-tigen
Bewertung der Aktie auch
längst überfällig. Mit dem
Emissionserlös hat es das Ma-nagement
seit dem Börsen-gang
geschafft, Thiel von einer
reinen Speditionsfirma zu einem Vollanbieter logistischer
Dienstleistungen zu repositionieren. Durch die frühzeitige
Fokussierung auf den Bereich Health-Care-Logistics
konnte sich Thiel eine hervorragende Marktstellung sichern.
Hier liegen neben den hohen Wachstumsraten und der her-vorragenden
internationalen Aufstellung auch die größten
Stärken der Luxemburger.
Microlog Logistics: Mit einer Marktkapitalisierung von
233 Millionen Euro ist Microlog neben D.Logistics
und Thiel der kleinste Logistikdienstleister am Neuen
Markt. Im Gegensatz zu den beiden anderen ist das Lor-scher
Unternehmen ein reiner Kontraktlogistiker, das heißt,
man übernimmt logistische Dienstleistungen für andere
Unternehmen und schließt dafür in der Regel fünfjährige
Verträge ab, was zu einer hohen Kundenbindung führt.
Dabei sind die Lorscher ausschließlich im industriellen
Bereich tätig, der stark wachsende Bereich Kranken-hauslogistik
fehlt. Als Wachstumsmotor für die Zukunft
könnte sich die Beteiligung von Stefan Quandt – einer der
Großaktionäre von BMW – erweisen, dessen Name in
der Großindustrie für Microlog die eine oder andere Türe
öffnen dürfte.
Peergroup-Vergleich: Die Aktie von Thiel Logistik ist
mit einem 2002er-KGV von 18 fundamental noch am
günstigsten. Optisch am teuersten ist Microlog mit einem
KGV von 33. Dies relativiert sich aber allein dadurch,
dass von dem Unternehmen noch starke Wachstumsstei-gerungen
zu erwarten sind und der Name Quandt für
einen Auftragsschub sorgen könnte, der ein Überarbeiten
der Planzahlen nötig machen würde. Hinzu kommt noch
ein Stück Akquisitionsfantasie, da Microlog über gut 36
Millionen Euro Cash verfügt.
Fazit: D.Logistics sehen wir derzeit als gute Halteposi-tion,
während Thiel Logistik aufgrund der noch immer
günstigen Bewertung noch Luft nach oben hat. Gute Kur-schancen
sehen wir bei Microlog, die zwar teurer als die
Konkurrenten sind, sich jedoch mit ihrem Geschäftsmo-dell
klar von diesen abheben. Auch das Management ver-steht
sein Geschäft und geht solide bei Plaungen und
Expansionen vor.
Achtung, kurz vor Redaktionsschluss: D.Logistics plant
Kapitalerhöhung. Genaueres im morgigen Brief.
D.Logistics 510 150 31,30 819,4 774,0 927,0 1,2 0,73 1,14 45 28
Microlog Log.549 431 58,00 248,1 194,0 271,6 1,1 0,62 1,78 94 33
Thiel Logistik931 705 23,90 1.146,6 830,0 1.110,0 1,2 0,76 1,23 33 18
Name WKN Akt. Kurs Marktkap. Umsatz in Mio. E KUV Gewinn/Aktie in E KGV
in E in Mio. E 2001 2002 2002 2001 2002 2001 2002
Logistik am Neuen Markt: Der Vergleich
Der Stellenwert der Logistik ist spätestens seit dem Wer-befeldzug
der Gottschalk-Brüder für die Deutsche Post
seit langem bekannt. Zur Bewältigung des weltweiten Wa-ren-
und Güterstroms sind die Logistikdienstleister unver-zichtbar
geworden. Dabei scheinen die Unternehmen pro-blemlos
konjunkturellen Schwankungen trotzen zu können.
Drohende Konjunkturabschwünge, wie sie in den vergan-genen
Wochen Politik und Wirtschaft in Aufruhr versetzt
haben, sind nicht selten Wasser auf die Mühlen eines Lo-gistikers.
Die Unternehmen sind dann durch den hohen
Ertragsdruck noch mehr dazu gezwungen, konsequent ihre
Kosten zu senken, was sie wiederum stärker dazu bewegt,
ihre Logistik, die in der Regel nicht zum Kerngeschäft ge-hört,
outzusourcen. Hält man sich vor Augen, dass das
Outsourcingpotenzial in Deutschland und Europa noch
kaum ausgeschöpft ist, sehen die Logistikdienstleister rosi-gen
Zeiten entgegen.
DLogistics: Das Hofheimer Unternehmen D.Logistics
konnte Ende März bei der Präsentation der Ergebnisse
für das Geschäftsjahr 2000 erneut die Erwartungen der
Analysten toppen. Dennoch ist der Aktienkurs unter Druck
geraten, was vor allem charttechnisch bedingt war und wohl
auch durch die befürchtete Kapitalerhöhung ausgelöst
wurde. Diese ist wohl vorerst nicht mehr notwendig, zumal
der Kaufpreis von rund 60 Millionen Euro für die kürzlich
abgeschlossene Übernahme der Cargo Service Center
(CSC) über einen Avalkredit und die Veräußerung von
Immobilienvermögen von CSC finanziert wird. Künftig will
man vor allem aus eigener Kraft wachsen. Dennoch halten
wir die ambitionierten Planungen für realistisch, da man sich
durch die Übernahmen auch international gut positionieren
konnte.
Thiel Logistik: Auch Thiel Logistik glänzte in der Ver-gangenheit
mit hohen Wachstumsraten und sensatio-nellen
Unternehmensergebnissen, die immer über den Er-wartungen
lagen. Dementsprechend war die jüngste Kurs-erholung
aufgrund der güns-tigen
Bewertung der Aktie auch
längst überfällig. Mit dem
Emissionserlös hat es das Ma-nagement
seit dem Börsen-gang
geschafft, Thiel von einer
reinen Speditionsfirma zu einem Vollanbieter logistischer
Dienstleistungen zu repositionieren. Durch die frühzeitige
Fokussierung auf den Bereich Health-Care-Logistics
konnte sich Thiel eine hervorragende Marktstellung sichern.
Hier liegen neben den hohen Wachstumsraten und der her-vorragenden
internationalen Aufstellung auch die größten
Stärken der Luxemburger.
Microlog Logistics: Mit einer Marktkapitalisierung von
233 Millionen Euro ist Microlog neben D.Logistics
und Thiel der kleinste Logistikdienstleister am Neuen
Markt. Im Gegensatz zu den beiden anderen ist das Lor-scher
Unternehmen ein reiner Kontraktlogistiker, das heißt,
man übernimmt logistische Dienstleistungen für andere
Unternehmen und schließt dafür in der Regel fünfjährige
Verträge ab, was zu einer hohen Kundenbindung führt.
Dabei sind die Lorscher ausschließlich im industriellen
Bereich tätig, der stark wachsende Bereich Kranken-hauslogistik
fehlt. Als Wachstumsmotor für die Zukunft
könnte sich die Beteiligung von Stefan Quandt – einer der
Großaktionäre von BMW – erweisen, dessen Name in
der Großindustrie für Microlog die eine oder andere Türe
öffnen dürfte.
Peergroup-Vergleich: Die Aktie von Thiel Logistik ist
mit einem 2002er-KGV von 18 fundamental noch am
günstigsten. Optisch am teuersten ist Microlog mit einem
KGV von 33. Dies relativiert sich aber allein dadurch,
dass von dem Unternehmen noch starke Wachstumsstei-gerungen
zu erwarten sind und der Name Quandt für
einen Auftragsschub sorgen könnte, der ein Überarbeiten
der Planzahlen nötig machen würde. Hinzu kommt noch
ein Stück Akquisitionsfantasie, da Microlog über gut 36
Millionen Euro Cash verfügt.
Fazit: D.Logistics sehen wir derzeit als gute Halteposi-tion,
während Thiel Logistik aufgrund der noch immer
günstigen Bewertung noch Luft nach oben hat. Gute Kur-schancen
sehen wir bei Microlog, die zwar teurer als die
Konkurrenten sind, sich jedoch mit ihrem Geschäftsmo-dell
klar von diesen abheben. Auch das Management ver-steht
sein Geschäft und geht solide bei Plaungen und
Expansionen vor.
Achtung, kurz vor Redaktionsschluss: D.Logistics plant
Kapitalerhöhung. Genaueres im morgigen Brief.
D.Logistics 510 150 31,30 819,4 774,0 927,0 1,2 0,73 1,14 45 28
Microlog Log.549 431 58,00 248,1 194,0 271,6 1,1 0,62 1,78 94 33
Thiel Logistik931 705 23,90 1.146,6 830,0 1.110,0 1,2 0,76 1,23 33 18
Name WKN Akt. Kurs Marktkap. Umsatz in Mio. E KUV Gewinn/Aktie in E KGV
in E in Mio. E 2001 2002 2002 2001 2002 2001 2002
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